Lenninger Tal

Franz Gere knackt auch harte Nüsse

Der 79-jährige Owener baut samstags auf dem Kirchheimer Wochenmarkt seinen Stand auf

Franz Gere in seinem Element: An seinem selbst gezimmerten Stand auf dem Kirchheimer Markt verkauft der rührige Rentner ganze un
Franz Gere in seinem Element: An seinem selbst gezimmerten Stand auf dem Kirchheimer Markt verkauft der rührige Rentner ganze und geknackte Walnüsse, Walnussöl sowie Honig.Foto: Jörg Bächle

Owen/Kirchheim. Eine Walnuss in der einen Hand, eine Rohrzange in der anderen, so demonstriert Franz Gere seine Technik: „Ich setze oben,

unten und an der Seite an.“ Nach einem beherzten Drücken springt die Walnuss mit einem Knacks auf.

Spielend lösen sich die beiden Kernhälften aus der von rissigen Furchen durchzogenen Schale. Einen handelsüblichen Nussknacker sucht man bei dem 79-jährigen Owener vergeblich. „Wenn man die Nuss am Bauch hält und drückt, kommt man gleich ans Fleisch“, erklärt er. Zerbröselte Walnusskerne aber wolle keiner haben. Franz Gere, im Lenninger Tal längst auch „d'r Nussa Franz“ genannt, schwört deshalb auf die mit einem Anschlag versehene Rohrzange als Werkzeug. Samstags verkauft er auf dem Kirchheimer Wochenmarkt Walnüsse, Walnussöl, das er in Ötlingen pressen lässt und Honig von regionalen Erzeugern.

Erstmals Marktluft geschnuppert hatte der in Budapest geborene Owener vor 14 Jahren mit dem Verkauf von Tannenwedeln. Bald darauf kam ihm die Idee, Walnüsse zu verkaufen. „Angefangen hab ich mit fünf Kilogramm“, sagt er. Inzwischen tütet er zusammen mit einem Partner den Ertrag zahlreicher Nussbäume von Dettingen bis Oberlenningen ein, darunter riesige, knapp 60 Gramm schwere Nüsse, die er auf dem Bühl in Unterlenningen erntet. Bei der Baumversteigerung der Gemeinde Lenningen ist Franz Gere stets mit von der Partie.

Nach dem Sammeln, Waschen und Sortieren der Nüsse kommt die heikle Phase des Trocknens. „Damit von allen Seiten Luft hinkommt, lege ich sie nur in zwei Schichten übereinander“, so der Nussliebhaber. Stichprobenartig wandern einzelne Exemplare zwischendurch auf die Apothekerwaage. „40“, steht auf einer größeren Walnuss. „So viel hatte sie nach der Ernte. Jetzt wiegt sie noch 17  Gramm“, sagt Franz Gere. „55 bis 60 Prozent Feuchte gehen beim Trocknen raus.“ Bleibt das Gewicht nach ein paar Tagen unverändert, weiß er, dass er die Nüsse einlagern kann. Den letzten Beweis liefern ihm die feinen Blättchen im Innern – für Franz Gere „die Seele“ der Nuss: „Wenn sie beim Abbrechen knackt, ist die Nuss trocken.“ Zu lange allerdings dürfen die Walnüsse nicht im Warmen bleiben, denn sonst werden sie hart, splittern beim Öffnen und verlieren an Aroma, hat der Experte festgestellt.

25 Nüsse knackt Franz Gere pro Minute. Für ein Kilogramm Kerne braucht er drei Stunden. „Die Spitzmäuse schafft man nicht in der Zeit, die sind hart wie Beton“, schränkt der fast 80-Jährige ein und präsentiert kleine, an den Enden schmal zulaufende Nüsse, deren Schalen nur schwer beizukommen ist. Am liebsten knabbert Franz Gere die Walnüsse aus der Gegend um Grenoble. Er selbst bietet vier bis fünf verschiedene Sorten an. Damit sich der Geschmack voll entfaltet, empfiehlt er, die Kerne so lange zu kauen, bis sie zu Brei geworden sind. „Manche schmecken nach Mandeln“, meint er genießerisch. „Ich selbst esse Walnüsse am liebsten mit einer Banane oder einem Apfel.“ Nicht zuletzt weist er auf die gesundheitsfördernde Wirkung hin, soll ein moderater Genuss doch das Herz stärken und helfen, den Cholesterinspiegel zu senken.

Längst hat Franz Gere auf dem Kirchheimer Markt eine treue Käuferschaft, darunter eine 100-jährige Frau. Viele Kunden verfeinern mit den Nüssen ihr Müsli. „Eine Frau bringt mir immer Nussschäumchen mit“, erzählt der Händler freudig. Auf dem Markt seine Waren anzubieten, mit den Kunden und den „Kollegen“ ins Gespräch zu kommen, findet er „wunderbar“.

Er brauche einfach viele Leute um sich herum, meint der Owener lachend, der seit der Gründung der Fußballabteilung des Turnvereins Unterlenningen vor 60 Jahren eng mit dem Verein verbandelt ist und als Spieler, Trainer, als Mitglied im Ältestenrat und bei Arbeitseinsätzen seit jeher viel Freizeit in den TVU investiert.

– Sofern er nicht gerade Nüsse knackt oder auf dem Markt seine Ware feilbietet.

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