Lenninger Tal

Im Bus eine neue Welt entdecken

Beruf Restaurantbesitzer und Hoteliers suchen händeringend nach Personal. Um Schülern die Branche näherzubringen, machte jetzt das „Gastro-Mobil“ in der Lenninger Realschule Halt. Von Max Carlo Pradler

Spielerisch und trotzdem informativ: Die einzelnen Bereiche des Gastro-Mobils fordern die Schüler heraus. Fotos: Markus Brändli
Spielerisch und trotzdem informativ: Die einzelnen Bereiche des Gastro-Mobils fordern die Schüler heraus. Fotos: Markus Brändli

Er steht auf dem Pausenhof der Karl-Erhard-Scheufelen Realschule in Lenningen. Doch was von außen wie ein ganz normaler Linienbus aussieht, öffnet die Türen zu einer ganzen Branche: Dieser Bus ist ein „Gastro-Mobil“. Er wurde zu einem hochmodernen, fahrbaren Messestand umgebaut, bei dem sich alles um das Thema Gastronomie dreht. Es ist schließlich nichts Neues, dass das Gewerbe akuten Personalmangel hat. Der Hotel- und Gaststättenverband „Dehoga“ hat sich deshalb diese Besonderheit im Rahmen der schulischen Berufsorientierung einfallen lassen.

Der Zweck des Busses ist klar: Er soll jungen Menschen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, einen Job in der Gastronomie nahebringen. Die Schüler können die Branche dabei durch verschiedene Spiele oder Aufgaben näher kennenlernen. Egal ob Gewichte schätzen, ein Rollenspiel an der Rezeption oder diverse Kochübungen - für jeden Bereich gibt es eine Attraktion. Auch die Multimedia-Elemente wie der Gastro-Surfer oder der Gastro-Express, die im Außenbereich aufgebaut sind, ermöglichen eine zwanglose Annäherung an die Branche: So erleben die Neuntklässler auf einem wackeligen Surfbrett eine virtuelle Fahrt durch die Welt der Hotellerie, oder sie reisen in einem nachgebauten Aufzug von Restaurant zu Restaurant.

Wer dabei auf den Geschmack kommt, kann sich an die Talentscouts wenden. Projektleiter Siggi Lechler ist einer davon. Bei ihm stoßen die Schüler auf einen echten Weltenbummler. Lechler war über vier Jahrzehnte lang als Koch tätig, davon mehrere Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff, in Hotels auf Hawaii, Fuerteventura und in der Türkei. „Den Schülern macht das Gastro-Mobil Spaß, weil es eine willkommene Abwechslung darstellt“, sagt der 60-Jährige. Dennoch gibt er zu bedenken, dass auf der Branche ein negatives Image laste. „Was leider vor allem an den untypischen Arbeitszeiten liegt.“

Lehrer Marcus Walter ist vom Projekttag rundum begeistert. Er ist für die Berufsorientierung zuständig und hat das Gastro-Mobil nach Lenningen geholt: „Das ist einer tolle Sache, weil die Schüler mit dieser Branche sonst kaum Berührungspunkte haben.“ Dass der Bus nicht nur beim Lehrer auf positive Resonanz stößt, zeigen auch die aufmerksamen Gesichter der Schüler beim Erfüllen der einzelnen Aufgaben. „Das Projekt ist für uns sehr hilfreich, weil wir so Berufe kennenlernen, die man sonst eher weniger auf dem Schirm hat“, stellen die Neuntklässlerinnen Amelie und Maike fest.

Der Bus besucht regelmäßig Schulen und Berufsmessen und erreicht so insgesamt rund 18 000 Jugendliche pro Jahr. Die Kampagne wurde vom Hotel- und Gaststättenverband „Dehoga“ Baden-Württemberg entwickelt und wird vom Bundesland mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

GastroMobil steht vor Realschule Lenningen, Berufswahl, Ausbildung, Azubi,
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