Lenninger Tal

Gratwanderung für Landwirte

Wasserschutzgebiete Wo Trinkwasser gewonnen wird, besteht nicht selten ein Interessenkonflikt mit den Landwirten. Nitrat ist hier das Reizwort. Von Iris Häfner

Landwirte sollten den Boden in Wasserschutzgebieten möglichst wenig und flach bearbeiten. Luftbild: Werner Feirer
Landwirte sollten den Boden in Wasserschutzgebieten möglichst wenig und flach bearbeiten. Luftbild: Werner Feirer

Beim Stichwort Nitrat scheiden sich die Geister. Für Pflanzen ist es eine Stickstoffquelle, also Dünger, den die Landwirte auf ihre Felder und Wiesen ausbringen, damit Gras, Getreide und Co. genügend Nährstoffe zum Wachsen und Gedeihen haben. Das kann organischer Dünger in Form von Gülle sein oder mineralischer Kunstdünger. Ist in Wasserschutzgebieten zu viel Nitrat im Boden, ruft das die Trinkwasserversorger auf den Plan. Wie in diesem Interessenkonflikt vorzugehen ist, dafür gibt es die „SchALVO“ (Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung). Sie regelt die Einschränkung der landwirtschaftlichen Nutzung in Wasserschutzgebieten und die Höhe der Ausgleichszahlungen, die die Landwirte erhalten.

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Der Nitrat-Grenzwert bei Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm je Liter. Doch schon weit darunter kommen Maßnahmen in Gang, um die Wasserqualität aufrecht erhalten zu können. So wurde der Goldmorgen in Dettingen zum 1. Januar zum Nitrat-Problemgebiet hochgestuft, obwohl mit 32,9 Milligramm pro Liter der Zwei-Jahres-Mittelwert in Dettingen deutlich unterhalb des Grenzwerts liegt. Das Dettinger Wasser wird zudem mit Landeswasser vermischt und kann daher problemlos getrunken werden. „Der Goldmorgen ist ein schwieriges Terrain. Der durchlässige Kiesboden kann weder Wasser noch Nährstoffe halten. Das Nitrat hat einen kurzen Weg zum Wasser“, erklärt Andreas Munk vom Lauterhof in Owen.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Landwirte auf solchen Äckern unterwegs sind. Es ist nicht einfach, sie zu bewirtschaften. Bei der Bodenbearbeitung wird automatisch Nitrat freigesetzt, deshalb ist sein Ziel, dass der Boden möglichst bedeckt ist, die Pflanzen so lange als möglich wachsen, auch wenn sie als Gründung auf der Fläche untergearbeitet werden. „Der Boden sollte möglichst wenig und flach bearbeitet werden“, rät auch Rudolf Mahler, der beim Landwirtschaftsamt für die Wasserschutzgebiete zuständig ist.

Im Vergleich zu den 1990er-Jahren hat sich viel verändert, wurde die Düngeverordnung verschärft. „Früher hat man den Klärschlamm auf die Felder gefahren - da dreht es heute einem dem Magen um“, sagt Andreas Munk, dessen Ziel es ist, für und mit der Natur zu arbeiten. „Wegen der häufigeren Extrem-Wetterlagen wird es immer schwieriger, den Dünger zur richtigen Zeit zu platzieren, sodass die Pflanze das bekommt, was sie braucht. 2016 war es sehr feucht, 2018 sehr trocken“, zeigt der Landwirt die Problematik auf.

„Überdüngung bringt nichts. Es geht darum, ertragsgerecht zu düngen“, sagt Jörg Schmid, Schäfer und Landwirt. Die Wasserschutzzonen und die damit verbundenen Auflagen hält er für sinnvoll, für ihn muss die Nährstoffbilanz stimmen. „Wir haben hier keine Intensivbetriebe wie zum Beispiel in Niedersachsen. Das sind die Problemgebiete in Deutschland“, will er nicht mit den Agrarfabriken über einen Kamm geschoren werden. Auch er will in der Region für die Menschen in der Region Lebensmittel produzieren, Futter für seine Tiere anpflanzen. Das ist mit den kleinparzelligen Feldern und Wiesen schon aufwendig genug, ein von ihm und Andreas Munk mitinitiierter Flächentausch ist ein Anfang - aber noch ordentlich Luft nach oben hat. „Es ist traurig, dass Betriebe wie wir von Fördergeldern abhängig sind. Da kommst du dir so gekauft vor. Aber mit den kleinen Feldern können wir nicht so wirtschaftlich arbeiten, wie die Großbetriebe mit ihren riesigen, zusammenhängenden Schlägen“, sagt Jörg Schmid.

„Ziel ist, in Wasserschutzgebieten nur Grünland zu haben“, so Rudolf Mahler. Aber das Gras können nur Wiederkäuer und Pferde verwerten - und auch Wiesen bekommen ihren Mist oder Gülle ab. Dazu kommt, dass die Viehhaltung im Lenninger Tal massiv zurückgegangen ist, es also vor Ort an potenziellen Gras-Abnehmern fehlt.