Lenninger Tal

Freizeitvergnügen ohne Platzangst in Corona-Zeiten

Ausflug Das Freilichtmuseum in Beuren lockt im Jubiläumsjahr auch ohne Veranstaltungen die Besucher an. Der Tag vergeht mit Picknick und (Gänse-)Geschnatter. Von Iris Häfner

Corona-Programm Museum Tiere
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli

Regen und Corona - was geht da im Freilichtmuseum Beuren? Platzangst muss man auf jeden Fall keine haben, der Mindestabstand lässt sich auf dem großzügigen Gelände gefahrlos einhalten. Wo‘s eng werden könnte, kommt ohnehin keiner hin: Einige Gebäude sind geschlossen, ein frecher Blick durch die Fensterscheiben ist jedoch in vielen Fällen möglich. Einen Übersichtsplan mit den corona-bedingten Besichtigungsmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Museums, den Plan auch an der Museumskasse.

Es ist also ein wenig ein Museumsbesuch light, der jedoch durchaus seinen Reiz hat. Die erste kleine Enttäuschung, nicht in jede Ecke in allen Häusern spickeln zu können, leuchtet bei kurzem Nachdenken ein: Die Menschen waren vor ein paar Generationen kleiner gebaut - und hatten weitaus weniger Ansprüche. Ihre Häuser waren dementsprechend klein und bescheiden. „Um die Abstandsregeln durchgängig einhalten zu können sind manche Gebäude zu eng und unübersichtlich für eine Besichtigung“, heißt es dazu offiziell auf der Homepage.

Unter freiem Himmel geht jedoch alles zu den aktuellen Corona-Regeln. „Bei schönem Wetter kommen viele Familien. Sie nutzen das herrliche Gelände zu einem Picknick, haben Decken dabei und genießen das Drumrum. Die Kinder toben im Naturspielbereich und freuen sich an den Schafen, Ziegen, Hasen und Hühnern“, erzählt Museumsleiterin Steffi Cornelius. Sie ist ausgesprochen positiv gestimmt, obwohl vorerst bis Ende dieses Monats keine Veranstaltungen stattfinden können. „Das Interesse ist groß. An Pfingsten waren an beiden Tagen jeweils rund 600 Besucher da, an Himmelfahrt über 400“, erzählt sie. Auch an schönen Wochentagen in den Ferien tummeln sich viele Gäste auf den Wiesen. „Das ist ausgesprochen ermutigend, da wir ja keine Veranstaltungen haben - ich finde das total motivierend“, freut sich Steffi Cornelius.

Sie und ihre Mitarbeiter sind regelmäßig auf „teilnehmender Beobachtung“ selbst im Gelände unterwegs. „Wir schauen, was unsere Besucher so angucken“, erzählt die Museumleiterin. Da ist dann etwa das Bedauern darüber zu sehen, dass die Lehrerwohnung zugesperrt ist. Auch die Chefin schlendert aufmerksamen Auges durch ihr Revier und kommt mit Anregungen für ihre Mitarbeiter zurück. Der Schreiner darf beispielsweise gleich nach seinem Urlaub ein Brett in einer Scheune anbringen. Auf das können dann kleine Kinder steigen - und damit wie die Erwachsenen einen Blick ins Innere des Wohnhauses erhaschen.

Der enge Austausch der „Sieben im Süden“ - die sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg - hat sich auch in Corona-Zeiten bewährt. „Wir unterstützen uns gegenseitig und tauschen uns aus, beispielsweise was die Hygienemaßnahmen anbelangt oder was wir weiterhin anbieten können“, erklärt Steffi Cornelius. So durfte sie etwa die Idee kopieren, dass Familie Scheuchle - die Vogelscheuchen, die im Museum verteilt zu finden sind - einen Mundschutz tragen.

Ausgesprochen schade findet sie es, dass das Jubiläumsjahr bislang ins Wasser gefallen ist. Seit 25 Jahren gibt es die Einrichtung in den Beurener Herbstwiesen. Alles war bestens vorbereitet. Ganz umsonst war jedoch nicht alles. Im Empfangsraum des Hauses aus Öschelbronn können sich die Besucher einen Ein- und Überblick über 25 Jahre Museumsarbeit verschaffen. Kuriose, hintergründige und unerwartete Objekte lassen sich dort entdecken und damit die Geschichte lebendig werden. Eine alte Radelrutsch findet sich dort ebenso wie das obligatorische Spätzlesbrett, ein neckisches Negligee, ein Boddschamber oder einfach nur Aktenberge.

Letztere sind dem Gartenteam herzlich egal. Es kümmert sich um Mangold, Teefenchel, Erdbeeren, Borretsch und Unkraut. Auch von einem kühlen Sommerregen lassen sich Sabine Haußmann aus Neuffen, Hildegard Heer aus Nürtingen und Margit Stengle aus Betzgenriet nicht abschrecken. Im Gemüsegarten hinterm Ausgedinghäuschen aus Aichelau werkeln sie gut gelaunt vor sich hin. Ihre Arbeit wurde im Gegensatz zum Genussteam oder den Mitarbeitern im Tante-Helene-Lädle nicht von Corona gestoppt. Der Abstand lässt sich zwischen den Gemüsereihen problemlos einhalten, ebenso mit den Besuchern, mit denen sie zwanglos ins Gespräch kommen. „Die Kinder haben eine Freude an den Gärten und den Tieren. Auf dem großen Gelände haben sie Auslauf und wissen am Ende des Tages, wo die Nahrungsmittel herkommen“, ist ihre Erfahrung. Wie alle anderen hoffen auch sie darauf, dass im Sommer ein klein wenig Normalität herrscht: „Wir liefern das Rohmaterial für das Genussteam. Die Gäste sollen doch in den Genuss der leckeren Versucherle kommen.“

 

Info: Das Freilichtmuseum in Beuren ist von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Es gelten die aktuellen Schutz- und Hygienevorschriften. Unter der Internet-Adresse www.freilichtmuseum-beuren.de/ihr-besuch/ihr-besuch-in-corona-zeiten können Interessierte die Hygiene-Regelungen und einen Übersichtsplan mit aktuellen Einschränkungen herunterladen.

Beuren Corona-Zeiten Tiere
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli
Freilichtmuseum Beuren, Teckregion, Kirchheim
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli
Beuren, Gartenarbeiten
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli
Beuren, Teckregion, Museum
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli
Museum, Beuren, Teckregion, Kirchheim
Das Freilichtmuseum Beuren lädt besonders in Corona-Zeiten zu einem Besuch ein. Foto: Markus Brändli
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