Lenninger Tal

Hausaufgaben sind erledigt

Lenninger Grund- und Werkrealschule will Gemeinschaftsschule werden

Die Lenninger Grund- und Werkrealschule möchte sich zu einer Gemeinschaftsschule entwickeln. Einen entsprechenden Antrag stellt die Gemeinde.

Die Lenninger Werkrealschule möchte auf den Zug der Gemeinschaftsschule aufspringen. Kommt das Okay aus dem Kultusministerium, k
Die Lenninger Werkrealschule möchte auf den Zug der Gemeinschaftsschule aufspringen. Kommt das Okay aus dem Kultusministerium, könnte es im Schuljahr 2017/18 so weit sein.Foto: Carsten Riedl

Lenningen. Läuft alles glatt, könnte die Lenninger Grund- und Werkrealschule vom Schuljahr 2017/18 an in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden. Nach der Schulkonferenz hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, das Vorhaben zu unterstützen. Damit ist der Weg frei für einen Antrag der Gemeinde beim Schulamt. Die Entscheidung trifft das Kultusministerium.

Zu den Hausaufgaben der Schule gehört eine ausgefeilte pädagogische Konzeption. Sie wurde von der Grund- und Werkrealschule ausgearbeitet. „Damit haben wir für unseren Antrag gute Startbedingungen“, sagte Lenningens Bürgermeister Schlecht. Genau lässt sich nicht beziffern, was die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule kostet. Von einem notwendigen Um- oder Anbau geht man im Rathaus derzeit nicht aus. Die Klassenräume müssen jedoch den neuen Lernformen angepasst werden. Pro Zimmer beziffert Schlecht die Ausgaben auf rund 15 000 Euro. Bekommt die Schule das Okay, könnten zum Schuljahr 2017/18 die ersten Fünftklässler in der Gemeinschaftsschule angemeldet werden. Nach und nach soll die neue Schulform dann von unten nach oben wachsen.

In einem kurzen Abriss beschrieb der Rektor der Grund- und Werkrealschule, Erich Merkle, die Merkmale der Gemeinschaftsschule. Dazu gehört, dass jeder Schüler im jeweiligen Fachbereich auf dem für ihn angemessenen Niveau lernt. Ziel ist das Erreichen des bestmöglichen Schulabschlusses. Herkunft und Bildung sollen stärker entkoppelt werden. Regelmäßig gibt es Lernstandserhebungen, Tests, Berichte und Lernentwicklungsgespräche. Noten werden in den unteren Klassen nur auf Wunsch der Eltern erteilt. Ab Klasse 5 handelt es sich bei der Gemeinschaftsschule um eine gebundene Ganztagsschule. Merkle sieht die Schullandschaft in einem gravierenden Wandel. „Die Eltern wollen einen immer höheren Abschluss für ihre Kinder“, sagte er. Auch das Abschaffen der verbindlichen Grundschulempfehlung habe unumkehrbare Änderungen mit sich gebracht.

Das bekommt auch die Werkrealschule in Oberlenningen zu spüren. Im kommenden Jahr sind lediglich noch 15 Kinder für die Eingangsklasse angemeldet. Prognostiziert wird jedoch die Zweizügigkeit der Gemeinschaftsschule.

Weil ein gutes Konzept allein nicht reicht, um die Entscheidungsträger in Stuttgart zu überzeugen, werden an der Lenninger Grund- und Werkrealschule bereits Elemente der Gemeinschaftsschule erprobt. So haben sowohl die Grund- als auch die Werkrealschule erste Erfahrungen mit inklusivem Unterrichten gesammelt. Die Schüler werden mehr als bisher zu Akteuren. Großen Wert legen die Lehrer auf motivierende Beziehungen, und sie orientieren sich an den Stärken der Schüler. Wie die Konrektorin Andrea Geltz weiter erläuterte, wurden teilweise bereits Lerninseln eingerichtet, an denen nach dem Vorbild eines Wochenplans täglich eine Stunde in sogenannten Lernbüros Aufgaben erledigt werden. Einbezogen werden sollen auch die Flure, das Foyer und der Aufenthaltsraum. Groß geschrieben wird individuelles Lernen. Die Schüler kontrollieren sich nicht nur selbst, sondern dokumentieren in einem Lerntagebuch auch ihren Fortschritt und schätzen ihre Leistung selbst ein, bevor es in ein Gespräch mit dem Lerncoach geht.

„Wir sind mitten in einer Entwicklung“, sagte Erich Merkle. In den Klassenstufen 5 bis 7 arbeitet die Werkrealschule in diesem Schuljahr montags bereits nach dem Vorbild einer Gemeinschaftsschule mit einer verkürzten Mittagspause, einem rhythmisierten Tag und der Kooperation mit außerschulischen Partnern.

Lob für die Konzeption gab es aus den Reihen des Gemeinderats. „Es lohnt sich, Kinder aktiv an Gestaltung von Schule zu beteiligen“, sagte Georg Zwingmann. Er setzte jedoch hinter die kurze Mittagspause von lediglich 45 Minuten ein großes Fragezeichen. „Es muss Phasen geben von Ruhe und Entspannung.“ Volker Hofmann verspricht sich eine Stärkung der sozialen Kompetenz der Schüler durch die neue Schulform. Ihm bereiten aber die notwendigen Schülerzahlen Bauchschmerzen. Dieter Epple bezeichnete die Einführung der Gemeinschaftsschule zwar als gewisses Wagnis, das er aber dennoch eingehen wolle und Karl Boßler fragte sich, wie viel sich von dem großen theoretischen Spektrum in die Praxis umsetzen lässt.

Schlecht hofft, dass Lenningen zwei starke Schulen am Schulzentrum bekommt. „Dort wird es einen Wettbewerb geben“, so die Prognose. „Wir haben eine starke Realschule am Ort und wollen sie auch halten.“

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