Lenninger Tal

Ideen verkaufen in der Coronakrise

Gesundheit Patrick Rafolt liefert mit seinem Lenninger Unternehmen Gesichtsmasken – schnell und in großen Mengen aus Kroatien. Das lag momentan doch eigentlich ganz nahe, sagt er. Von Peter Dietrich

Egal ob in blau oder anderen bunten Farben: Patrick Rafolt präsentiert eine der Masken an einer Modellpuppe.Foto: Peter Dietrich
Egal ob in blau oder anderen bunten Farben: Patrick Rafolt präsentiert eine der Masken an einer Modellpuppe. Foto: Peter Dietrich

Die Lenninger Firma von Patrick Rafolt heißt zwar nur „Werbemittel-Markt“, doch sie hat gleich zwei Standbeine: Das zweite sind die Berufskleidung und der Arbeitsschutz. „Und das von Kopf bis Fuß“, sagt Patrick Rafolt: Kopfbedeckungen, Handschuhe, Sicherheitsschuhe und vieles mehr. Die Nachfrage nach Werbemitteln ist derzeit im Keller - wenn es keine Messen und Ausstellungen gibt, wird auch nichts verteilt. Außerdem hätten die Firmen derzeit ganz andere Sorgen. Da helfen Patrick Rafolt momentan auch die besten Ideen nicht weiter - und davon hatte er schon einige. Einer seiner Hits ist der hölzerne Rückenkratzer, sehr beliebt bei chinesischen Besuchern in Metzingen. Außerdem gibt es einen Schuhlöffel aus deutscher Buche und vieles mehr. „Ich verkaufe Ideen“, lautet das Credo des Unternehmers.

Bereits seit Anfang März liefert die Firma Einweg-Schutzmasken, überwiegend an Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie werden aus Asien importiert. Als der Unternehmer die allgemeine Maskenpflicht kommen sah, streckte er auch dafür rechtzeitig seine Fühler aus. Nun hat er eine kroatische Firma als Partner, die täglich bis zu 20 000 textile, waschbare Gesichtsmasken liefern kann - und zwar innerhalb weniger Tage. Wenn es ein paar Tage länger dauern darf, sogar mit Bedruckung.

Diesen Schritt zu den Alltagsmasken fand Patrick Rafolt naheliegend, ist doch Arbeitsschutz seit langem sein Thema. So übernimmt er als Sachverständiger für Absturzsicherung die jährlich vorgeschriebene Prüfung des Sicherungsgeschirrs. Wer aus einem anderen Metier komme und sich an die Produktion von Gesichtsmasken mache, sagt er, verwende oft einen zu dichten Stoff, dann falle das Atmen schwer.

Seine Masken sind einlagig und bestehen aus einem Mischgewebe von Baumwolle und Polyester. Sie sind bis 90 Grad Celsius waschbar, per aufgedrucktem Logo empfiehlt Patrick Rafolt aber nur 60 Grad. Die Masken gibt es einfarbig für die Arztpraxis und kunterbunt für den Alltagsgebrauch. „Die Firma verwendet die Stoffe, die sie ohnehin auf großen Rollen zur Kleidungsproduktion auf Lager hat.“ Es gibt die Gesichtsmasken auch in Kindergrößen, auch das in vielen Farben. Statt Gummifäden werden Bändel zum Knoten verwendet. „Gummi leidet oft beim Waschen.“

Will der Unternehmer damit Geld verdienen? Natürlich. Und er ist froh, dass er mit den Gesichtsmasken den Fortbestand seiner Firma sichern kann, bis die Nachfrage nach Werbemitteln wieder ansteigt, was Patrick Rafolt nach Ende der Krise erwartet, er hat das auch 2008 so erlebt. Er will die aktuelle Situation allerdings nicht schamlos ausnutzen. Der Unternehmer erwartet, dass es die Gesichtsmasken irgendwann auch günstig beim Discounter gibt. „Bis dahin haben wir unsere Nische, und die Menschen brauchen die Gesichtsmasken schließlich jetzt.“

Hoffen auf Unterstützung

Patrick Rafolt macht keinen Einzelhandel, das kann er organisatorisch auch gar nicht leisten. Er kann allenfalls den nächsten Nachbarn ein paar Gesichtsmasken überreichen und tut das auch gerne. Er hat schon manchen verzweifelten Anruf aus anderen Gemeinden bekommen: „Ich zahle auch 20 Euro dafür, aber ich brauche unbedingt eine Maske.“ Er verweist Anrufer dann weiter: Seine Hoffnung sind Kommunen und Firmen, die größere Stückzahlen bestellen und diese dann weiter verteilen. Es wäre doch schön, sagt er, wenn ein Chef dabei nicht nur an seine Mitarbeiter denke, sondern auch an deren Angehörige, und jedem Mitarbeiter gleich zehn Stück schenke. „Die Siedlungsbau in Nürtingen hat Gesichtsmasken an alle Wohnungen verteilt, das ist ein gutes Beispiel. Ich hoffe, viele Unternehmer ziehen mit, zum Wohle aller.“

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