Lenninger Tal

Frisch gefärbt auf Ostereiersuche

Angebot Der Unterlenninger Friseur Uwe Schwarz hat sich für seine Kunden etwas Pfiffiges einfallen lassen: Er stellt ihnen Färbemittel für ihre Haare samt Utensilien und Anleitung vor die Haustür. Von Anke Kirsammer

Anke und Uwe Schwarz betreiben ihr Haarstudio in Unterlenningen seit 29 Jahren. „Color to go“  heißt der besondere Service, mit
Anke und Uwe Schwarz betreiben ihr Haarstudio in Unterlenningen seit 29 Jahren. „Color to go“ heißt der besondere Service, mit dem sie versuchen, durch die Coronakrise zu kommen (Bild unten). Foto: Jörg Bächle

Fernsehgrößen wie Maybrit Illner kennen das Problem genauso wie Lieschen Müller: Die Kurzhaarfrisur muss regelmäßig nachgeschnitten, der Haaransatz gefärbt werden, will man aussehen wie aus dem Ei gepellt. Doch seitdem die Friseure wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geschlossen haben, kämpfen viele Kunden mit wuchernden Haarschöpfen und graumelierten Schläfen.

Der Unterlenninger Friseurmeister Uwe Schwarz, der derzeit in seinem Zwangsurlaub statt Haaren Bäume schneidet, hatte eine pfiffige Idee: Damit die Ostereiersuche auch dieses Jahr frisch gefärbt vonstatten gehen kann, stellt er seinen Kundinnen auf Wunsch deren gewohntes Färbemittel vor die Haustür. „Dauerwellen sind wahnsinnig zurückgegangen, aber eine Tönung oder Farbe bekommt heute fast jede Frau“, sagt er. Im Computer ist die Rezeptur für jede Kundin hinterlegt. Je nach natürlicher Haarfarbe und -struktur braucht es eine andere Mischung von Farbe und einem sogenannten Entwickler beziehungsweise Wasserstoffperoxid in einer bestimmten Konzentration.

Die Pakete sind individuell

Ob Mahagoni, Kupfergold oder Blond: Uwe Schwarz stellt das individuelle Paket zusammen. Dazu kommen ein Tiegel, in dem sich die Mischung anrührten lässt, ein Pinsel, ein kompostierbares Handtuch, ein Einwegumhang und entsprechende Handschuhe. „Das gibt eine ziemliche Sauerei, und die Farbe geht schlecht von der Haut weg. Deshalb sollte man auf jeden Fall Handschuhe anziehen“, rät der Experte. Beigelegt wird außerdem eine Anleitung, damit das Tönen oder Färben im heimischen Bad gelingt. Besser sei es, die Prozedur vor allem am Hinterkopf von jemand anderem machen zu lassen. Dusche oder Badewanne eigneten sich wegen des Brausekopfs besser als das Waschbecken.

Foto: pr

„Unsere Einnahmen sind gerade bei null“, sagt Uwe Schwarz. Ihm geht es nicht darum, neue Kunden zu gewinnen. Vielmehr möchte er Kollegen dazu animieren, das gleiche Angebot zu machen. Bereits eine Woche, bevor die Friseure schließen mussten, hatte der 59-Jährige an seinem Haarstudio an der Kirchheimer Straße in Unterlenningen die Ladentür zugesperrt. „Ich fand es unverantwortlich, weiterzuarbeiten. Den nötigen Abstand von 1,50 Metern können wir ja gar nicht einhalten“, sagt er. Die beiden 450-Euro-Kräfte, die er neben seiner Frau angestellt hat, beschäftigt er weiter. „Es sind so gute und langjährige Mitarbeiterinnen. Ich möchte sie behalten“, betont er. Würde er ihnen kündigen, wären sie weg, denn Friseure werden händeringend gesucht.

Der Lieferdienst kommt gut an

„Color to go“ - der spezielle Service, zu dem Uwe Schwarz Lieferdienste von Läden und Restaurants inspiriert haben, kommt bereits gut an. Beworben hatte er das Angebot, das auch den Verkauf von Gutscheinen, Gels, Haarsprays und anderen Pflegeprodukten beinhaltet, über seine Homepage, Facebook und Anzeigen. Wie lange er Schere und Rasierer noch liegen lassen muss, weiß er momentan nicht.

Viele Kundinnen gehen sonst alle vier bis sechs Wochen zum Friseur, um den grauen Haaransatz zu kaschieren. Vor Ostern ist wie vor Weihnachten in den Salons traditionell besonders viel los. - So wird wohl in Corona-Zeiten im einen oder anderen Haus nicht nur der Pinsel geschwungen, um Ostereier mit Farbe zu überziehen, sondern auch, um sich selbst für das Fest herauszuputzen.

Die Soforthilfe war in drei Stunden beantragt

Einen Antrag auf Soforthilfe des Landes hat Uwe Schwarz bereits gestellt, um den Verdienstausfall wenigstens etwas zu kompensieren. Kleinstunternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern steht eine Einmalzahlung in Höhe von 9 000 Euro für drei Monate zu, damit sie überleben können.

Drei Stunden hat er investiert, um das siebenseitige Formular auszufüllen, das er über die Handwerkskammer bekommen hat. „Man muss sich schon hinsetzen und im Internet recherchieren“, so Uwe Schwarz. Ein riesiger Aufwand sei es aber nicht gewesen.ank

Anzeige