Lenninger Tal

Hoheiten assistieren der Landfrau

Messe „Kochen mit Brigitte“ ist bei der Grünen Woche ein Dauerbrenner. Brigitte Steinwender aus Owen zeigt den Berlinern, was es Leckeres aus dem Südwesten gibt. Von Iris Häfner

Brigitte Steinwender kocht mit Thomas Lade, Sous-Chef im Berliner Hotel Adlon und mit zwei Sternen ausgezeichnet. In seiner Küch
Brigitte Steinwender kocht mit Thomas Lade, Sous-Chef im Berliner Hotel Adlon und mit zwei Sternen ausgezeichnet. In seiner Küche wird alles selbst hergestellt, einschließlich Nudelteig.Fotos: privat

Die Showküche ist ihr Reich. „Kochen mit Brigitte“ ist in großen Lettern zu lesen, und dreimal täglich bittet sie sämtliche Hoheiten zu sich, die ihr assistieren: Apfelkönigin mit Prinzessinnen, Mehlkönigin, Destillatkönigin und weitere noble Repräsentantinnen der deutschen Landwirtschaft. Seit zehn Jahren zaubert Brigitte Steinwender, Landfrau aus Owen und Milchbotschafterin, aus regionalen und saisonalen Produkten leckere Gerichte.

Ihre Küche steht in der Halle Erlebnisbauernhof, und da hat sie sogar tierische Nachbarschaft. 14 Milchkühe kauen hinter einer Sicherheitsscheibe genüsslich ihr Heu. „Die Tiere können selbst entscheiden, wann sie gemolken werden. Dann gehen sie zum Melkroboter“, berichtet Brigitte Steinwender. Deren Milch kommt zur Molkerei, und aus Sahne, Joghurt, Quark und Co. bereitet die Owenerin einen Teil ihrer Gerichte zu. „Guten Morgen Berlin!“ lautet das Motto, weshalb das Frühstück im Fokus beim Erlebnisbauernhof steht. Brigitte Steinwender nimmt den Brunch noch mit dazu, um mehr Vielfalt bei die Rezeptauswahl bringen zu können. „Ich habe die gesamte Verantwortung für die Showküche“, sagt Brigitte Steinwender. Im Vorfeld der Messe nimmt sie Kontakt zu möglichen Partnern auf, um zu erfahren, ob Interesse besteht, bei einer Kochpräsentation mitzuwirken.

Die Berliner kommen unter anderem in den Genuss von Kässpätzle. Die bayerische Mehlkönigin Jennifer Linder hat dafür extra Dunst mitgebracht - keine Schwierigkeit für die Müllerstochter aus dem unterfränkischen Sulzfeld, die auch das Spätzle-Schaben beherrscht. Im Laufe der Messe gibt es aber auch die Schwäbische Maultasche, den Schwarzwälder Schinken oder die mit Emmentaler Käse überbackene Höri-Bülle, eine milde Zwiebelsorte vom Bodensee.

Teuerstes Rindfleisch

„Ich habe mit vielen Partnern gekocht“, erzählt Brigitte Steinwender und schwärmt vom Honig, den ihr der Deutsche Imkerbund zur Verfügung stellt. Und selbst mit Kompostvertretern lässt sich in der Küche Staat machen. „Bei der allerletzten Show haben wir Reste verkocht“, erzählt die Owenerin. In der Pfanne landeten nicht nur Gemüse wie Karotte, Kohlrabi, Rosenkohl und Paprika, sondern auch Fleischreste des edlen Wagyu-Rinds. Dabei handelt es sich um die teuerste Rinderrasse weltweit, ihr Ursprung liegt in der Region Kobe in Japan, und nur Tiere von dort werden als Kobe-Rinder deklariert. Ein Kilo kann über 100 Euro kosten.

Zwei Mal hat Brigitte Steinwender auch mit dem Sous-Chef Thomas Lade vom Berliner Hotel Adlon gekocht. „Das ist ein Spitzenkoch mit zwei Sternen. Von dem konnte ich noch was lernen“, freut sie sich über die gute Zusammenarbeit. So gab es Ofenschalotten, die mitsamt der Schale für 20 Minuten bei 160 Grad im Ofen schmorten. Danach landeten sie ohne Schale in einer Pfanne mit Butter und bildeten mit frisch zubereiteten Olivengnocchi und einem Flanken-Steak des Wagyu-Rinds eine köstliche Mahlzeit.

Die Fleischerinnung hat in ihrer Halle ebenfalls einen Stand, hier bereiten die Metzger beispielsweise Wurst zu. In der Schaubäckerei nebenan entstehen Brot und Brötchen samt leckerer süßer Schnittchen, die in einem großen Ofen gebacken werden. Landwirtschaftliche Maschinen sind in der Halle ebenfalls zu bestaunen - die Miniausgabe in Form von Tret-Schleppern stehen im Messe-Kindergarten für die jüngsten Besucher zum Probefahren bereit.

Nächstes Jahr wird Brigitte Steinwender wieder die Berliner im Erlebnisbauernhof bekochen. Ob sich Baden-Württemberg dann wieder in der Hauptstadt präsentiert, ist allerdings fraglich. Das Land trägt sich mit dem Gedanken, die Kosten für den Messeauftritt zu sparen. Dieses Jahr teilte man sich die Halle mit Mecklenburg-Vorpommern. „Das fände ich außerordentlich schade, wenn wir nicht mehr dabei wären. Mecklenburg-Vorpommern ist wesentlich ärmer als wir und trat deutlich stärker auf. Die Bayern sind richtig groß, dort ist immer Remmidemmi mit Blasmusik und Bier“, sagt Brigitte Steinwender.

14 Kühe bevölkerten die Halle Erlebnisbauernhof und lieferten Milch für die Molkerei.
14 Kühe bevölkerten die Halle Erlebnisbauernhof und lieferten Milch für die Molkerei.
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