Lenninger Tal

Geringe Mobilität als Handicap

Inklusionsforum hat nach Wünschen behinderter Menschen gefragt – 100 000 Euro sind bereitgestellt

Inklusion wird im Lenninger Tal groß geschrieben. Das zeigt sich unter anderem am Ausbau von Kontakten zu örtlichen Vereinen. Nun hat das Inklusionsforum mit Hilfe eines Fragebogens abgeklopft, wo Menschen mit Behinderung oder Einschränkung in den Kommunen der Schuh drückt.

Mit Akustik ausgestattete Ampeln siind für den stark sehbehinderten Ewald Löw aus Brucken beim Queren von Straßen eine große Hil
Mit Akustik ausgestattete Ampeln siind für den stark sehbehinderten Ewald Löw aus Brucken beim Queren von Straßen eine große Hilfe.Foto: Carsten Riedl

Lenningen. Ob inklusiver Sporttag, inklusives Kinderferienprogramm oder Freizeiten für sehbehinderte und sehende Menschen – im Lenninger Tal läuft rund um das Thema Inklusion eine ganze Menge. Mit einem Fragebogen hat das Inklusionsforum erforscht, wo behinderte Menschen in Lenningen, Owen und Erkenbrechsweiler unter anderem beim Thema Mobilität an Grenzen stoßen. Längerfristiges Ziel der Aktion ist die Erstellung eines inklusiven Stadtführers. „Es freut uns zwar, wenn Barrieren abgebaut werden. Wir wollen aber keine Dienstleister verschrecken“, betont Heike Deigendesch, Kinder- und Jugendbeauftragte für die drei Kommunen. „Uns geht es aber eher um Offenheit und darum, gemeinsam Lösungen zu finden.“ Wenn beispielsweise der Friseur nicht barrierefrei erreichbar sei, könne er vielleicht nach Hause kommen, oder beim Bäcker bringe die Verkäuferin die Brötchentüte nach draußen.

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„Kannst du alleine mit dem Bus oder Zug fahren?“, „Welche Dinge machst du gerne?“ und „Können Sie alles, was Sie brauchen, vor Ort ohne Hindernisse einkaufen?“ Antworten zu solchen und ähnlichen Themen rund um den Alltag konnten Kinder und Jugendliche sowie erwachsene Menschen mit Behinderung im Rahmen der Fragebogenaktion auf je sechs Seiten ankreuzen oder Näheres dazu auszuführen. Gefragt wurde unter anderem auch danach, auf welche Hilfen sie angewiesen sind, wie die ortsnahen Bildungs- beziehungsweise Arbeitsmöglichkeiten sind und in welchen Verein sie gerne gehen würden.

Dass ein verbessertes inklusives Zusammenleben etwas wert ist, hat Lenningen im Rahmen der Beratungen zum Haushalt signalisiert. 100 000 Euro sollen in 2016 in die Barrierefreiheit fließen. Das kann das Absenken von Bordsteinkanten ebenso beinhalten wie die Gestaltung von Kommunikations- und Informationssystemen wie die Homepage der Gemeinde. Dabei setzt die Kommune auf die Kooperation sowie den fachlichen Rat von „Unser Netz“ und des Inklusionsforums.

Fragebogenaktion mit gutem Rücklauf

„Von 50 ausgegebenen Fragebögen kamen 35 zurück“, sagt die Kinder- und Jugendbeauftragte Heike Deigendesch. „Das ist ein relativ guter Rücklauf.“ Aus den Antworten geht hervor, dass 19 Personen Bus oder Zug nutzen. 15 greifen nicht auf den Öffentlichen Personennahverkehr zurück. Als ein Grund wurde neben dem Handicap und dem eigenen Alter unter anderem die Unpünktlichkeit von Bus und Bahn genannt. Hinsichtlich der Freizeitgestaltung unterscheiden sich die behinderten Menschen in ihren Angaben kaum von Menschen ohne Behinderung. Viele schauen Filme, gehen Shoppen, mögen Spiele, treffen Freunde oder beschäftigen sich mit Tieren. 19 Personen bemängeln, dass es nicht genügend Freizeitangebote in der Nähe gibt, zehn der Befragten hingegen sind mit dem Angebot zufrieden. Lediglich elf der Befragten engagieren sich bereits in einem Verein, sehr viel mehr würden aber gern einen Verein besuchen. Oben auf der Wunschliste stehen Sportvereine, die Disziplinen wie Reiten, Schwimmen und Fußball anbieten. Als Probleme gesehen werden die eingeschränkte Mobilität beziehungsweise die fehlende Assistenz. Die Befragung hat jedoch auch gezeigt, dass sich fast alle in ihrem jeweiligen Wohnort in Lenningen, Owen oder Erkenbrechtsweiler sehr wohlfühlen.ank