Lenninger Tal

Handel treiben auf gefährlichen Pfaden

Natur Hohlwege sind Wege, die Geschichten erzählen: Auch die einstige Handels- und Pilgerstraße an der Diepoldsburg hatte eine große Bedeutung. Von Daniela Haußmann

Hohlwege, so wie hier an der Diepoldsburg, sind von kulturhistorischer und archäologischer Bedeutung.Foto: Carsten Riedl
Hohlwege, so wie hier an der Diepoldsburg, sind von kulturhistorischer und archäologischer Bedeutung. Foto: Carsten Riedl

Rumpelnde Ochsenkarren und unzählige Huf- und Stiefeltritte haben in der Landschaft bei der Bissinger Eichhalde bis hinauf zur Diepoldsburg ihre Spuren hinterlassen. Unter den jahrhundertelangen Belastungen durch den Menschen, dessen Tiere und Fahrzeuge gaben Wald- und Feldboden mehr und mehr nach. Regen und Tauwasser sammelten sich auf den Pfaden und spülten feines, aber auch abgesprengtes Bodenmaterial davon. „So bildeten sich Hohlwege - ein Prozess, der heute noch im Gange ist“, berichtet Franz Weiss vom Förderverein für Archäologie, Kultur und Tourismus (FAKT) in Erkenbrechtsweiler.

„Pfade wie diese bilden sich da, wo weiche Gesteins- und Bodentypen zu finden sind“, so der Hobbyarchäologe. „Durch häufige Nutzung formiert sich die für Hohlwege typische U-Form, die sich mehrere Meter tief ins Erdreich einschneiden kann.“ Die Hauptwanderstrecke, die zur Diepoldsburg hinaufführt, ist ein solcher Hohlweg. „Entstanden ist er zwischen 2 200 bis 800 vor Christus“, klärt Franz Weiss auf. „Lange vor der Burg, gab es dort eine keltische Siedlung, wie Metallfunde belegen.“ Die Kelten betrieben einen ausgedehnten Handel mit allen Völkern des antiken Europas. Auf Handelswegen wurden Waren transportiert.

Die Kelten siedelten bis etwa 50 vor Christus in der Teckregion. So lange nutzten sie bestehende Hauptstrecken. Das taten sie aus Sicht von Franz Weiss, weil sie die vorhandene Infrastruktur automatisch zu Siedlungen oder Zwischenlagern leitete. Zinn, Eisen, Mahlsteine, Wolle, Seide und Glas sind nur einige Beispiele für das, was an diesen Lagern gegen Bezahlung den Eigentümer wechselte. „Auch lokale und regionale Handwerker und Händler setzten dort ihre Produkte ab oder kauften Waren, um sie weiterzuveräußern“, weiß der „FAKT“-Vertreter.

Die Infrastruktur war aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schon damals eine wichtige Einnahmequelle. Wer sie nutzte, musste Zoll zahlen. Nicht nur bei den Kelten und Römern, sondern auch bei den Franken, die im siebten und achten Jahrhundert einen Stützpunkt auf der Diepoldsburg hatten und das bestehende Wegenetz weiter nutzten. „Der Zoll floss nicht nur in die Taschen der Obrigkeit“, sagt Franz Weiss. Er finanzierte auch den Erhalt, die Pflege und Sicherheit entlang der Hauptverkehrsadern. Das gilt auch für den Weg hinauf zur Burg, wo Soldaten den Anfahrtsweg überblickten. Das minimierte das Überfallrisiko.

„Wobei weitreisende Händler deshalb auch Sklaven oder Bedienstete dabei hatten.“ Ob die Karolinger den Weg hinauf zur Diepoldsburg befestigten, ist schwer zu sagen. Denn die Zeit vom ersten bis zum achten Jahrhundert ist in der Gegend kaum erforscht, wie Franz Weiss bedauert. Er vermutet, dass diese straßenbauliche Maßnahme irgendwann zwischen dem 3. bis 13. Jahrhundert realisiert worden ist. Im Verlauf der Geschichte veränderte sich, durch den Wandel politischer und wirtschaftlicher Beziehungen, auch die Bedeutung von Hauptverkehrswegen.

So etwa im vierten bis sechsten Jahrhundert mit der Völkerwanderung. In Europa setzte damit eine Verschiebung der Bevölkerung ein, mit der sich verschiedene Reiche germanischer Stämme auf römischem Boden bildeten, wie Franz Weiss berichtet. So zerfiel das Römische Reich in seiner bisherigen Form. Ein Beispiel dafür ist der Owener Ameisenwinkel. Dort führt eine römische Straße über Brucken auf die Alb. Sie gehörte zu einer Römersiedlung, in die laut Weiss Germanen einfielen. Die zu ihr gehörenden Wege wurden in der Folge nicht mehr genutzt und wucherten zu, wie der Laienforscher an der Wegstruktur erkennt. Davon unberührt blieb die Bissinger Eichhalde. Von Hügeln eingerahmte Mulden, die auf uralte Fahrspuren verweisen, gibt es dort zuhauf. „Bei Schnee oder Regen musste man abseits unpassierbarer Hauptpfade die Alb hinauf. Das hat sich hier ins Landschaftsbild eingeprägt“, bilanziert Franz Weiss.

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