Lenninger Tal

Geld für die Schwester und die Kinder

Flüchtlinge Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir Falowo Oluwafemi, genannt Samuel, aus Nigeria vor. Er arbeitet bei der Industriebuchbinderei Idupa in Owen. Von Iris Häfner

Samuel und sein Chef Hagen Schübelin in der Industriebuchbinderei.  Foto: Iris Häfner
Samuel und sein Chef Hagen Schübelin in der Industriebuchbinderei. Foto: Iris Häfner

Drei Firmen in Owen bieten Geflüchteten Arbeit. Eine davon ist Idupa, Druckverarbeitung, Hagen Schübelin der geschäftsführende Gesellschafter. „Am Anfang waren es drei Flüchtlinge“, erzählt der Chef. Ein Mann aus Eritrea hat bei ihm sogar eine Ausbildung begonnen. „Dann wurde er für den Vollzeitsprachkurs abgezogen - danach war nix mehr“, bedauert er. Wegen der Sprachbarriere sei keine Ausbildung zum Medientechnologen möglich. In seiner Industriebuchbinderei bedienen Mitarbeiter Maschinen, die bunte Druckfahnen in die gewünschte Form falten, damit daraus eine Broschüre oder ein Prospekt, im Fachjargon Schneid-Falzprodukt genannt, wird.

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„Von den zwei Nigerianern ist einer noch da“, sagt Hagen Schübelin. Es ist Falowo Oluwafemi. Er nennt sich der Einfachheit halber jedoch Samuel - seit er in Deutschland ist. Die Asylanträge der beiden Nigerianer wurden abgewiesen, dagegen haben sie Einspruch eingelegt. „Alles ist irgendwie in der Schwebe. Wenn du abgeschoben wirst, bist du halt plötzlich weg“, sagt Hagen Schübelin, der durchweg gute Erfahrungen mit seinen afrikanischen Mitarbeitern gemacht hat. „Die sind pünktlich, haben sich eingefügt und machen einen guten Job. Mit ihrem Englisch-Kauderwelsch kommen sie irgendwie durch, lernen dafür aber im Gegensatz zu den arabisch sprechenden Flüchtlingen kaum Deutsch“, sagt er. Mit diesen Voraussetzungen kann er sie aber nicht in die Berufsschule schicken - auch wenn er händeringend Nachwuchskräfte sucht.

Die Rahmenbedingungen für die Flüchtlinge sind nicht immer optimal. „Als sie noch im Container in Kirchheim gewohnt haben, konnten sie nicht schlafen, weil immer Remmidemmi war. Dann hier den ganzen Tag arbeiten - das hat sie geschlaucht“, hat Hagen Schübelin Verständnis für die besondere Situation. Das gehört jetzt der Vergangenheit an. Seit zwei Jahren lebt Samuel in Deutschland, das Ende ist allerdings absehbar. „Es sind halt Wirtschaftsflüchtlinge“, redet der Chef nicht lange um den heißen Brei herum, ist jedoch „ein bissle traurig“, dass das Beschäftigungsverhältnis irgendwann aufhört. „Das hätte Zukunft gehabt“, sagt er, denn Samuel habe sich in die Gesellschaft eingeführt und seinen Unterhalt nahezu selbst erwirtschaftet. Seiner Ansicht nach muss bei den Asylsuchenden mehr differenziert werden. „Wenn man sie ausweist, weil sie nicht aus dem ,richtigen Land‘ kommen und sie dann doch toleriert und akzeptiert, um sie dann irgendwann doch abzuschieben, finde ich nicht gut. Man sollte diejenigen hierbleiben lassen, die was tun. Die fallen unserer Gesellschaft nicht zur Last“, sagt Hagen Schübelin. Samuel ist 35 Jahre alt und schickt regelmäßig Geld in die Heimat für die Kinder seiner Schwester, die er adoptiert hat, weil sein Schwager gestorben ist.