Lenninger Tal

Hitzewelle schmälert die Ernte

Landwirte verzeichnen beim Winterweizen geringere Erträge und hoffen auf steigende Preise

Die Hitzeperiode hat auch vor Landwirten nicht halt gemacht. Während man mit der Wintergerste Anfang Juli noch gut davongekommen sei, gebe es beim Winterweizen große Unterschiede in Menge und Qualität, so Reinhold Klaiber, Leiter des Landwirtschaftsamtes Esslingen.

Auf vielen Feldern haben die Bauern ihr Getreide bereits gedroschen und das Getreide eingefahren. Archivfoto: Jean-Luc Jacques
Symbolbild: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Die Hitze macht uns zu schaffen“, bestätigt Michael Zimmermann, einer der Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Esslingen. Die Auswirkungen auf die verschiedenen Kulturen unterscheiden sich zum Teil jedoch stark, sagt Reinhold Klaiber. Die Wintergerste wurde schon Anfang des Monats gedroschen, weshalb ihr die Hitzewelle nichts anhaben konnte. Vielmehr ist der Ertrag höher als im vergangenen Jahr. Beim Winterweizen, der zu großen Teilen ebenfalls schon gedroschen wurde, sieht die Lage allerdings anders aus. Dort, wo es Niederschlag gab und der Boden das Wasser gut speichern konnte, sind die Erträge sehr gut, und auch die Qualität stimmt. In anderen Teilen der Region, wo Petrus seine Schleusen nicht allzu freigiebig öffnete, müssen die Bauern jedoch deutliche Verluste hinnehmen.

Durch die lang anhaltend hohen Temperaturen, so Michael Zimmermann, ist der Winterweizen in eine Notreife geraten. Der Reifeprozess des Korns verlief zu schnell. An manchen Stellen sind die Halme noch grün, während die Ähre schon reif ist. Dadurch sind die Körner kleiner als üblich und die Menge fällt somit geringer aus. Von 7 bis 20 Uhr liefern die Bauern ihr Getreide bei der Annahmestelle der BayWa im Plochinger Hafen ab. Zwischen 1 000 und 1 500 Tonnen Getreide werden dort täglich entladen. Laut Matthias Nietzer, Mitarbeiter der BayWa, ist das etwas weniger als sonst, und auch die Qualität ist dieses Jahr nicht ganz so gut. Diese bemisst sich vor allem an der Größe der Körner und am Eiweißgehalt.

Auch die Witterungsbedingungen bei der Getreideernte spielen hier eine Rolle. Im späten Stadium nützt dem Bauern der Regen nichts mehr. Der Feuchtigkeitsgehalt des Korns darf nicht zu hoch sein, weshalb das Getreide noch schnell geerntet werden sollte, bevor es zu Gewittern kommt. Diesmal sind die Landwirte mit einem blauen Auge davongekommen. „Der Regen hat keinen Schaden verursacht“, sagt Landwirt Andreas Gruel aus Owen. „Man weiß nur vorher nie, wie es kommt.“

Für andere Feldfrüchte, die erst später geerntet werden, braucht man sogar dringend Regen, sind sich Michael Zimmermann und Reinhold Klaiber einig. Sobald der Weizen gedroschen ist, hofft man auf mehr Niederschlag. Vor allem der Mais, der sich bisher sehr gut entwickelt hat, braucht laut Reinhold Klaiber in der nächsten Zeit den Regen, sonst kommt er beim Wachstum ins Stocken. In Baden-Württemberg ist bislang in diesem Jahr pro Quadratmeter 150 bis 200 Liter zu wenig Regen gefallen.

„Jetzt müssen wir hoffen, dass der Preis für den Weizen anzieht“, sagt Michael Zimmermann. Dieser hänge vom Weltmarkt ab, da sei Deutschland nicht ausschlaggebend. Da aber andere Länder auch mit Trockenheit zu kämpfen hatten, sind die Hoffnungen auf höhere Preise berechtigt. So könnte die Einkommensdifferenz, die die Bauern aufgrund der geringeren Menge an Getreide haben, zumindest teilweise aufgefangen werden.

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