Lenninger Tal

Goodbye Deutschland, bonghjornu Corsica

Auswandern Berenike Nordmann ist mit Mann und Kind nach Korsika gezogen. Die Teckboten-Mitarbeiterin berichtet über ihren Start auf der Insel, die für viele Deutsche Urlaubsziel Nummer eins ist. Von Berenike Nordmann

Meer und Berge: Ein typisch korsischer Anblick. Das kleine Foto zeigt Teckboten-Mitarbeiterin Berenike Nordmann.Fotos: Berenike
Meer und Berge: Ein typisch korsischer Anblick. Das kleine Foto zeigt Teckboten-Mitarbeiterin Berenike Nordmann.Fotos: Berenike Nordmann

Wenn mich jemand gefragt hätte, wo ich mich mit Anfang Dreißig sehe, dann wäre es sicher nicht meine Heimatgemeinde Lenningen gewesen. Korsika aber auch nicht. Wie es das Schicksal wollte, bin ich nun auf der Mittelmeerinsel gelandet - mit Kind und Mann, der hier drei Jahre lang beruflich tätig ist.

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Los ging es für uns im Herbst des vergangenen Jahres: Zwei Tage packen, rund 900 Kilometer per Auto und Fähre, Auspacken bei über 30 Grad Hitze, und alles mit Kleinkind unterm Arm - das ist nicht ohne. Während Urlauber Sonne, Strand und Meer genießen, waren wir die ersten Wochen mit allerlei bürokratischen Dingen beschäftigt, die ein Umzug ins Ausland mit sich bringt: Wohnsitz anmelden, Auto ummelden, Kontoeröffnung und so weiter. Alles auf die korsische Art. Manches ging sehr zügig, anderes war mit Hürden verbunden, und auf manche Dinge warten wir nun schon seit über einem halben Jahr.

Mobil zu sein bedeutet viel auf Korsika. Fünf Wochen lang hatte ich kein eigenes Auto, was vieles erschwert hat. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur auf der Insel nicht vergleichbar ist mit der des Festlands. Wer unter Leuten sein will, fährt von unserem kleinen Dorf an der Ostküste eine Dreiviertelstunde nach Porto-Vecchio im Süden oder anderthalb Stunden bis nach Bastia im Norden.

Verständigungsschwierigkeiten hatten wir glücklicherweise keine - das hat das Einleben sehr erleichtert. Und auch mit unseren Nachbarn haben wir großes Glück und wurden gleich zum Apéro eingeladen. Mit jedem Tag verbessern sich die Sprachkenntnisse, und so haben wir nach einem halben Jahr festgestellt: Wir verstehen fast alles, ohne viel nachzuhaken. Das war vor ein paar Monaten noch anders.

Hin und wieder kommt man jedoch mit einem alteingesessenen Korsen ins Gespräch - sei es im Supermarkt, im Wartezimmer beim Arzt oder beim Ausflug ins Hinterland. Dann sind Italienischkenntnisse von Vorteil. Denn der korsische Dialekt ähnelt noch stark seinen italienischen Wurzeln und sollte, wenn es nach den Korsen geht, als eigenständige Sprache anerkannt werden.

Anfang dieses Jahres ist Alltag eingekehrt. Das Haus war eingerichtet, ich konnte mich an die Rolle als Vollzeit-Mama in Elternzeit gewöhnen, und es hatte sich über die Monate ein Freundeskreis aufgebaut. Da es hier scheinbar keine Krabbelgruppen gibt, treffe ich mich regelmäßig mit anderen Müttern und Kindern zu Hause oder jetzt, wo es wieder wärmer wird, am Strand - für den Nachwuchs paradiesisch.

Mittlerweile habe ich wieder mehr Zeit für eigene Hobbys. Einmal die Woche steht Yoga an, wenn Zeit ist, werden Pinsel und Farben herausgeholt oder die neue Spiegelreflexkamera eingesetzt. Vor allem aber konnte ich nun mein geplantes Projekt in Angriff nehmen: einen Korsika-Blog (siehe Infokasten). Darin berichte ich über alles, was wir hier entdecken und erleben.

Apropos: Natürlich erkunden wir nicht nur die Insel, sondern nehmen auch an der einen oder anderen französischen Tradition teil. Während an Silvester im Vergleich zu Deutschland tote Hose ist, wird der 6. Januar gefeiert. In Erinnerung an die Heiligen Drei Könige gibt es die „Galette des Rois“, in der für Kinder eine Bohne versteckt wird. Wer sie in seinem Kuchenstück findet, wird Tageskönig. „La Chandeleur“, Maria Lichtmess, haben wir am 2. Februar traditionell mit Mini-Crêpes gefeiert. Seinen Ursprung hat der Brauch im fünften Jahrhundert und geht auf einen Fruchtbarkeitsritus zurück, der Wohlstand und eine gute Ernte für das Jahr bringen soll.

Was man hier jedoch das ganze Jahr über sieht, das sind die Boule-Spieler, die ihre Metallkugeln am Strand, auf dem Dorfplatz oder vor Cafés über ein Sandbett werfen. Lust, mitzuspielen, hätten wir schon, allerdings haben wir uns noch nicht getraut, zu fragen. Vielleicht kommt das ja demnächst - denn mittlerweile fühlen wir uns hier recht heimisch.

Der Blog

Über den Blog „La Vie en Corse“ informiert Berenike Nordmann Familie, Freunde und andere Korsika-Begeisterte über ihr neues Leben auf der Insel. Zu finden ist der Blog auf https://ilovemynewhomecorse.blogspot.com.