Lenninger Tal

Gewaltige Explosionen hinterließen Sprengtrichter

Serie Von wegen „Schwäbisch Sibirien“! Die Alb ist Geopark, Biosphärengebiet und spannendes Entdeckerland mit langer Geschichte (5). Von Michael Hägele

Auf diesem Weg durchqueren Wanderer das Torfmoor, das einst ein See war.Archivfoto: Dieter Ruoff
Auf diesem Weg durchqueren Wanderer das Torfmoor, das einst ein See war. Archivfoto: Dieter Ruoff

Die mittlere Schwäbische Alb ist in der geo­logischen Karte rot gesprenkelt. Der Grund: Etwa 20 Kilometer um Bad Urach herum liegen sage und schreibe über 350 Vulkanschlote des „Schwäbischen Vulkans“, jeder ein roter Punkt auf der Karte. Vor 18 bis 12 Millionen Jahren stieg flüssiges Magma an die Oberfläche. Ihren Ursprung haben die Schlote in einer tief liegenden, großen Magmenkammer, die langsam abgekühlt ist. Es gibt jedoch auch heute noch relativ hohe Temperaturen im Untergrund, die beispielsweise in Beuren durch die Gewinnung von Thermalwasser genutzt werden.

Hohe Temperaturen im Boden

Die aufsteigende Gesteinsschmelze riss die Gesteinsschichten der Alb mit sich und gelangte als Röhren mit Durchmessern von wenigen Metern bis über einen Kilometer fast an die Landoberfläche. Beim Kontakt mit dem Grundwasser kam es dann zu gewaltigen Explosionen, die Sprengtrichter hinterließen. Da das Magma dabei erkaltete, blieb es im Kalkgestein stecken wie Stopfen. Weil dadurch fast nie Lava austreten konnte, entstanden auch keine Vulkanbauten aus Basaltgestein.

Eine seltene Ausnahme für das Vorhandensein von Basaltgestein aus erkalteter Lava ist der „Eisenrüttel“ bei Dottingen. Sprengtrichter, die sich im Lauf der Zeit mit Wasser füllten, nennt man Maare. Bekannt sind die deutlich jüngeren Eifelmaare im Rheinischen Schiefergebirge. Die ursprünglichen Formen sind auf der Schwäbischen Alb jedoch praktisch nicht mehr vorhanden, weil seither bis zu 200 Meter der Oberfläche abgetragen wurden.

Die heutigen Erscheinungsformen basieren in der Regel auf dem Materialunterschied zwischen vulkanischem Material und Juragestein. Der im Schlot erstarrte Vulkantuff aus Gesteinstrümmern und vulkanischer Schmelze ist im Gegensatz zum Kalkstein der Albhochfläche wasserundurchlässig. Hier entstandene Tümpel werden in der Region als Hülen bezeichnet und waren oft Ausgangspunkte der frühen Besiedlung der wasserarmen Region. Ein bekanntes Beispiel ist die Zaininger Hüle. Wo das Gelände uneben ist, sind heute Quellen.

Eine Besonderheit sind die Thermalsinterablagerungen des sogenannten Böttinger Marmors. Hier blubberten einst Schlammvulkane und zischten Geysire mit Wasser, das in der Tiefe erhitzt wurde. Aus den eisenhaltigen Kalkablagerungen entstand schließlich der rot gebänderte „Marmor“. „Vulkanberge“, die durch die stetige Förderung von Asche und Lava aufgebaut wurden, gibt es im Bereich des Schwäbischen Vulkans nicht.

Ein Beispiel, wo ein See mit der Zeit verlandete, ist das Schopflocher Moor bei Ochsenwang. Gleich daneben findet sich das Randecker Maar, mit 1,2 Kilometern Durchmesser der größte Vulkanschlot der Alb. Die Seeablagerungen wurden durch den Zipfelbach abgetragen, sodass sich die runde Form eindrücklich präsentiert. Wenige Kilometer weiter ragt im Vorland der Alb die Limburg empor. Wie der Jusi bei Dettingen/Erms entstand diese jedoch nach Abtragung des oberen Jura, weil der Tuffschlot beständiger ist als die braunen Juraschichten.

Michael Hägele
Michael Hägele
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