Lenninger Tal

Flüchtlinge meißeln Träume und Erlebnisse in Stein

Projekt Die Studentin Elisabeth Hundschell hat Flüchtlingen in Oberlenningen einen kunsttherapeutischen Workshop angeboten. Von Anke Kirsammer

Flüchtlingsunterkunft Oberlenningen Höllochstraße, Steinmetzworkshop
Flüchtlingsunterkunft Oberlenningen Höllochstraße, Steinmetzworkshop

Was da in der Garage an der Oberlenninger Höllochstraße auf den U-Steinen liegt, hat teils noch Ecken und Kanten, andere Werke haben den letzten Schliff bereits bekommen, und sie wurden feinsäuberlich bemalt. Entstanden sind die Arbeiten im Rahmen eines Steinprojekts, das die Kunsttherapeutin Elisabeth Hundschell seit Mitte Februar für Flüchtlinge angeboten hatte, die im Wohnheim in der Höllochstraße leben. Das Fazit, das die Nürtingerin zieht, die das Projekt im Rahmen ihres Master-Studiums angeboten hat, ist gemischt: „Manchmal hat es wunderbar geklappt, und es sind viele gekommen, ein anderes Mal war es sehr schleppend.“

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Ist es sinnvoll, mit Flüchtlingen kunsttherapeutisch zu arbeiten?, so lautete die Ausgangsfrage, die sich Elisabeth Hundschell gestellt hatte. Eine Handvoll Asylbewerber blieb bei der Stange und griff auch bei acht Grad zu Spitzeisen und Holzklöppel. Zu den Werken derjenigen, die regelmäßig da waren, zählen ein Huhn, zwei Herzen, eine bis ins Detail ausgearbeitete Büste mit einem Kreuz um den Hals und ein Boot - eine Arbeit, mit der der Gambier Sidia Falty das Thema Flucht aufgreift.

Mit dem Workshop wollte Elisabeth Hundschell den Flüchtlingen den Umgang mit dem Material Stein beibringen, Ziel war aber auch, Spannungen abzubauen und Depressionen entgegenzuwirken, unter denen Asylbewerber durch ihre Erlebnisse oft leiden. „Und es ging darum, Kraft dosiert einzusetzen“, erklärt die Kunsttherapeutin. „Die regelmäßig kamen, waren dankbar für das Angebot.“ Einige Teilnehmer verlangten ihr jedoch eine große Flexibilität ab. „Ich habe das Gefühl, dass ich bei denen, die regelmäßig da waren, die Ressourcen stärken konnte“, sagt sie nachdenklich.

Die Flüchtlinge bekämen durch solche Angebote ein anderes Gemeinschaftsgefühl, betont die Integrationsmanagerin der Bruderhausdiakonie Heike Widmann. Einen festen Termin zu haben, helfe ihnen auch in ihrer Situation, befinden sich doch alle in einer Warteschleife. Allerdings zeigte sich, dass die Teilnehmer, die regelmäßig bei dem Steinprojekt mitgemacht haben, zu denen gehören, die auch anderweitig engagiert sind, sich um Jobs kümmern und gerne rauskommen. „Andere ziehen sich komplett zurück“, so die Erfahrung von Heike Widmann.

Bereits im vergangenen Jahr konnten die Flüchtlinge im Rahmen eines Gartenprojekts die Außenanlagen hinter dem Haus etwas einladender gestalten. Seitdem gibt es dort Beerensträucher, Blumen und eine aus Paletten gezimmerte Sitzecke.

Info Am kommenden Mittwoch, 9. Mai, findet von 17 bis 21 Uhr ein zwangloses Fest am Wohnheim in der Höllochstraße 6 statt, bei dem die Bewohner ihr künstlerisches Potenzial präsentieren. Die Besucher können die Ergebnisse des Workshops anschauen, und ein junger Gambier stellt selbst genähte Kleider aus. Außerdem tritt die Trommelgruppe Rasta Kunda auf, die sich regelmäßig im Bahnhöfle in Unterlenningen trifft. Es gibt zu trinken, und die Bewohner kochen ein afrikanisches Essen. Dabei können die Gäste zwanglos mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen. Derzeit wohnen 65 Asylbewerber in dem Gebäude. Die überwiegende Mehrheit stammt aus Gambia. Unter den Flüchtlingen sind jedoch auch Pakistani und Eritreer.ank