Lenninger Tal

Genesen - aber noch lange nicht gesund

Corona Torsten Schiller hat Covid 19 überstanden. Der 55-Jährige hatte keine Vorerkrankungen.

Torsten Schiller muss noch viel trainieren.Sabine Zeller-Rauscher
Torsten Schiller muss noch viel trainieren. Foto: Sabine Zeller-Rauscher

Hülben. Torsten Schiller hat trotz Covid sein ansteckendes Lachen nicht verloren, auch wenn seine Tage oft alles andere als einfach sind. „Wenn ich nicht mehr lachen könnte, das wäre schlimm“. Richtig schlimm war für den 55-Jährigen das letzte halbe Jahr, das er nicht zu Hause, sondern in verschiedenen Kliniken und Reha-Einrichtungen verbringen musste. Der Hülbener infizierte sich Ende März mit Sars-CoV-2. Von den bekannten Coronasymptomen hatte er „nur“ starkes Fieber. Seine Frau Regine, die zuvor einen milden Verlauf hatte, dachte schnell an Corona und leitete über den Hausarzt entsprechende Maßnahmen ein.

Dann ging alles ganz schnell. Am 2. April wurde Schiller ins Bad Uracher Krankenhaus eingeliefert, am Folgetag auf die Intensivstation nach Reutlingen verlegt. Aufgrund der Schwere des Verlaufs folgte die Verlegung nach Tübingen. Sieben Wochen von seinem Tübinger Klinikaufenthalt fehlen ihm komplett, weil er diese lange Zeit im künstlichen Koma an der Ecmo, einer Art Herz-Lungenmaschine, angeschlossen war. „An die Zeit der Beatmung kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an die Zeit danach. Das war Horror“, denkt Schiller zurück. Zwischendurch war er auch an die Dialyse angeschlossen. Der siebenwöchigen Beatmungszeit folgten fünf Wochen auf der Intensivstation.

23 Kilo nahm der zuvor normalgewichtige Patient, der keine Vorerkrankungen hatte, ab. Körperfett und auch Muskulatur schwanden extrem durch das lange Liegen. „Ich musste erst wieder das Laufen und das Essen lernen“, erinnert sich der Servicemann der Hülbener Bank. Dem Tübinger Klinikaufenthalt folgten weitere in Reutlingen und Bad Urach. „Hier, als ich das Laufen lernte, habe ich gemerkt, dass es aufwärts geht“, blickt Schiller dankbar zurück. Ganz großen Dank und viel Lob spricht er immer wieder sämtlichen Mitarbeitern in den verschiedensten Kliniken aus. „Die haben mir das Leben gerettet“, sagt der zähe Familienvater, der mit Blick auf die schwersten Monate seines Lebens meint: „Ich wollte noch nicht gehen.“

Dem Klinikaufenthalt folgte eine Reha in Konstanz, dem Ort, an dem kürzlich eine Querdenkerdemo stattfand. Auf die Frage, was er empfindet, wenn er von solchen Demonstrationen hört, antwortet Schiller: „Wenn jeder von denen, einen Fall wie meinen in der Familie oder im Bekanntenkreis hätte, wäre keiner auf der Demo. Davon bin ich überzeugt.“

Groß war die Freude, als er Anfang Oktober endlich nachhause durfte. „Hier kann ich wieder gut schlafen.“ Gesund fühlt sich die Hülbener Kämpfernatur noch lange nicht. Sein unsicherer Gang macht ihm vor allem beim Treppenlaufen zu schaffen, ebenso sein Lungenvolumen. An eine Rückkehr zu seinem Arbeitgeber ist deshalb wohl noch lange nicht zu denken. Arbeit gibt es dennoch genug für ihn. „Ich muss täglich meine Hausaufgaben von der Reha machen. Schon morgens im Bett mach ich meine Dehnübungen, um an meiner Form zu arbeiten“, so Schiller, dem die steigenden Zahlen von Neuinfektionen und Intensivbettenbelegungen große Sorgen bereiten.

Die FFP2-Maske ist sein ständiger Begleiter, wenn er außer Haus muss. Größtenteils versucht er jedoch so viel wie möglich per Telefon zu erledigen, auch die Freundschaftspflege, die ganz gut per Telefon und WhatsApp funktioniert. „Mit Blick auf das letzte halbe Jahr, haben mir meine Kumpels geschrieben, dass ich nicht viel verpasst hätte, weil kaum was los war.“ Sabine Zeller-Rauscher

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