Lenninger Tal

Geschichte unermüdlich „aufgelesen“

Nachruf Zum Tod Christoph Bizers, der die ­heimische Archäologie im Ehrenamt ganz entscheidend geprägt hat.

Christoph Bizer
Christoph Bizer (links). Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Durch den Tod Christoph Bizers hat die Region rund um die Teck einen der profundesten Kenner ihrer Geschichte verloren - der Vor- und Frühgeschichte sowie der Burgengeschichte des Mittelalters. In erster Linie hat sich Christoph Bizer, der am 26. Juni im Alter von 82 Jahren starb, sein Wissen über frühe Siedlungsspuren nicht angelesen. Er hat es vielmehr „aufgelesen“.

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Unzählige Stunden hat der frühere Lehrer im Freien verbracht, um Hunderttausende stummer Geschichtszeugnisse zu sammeln. Er hat sie aber auch beschriftet und katalogisiert. In den 1960er-Jahren war er noch eher auf steinzeitliche Funde spezialisiert, seien es Feuersteine, Pfeilspitzen oder Bohrer. Zehn Jahre später kam dann die Leidenschaft für Burgen hinzu, bei der sich Christoph Bizer als ehrenamtlicher Beauftragter der Archäologischen Denkmalspflege alsbald zu einer kongenialen Forscherfreundschaft mit dem 2013 verstorbenen Historiker Dr. Rolf Götz zusammentat.

2004 traten sie als Autoren des Schriftenreihen-Bands mit dem Titel „Die Thietpoldispurch und die Burgen der Kirchheimer Alb“ hervor. Dieses gemeinsame Forschervermächtnis trägt den Untertitel „Neue Methoden und Ergebnisse der Burgenforschung“. Christoph Bizers archäologische Funde ergänzten das Archivmaterial, das Rolf Götz zusammengetragen hatte - und umgekehrt. Eine wichtige Erkenntnis des Buchs: Zwischen der ersten Besiedlung einer Burgstätte und ihrer ersten urkundlichen Erwähnung können durchaus 100 bis 200 Jahre liegen.

Sein Wissen hat Christoph Bizer in etlichen weiteren Veröffentlichungen für die Nachwelt festgehalten, unter anderem in dem Band „Burgen und Schlösser der Schwäbischen Alb“ von 1994 oder in dem Buch „Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb. Ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung“, das 2006 in der Reihe „Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg“ erschien. 2006 wurde er auch mit dem Archäologiepreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Das zeigt, dass er sich mit seiner detaillierten und handfesten Forschung auch weit über die Teck-Region hinaus einen Namen gemacht hatte.

Seine unermüdliche Forscherarbeit ist nun zu Ende. Am heutigen Dienstag findet die Trauerfeier auf dem Friedhof in Oberlenningen statt. Konsequent verbunden mit seinem Werk bleibt Christoph Bizer aber auch über den Tod hinaus: Statt Blumen bittet die Familie um eine Spende zur Sicherung des Wielandsteins. Andreas Volz