Lenninger Tal

I muaß amol wieda noch Grinzing geh’n

Konzert Bekannte Lieder aus Wien rund um den Wein brachten das Publikum im Unterlenninger Bürgerhaus in Schunkelstimmung. Zum Naschen gab’s Apfelstrudel und Heurigen. Von Andrea Barner

Sie brachten Wien nach Lenningen: Wolfgang Walter an der Geige, Evi Dreher mit Gesang und Stefan Lipka am Piano.Foto: Günter Kah
Sie brachten Wien nach Lenningen: Wolfgang Walter an der Geige, Evi Dreher mit Gesang und Stefan Lipka am Piano.Foto: Günter Kahlert

Zugegeben, das Wasser spielt eine untergeordnete Rolle an diesem Abend. Der Wein ist’s, der im Mittelpunkt der Wiener G’schichten und Lieder steht. „Wir dachten, wir packen das Thema mal andersherum an“, schmunzelt Stefan Lipka, Vollblutmusiker und seit anderthalb Jahren Mitarbeiter im Lenninger Schlössle. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Faszination Wasser“ bringt er mit seinem Wiener Trio die österreichische Metropole an der Donau, und die ausgeprägte Abneigung des Wieners schlechthin gegen Wasser, ins Veranstaltungsprogramm der Engagierten Bürger Lenningen.

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„I riach an Wein scho kilometerweit, mei Naserl hat a Freid!“ Echte handgemachte Schrammelmusik mit der Wiener Sängerin Evi Dreher, dem Stuttgarter Geiger Wolfgang Walter und am Klavier und Akkordeon Stefan Lipka aus Schopfloch. Die Kombination von Gesang, Geige und Akkordeon ergibt den typischen Sound, der dem geneigten Besucher von Wiener „Heurigen“ so wohlbekannt ist. „Heurige“ sind vergleichbar mit unseren Besenwirtschaften, dort gibt’s frischen Hauswein, dazu deftige Imbisse und diese stimmungsvolle, manchmal anrührende Musik. Der „Heurige“ ist so bekannt wie das Riesenrad, Schloss Schönbrunn oder die Wiener Sängerknaben. „Das muss ein Stück vom Himmel sein: Wien und der Wein.“ So jedenfalls singt schon Anfang der 30er Jahre Paul Hörbiger im teuersten UFA-Film dieser Zeit, „Der Kongress tanzt“. Und so singt auch Evi Dreher im Unterlenninger Bürgerhaus voll Inbrunst, und bringt das Publikum damit in Schwung. „Wenn Sie in Wien einen Heurigen besuchen, dann nehmen Sie einen, wo kein Bus davor steht“, empfiehlt die gebürtige Wienerin den Besuchern, nur dann ist es dort schön und gemütlich. Und sonst ist’s Massenabfertigung, sagt sie.

Der Wiener an sich ist nicht nur gemütlich, höflich und lebensfroh. Dass er schon auch ein Stück weit morbide ist, das schlägt sich nieder in dem einen oder anderen Lied, das Evi Dreher mit geschulter Stimme zu Gehör bringt, auch wenn sie sich nach eigenen Worten gelegentlich „von der Geige aushelfen lassen muss, wenn’s gar zu hoch hinauf geht!“

Der Wiener will „a schöne Leich‘“

Ganz wichtig im Leben eines echten Wieners ist das eigene Begräbnis. Dafür spart und plant er ein Leben lang. A schöne Leich‘, das ist dem Wiener sein großer Traum und dazu ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof. Und wenn’s soweit ist? Nicht „dramhappert“ sein, also irgendwie betrübt, empfiehlt die Sängerin mit den Worten Ernst Arnolds. „Aber am Geburtstag gießt’s mer a mal im Johr die Bleamel mit heurigem Wein!“

Evi Dreher beschreibt auch den Alptraum eines jeden Wieners: „Mir hot’s heut dramt, es gäb kein Wein mehr, nur noch Kracherl...“ Kracherl sind Limonaden in verschiedenen Geschmacksrichtungen. „Ja, ja der Wein is guat“, da greift der Wiener lieber zu, bevor er dann mit seinem Dackel von Grinzing heimwärts wackelt. Dieses Stück sangen einst Hans Moser und Paul Hörbiger, aber auch Peter Alexander.

Das perfekt aufeinander eingestimmte Trio spielt Wiener Klassiker wie „Draußen in Sievering blüht schon der Flieder“ von Johann Strauß oder „Wien, Wien, nur du allein“ oder das „Fiakerlied“. Hier schlägt die Stunde der Lenninger Büchereileiterin Ev Dörsam, sie pfeift dazu, wie der Kutscher im Original. Bei Alt-Wiener-Heurigen-Liedern steigt die Stimmung noch weiter an: „Heut kommen Engerl auf Urlaub nach Wien“ oder „Zwei Fiedeln, a Klampfn, a Maurerklavier“. Für Nicht-Wiener: Das sind zwei Geigen, eine Gitarre und ein Akkordeon.

Die Wiener Lieder sind ab Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Man kennt sie hierzulande meist aus alten Filmen. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Das Wiener Trio tritt wieder live auf beim Schopflocher Scheunensommer am 14. und 15. Juli. Eine stimmungsvolle Sache, mit viel Nostalgie und Wiener Schmäh.