Lenninger Tal

Glückliche Liebe – ist das normal?

Gesang und Poesie im Lenninger Schlössle über Frühlingsgefühle

Poesie und Lieder bei „Wohnzimmeratmosphäre“ in den vollbesetzten Räumen der Gemeindebücherei. Bernd Löffler vom Förderverein Sc
Poesie und Lieder bei „Wohnzimmeratmosphäre“ in den vollbesetzten Räumen der Gemeindebücherei. Bernd Löffler vom Förderverein Schlössle amüsierte mit Texten zum Schmunzeln. Foto: Andrea Barner

Lenningen. Ein musikalisch-literarischer Abend amüsierte auf charmante Weise im Schlössle von Oberlenningen. Bücherei, Förderverein Schlössle und die Gesangsklasse der

Andrea Barner

Musikschule hatten zum „Liebesfrühling“ eingeladen. Das mittelalterliche Schlössle mit uraltem Fachwerk, ebenso altem Gemäuer und traumhaft schönen Holzschnitzereien ist eine Örtlichkeit mit besonderem Flair. Die Veranstaltung in zwei Räumen der Gemeindebücherei hatte „Wohnzimmercharakter“. Allzu viel Platz gibt es dort nicht, Stuhl- und Bankreihen waren bis auf den letzten Platz belegt, mittendrin die Akteure. Die Inszenierung von Poesie und Liedern war einfach, aber beeindruckend. Die Mischung hat’s gemacht. Das etwa einstündige Programm nahm bis zum Ende zusehends an Fahrt auf. Am Anfang noch eher „hochklassisch“, im weiteren Verlauf dann zunehmend lustig und zum Teil sogar ein bisschen frivol.

Texte und Gesangsstücke drehten sich ausschließlich um Liebe und Frühlingsgefühle. Cecilia Tempesta, Gesangslehrerin der Lenninger Musikschule, hatte mit ihrer neunköpfigen Gruppe wunderschöne Volks- und Liebeslieder perfekt einstudiert. Begleitet wurde der Chor von Hartmut Jaißle am Keyboard. Tempesta trat auch als Solistin auf und beeindruckte mit ihrer warmen Alt-Stimme. Der Chor mit wechselnder Besetzung überraschte durch sehr professionellen Gesang in allen Tonlagen. Das Repertoire reichte von bekannten Volksliedern (wie etwa „Greensleeves“) über romantisches Liedgut von Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartoldy. Hervor stach vor allem die 17-jährige Julia Röhm mit einem schwierig zu singenden Solo von Barbara Streisand („Evergreen“). Julia nimmt bei Cecilia Tempesta Einzelunterricht und strebt eine Gesangskarriere an.

Den poetischen Part des Abends gestalteten Ev Dörsam und Bernd Löffler. Von Ev Dörsam stammte auch die Idee zu diesem Abend. „Wir haben das schon ansatzweise auf ein paar Vernissagen praktiziert, also diese Mischung aus gesprochenen Texten und Gesang“, erklärte die Leiterin der Bücherei im Schlössle. In Bernd Löffler, dem 2. Vorsitzenden des Fördervereins Schlössle, fand sie einen engagierten Mitstreiter. Gedichte vorzutragen ist keine einfache Sache, die beiden beherrschten das in sehr angenehmer, locker-flockiger Weise.

Ev Dörsam rezitierte ausschließlich Gedichte von Autorinnen, zum Beispiel der vor zwei Jahren verstorbenen Schlagertexterin und Gedichteschreiberin Miriam Frances, die da mit spitzer Feder schrieb: „Ich bin im Mai idiotisch erotisch, da leg ich mich immer gleich hin. Da wirkt alles Männliche auf mich hypnotisch, wenn ich so erotisch bin.“ Oder von der polnischen Lyrikerin Wislawa Szymborska, die die sogenannte „Glückliche Liebe“ in all ihren manchmal gar nicht so glücklichen Facetten aufs Korn genommen hat.

Bernd Löffler begann mit Walther von der Vogelweide (für heutige Menschen kein leicht verständlicher Text), entlockte Heinrich Heine Humorvolles aus einer Runde am Teetisch: „Der Domherr öffnet den Mund weit: „Die Liebe sei nicht zu roh, sie schadet sonst der Gesundheit.“ Das Fräulein lispelt: „Wieso?“ Oder seine Interpretation von Otto Julius Bierbaums „Jeanette“ brachte die Besucher zum Schmunzeln: „Da steht mein Schatz am Bügelbrett – Jeanette, Jeanette...“. Bierbaum war unter anderem als Mit-Autor der berühmten Satirezeitung Simplicissimus tätig.

Highlights des Abends waren ganz sicher auch diverse „Lyrics“, also in Gedichtform vorgetragene Musikstücke. Da gab es zum Beispiel die deutsche Version eines Beatles-Klassikers: „Sie liebt dich, ja, ja, ja!“ oder Frank und Nancy Sinatras Superhit „Some­thing stupid“. Löffler summte die Melodie – „ich kann kein Englisch“, Dörsam trug den Text vor, bald summte das gesamte Publikum mit und fiel ein bei „I love you“. Auch der „Waldemar“ von Zarah Leander löste viel Heiterkeit aus, ist dieser Waldemar doch ein ganz normaler Durchschnittsmann ohne Geld und Adel, „ach der Mann ist mein Ruin, aber – ich liebe ihn.“

Frühlingsgefühle im Lenninger Tal. Ein kurzer, doch äußerst abwechslungsreicher Abend im Oberlenninger Schlössle, das nun über den Sommer renoviert wird. Weitere kulturelle Veranstaltungen gibt es dort erst wieder im Herbst.

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