Lenninger Tal

Großer Gesprächsbedarf zu Asylheim

Bürgerinformation in der Oberlenninger Turn- und Festhalle gut besucht

Auf großes Interesse ist die Bürgerinformation zur geplanten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Adolf-Scheufelen-Straße 9 in Oberlenningen gestoßen. In der Turn- und Festhalle klärten Bürgermeister Michael Schlecht, Vertreter des Landratsamtes, des Investors und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über das Projekt auf.

Gut gefüllt waren die Reihen in der Turn- und Festhalle Oberlenningen bei der Bürgerinformation. Bürgermeister Michael Schlecht
Gut gefüllt waren die Reihen in der Turn- und Festhalle Oberlenningen bei der Bürgerinformation. Bürgermeister Michael Schlecht appellierte daran, die Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung im Schulterschluss zu lösen. Wie die Skizze zeigt, sind an der Gemeinschaftsunterkunft einzelne Spielgeräte für Kinder vorgesehen. Die Zufahrt zu den drei Stellplätzen soll über die oben gelegene Adolf-Scheufelen-Straße erfolgen.Fotos: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Lassen Sie uns einen konstruktiven Dialog führen“, so lautete der Appell von Lenningens Rathauschef Michael Schlecht zum Auftakt der Bürgerinformation. Schon seit Wochen sorgt das Thema Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber in Lenningen für Gesprächsstoff. Dass der Informationsbedarf groß ist, bewiesen die Zahl der Besucher und der rege Gebrauch des Saalmikrophons.

Im Frühjahr hatte sich der Gemeinderat mangels Alternativen zu einer Unterbringung von Flüchtlingen in der Oberlenninger Au durchgerungen. Damals war noch von einer Sammelunterkunft mit bis zu 80 Plätzen die Rede. Vor wenigen Wochen trat nun mit der Atrium Ullmann GmbH aus Ehingen ein Investor auf den Plan. Er beabsichtigt, im gleichen Ortsteil auf dem zentraler gelegenen Grundstück Adolf-Scheufelen-Straße 9 ein Gebäude für 38 Asylbewerber zu erstellen, das die Alternative in der Au hinfällig machen würde. Hinsichtlich beider Standorte hatte sich insbesondere aus der jeweiligen Nachbarschaft Widerstand geregt, der in offenen Briefen beziehungsweise in Unterschriftenaktionen zum Ausdruck gekommen war. „Ich kann das nachvollziehen und nehme die Sorgen ernst“, sagte Schlecht. Er müsse jedoch nach dem Gesamtinteresse schauen. Der Verwaltungschef verteidigte sich gegen den Vorwurf, zu spät an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Die Bürgerinformation finde zum frühestmöglichen Zeitpunkt statt. „Es gibt ein erhebliches Maß an Sorgen und Ängsten, deshalb machen wir diese Veranstaltung.“

Der Bürgermeister rückte die humanitäre Verpflichtung in den Fokus: „Wir müssen menschenwürdige Unterkünfte stellen können.“ Nur Nein zu sagen, werde nicht funktionieren. Die Gemeinde wolle mit dem Landratsamt zusammenarbeiten. Sei man bislang noch davon ausgegangen, dass Lenningen bis Ende kommenden Jahres 81 Flüchtlinge aufnehmen müsse, so sei nach aktuellen Zahlen von 101 auszugehen. Derzeit gibt es 35 Plätze in Oberlenningen und fünf in Unterlenningen. Aus Brucken und Schopfloch liegen dem Landratsamt Angebote für kleinere Unterkünfte vor. „Für mich ist unvorstellbar, Flüchtlinge in Zelten oder in Turnhallen unterzubringen“, so Schlecht.

Thomas Eberhard, Dezernent für Infrastruktur beim Landkreis, betonte, die Herkulesaufgabe der Flüchtlingsunterbringung könne nur gemeinsam bewältigt werden. Wie Schlecht sprach er sich für eine dezentrale Unterbringung aus, es gebe aber nicht die entsprechenden Plätze. Auch sei beispielsweise aufgrund von Brand- oder Naturschutz nicht jedes Angebot umsetzbar.

Bei einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 100 prognostizierte die Bereichsleiterin des AWO-Sozialdienstes, Jutta Woditsch, dass für die Unterkunft an der Adolf-Scheufelen-Straße eine 40-Prozent-Stelle geschaffen wird, zusammen mit der Sulzburgstraße bedeutet das mindestens eine 75-Prozent-Stelle. „Ich gehe davon aus, dass in beiden Unterkünften viermal in der Woche jemand da ist.“ Sie warb für die Unterstützung durch Ehrenamtliche aus der Gemeinde und dafür, Flüchtlingen zum Beispiel in Sport- oder Musikvereinen Kontakte zu Einheimischen zu ermöglichen.

Felix Kretschmer, bei der Atrium Ullmann GmbH verantwortlich für das Thema Sozialbauten, präsentierte das Projekt des Investors, das aufgrund einer EU-weiten Ausschreibung des Landkreises zustande gekommen war. Das mehrstöckige Gebäude soll in Holzständerbauweise erstellt werden. Vorgesehen sind einzelne Spielgeräte auf dem eingezäunten Grundstück.

Sollte der Bau genehmigt werden, ist laut Thomas Eberhard davon auszugehen, dass er in rund einem Jahr bezogen und vom Landkreis für zehn Jahre gemietet wird. Nach Ablauf der Frist wird das Gebäude voraussichtlich abgerissen, unter anderem, weil die drei vorgesehenen Stellplätze für keine andere Nutzung ausreichen würden. Mit dem Bauantrag befasst sich der Gemeinderat voraussichtlich nach der Sommerpause. Dabei hat die Kommune lediglich über das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu entscheiden. Den Beschluss über die Baugenehmigung fällt das Landratsamt als Untere Baubehörde.

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