Lenninger Tal

„Im Flugzeug ist es eng und es gibt kein WLAN“

Matthias Gastel, Grünen-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Nürtingen, pendelt zwischen Berlin und Filderstadt mit der Bahn

Seit zwei Jahren ist der Filder­städter Matthias Gastel Bundestagsabgeordneter der Grünen für den Wahlkreis Nürtingen. Er ist überzeugter Bahnfahrer. Gegenüber dem Teckboten ­erklärt er, warum.

Matthias Gastel
Matthias Gastel

Anke Kirsammer

In Sitzungswochen pendeln Sie zwischen Filderstadt und Berlin mit dem Zug. Warum?

MATTHIAS GASTEL: Erstens, weil die Reise mit dem Zug deutlich ressourcenschonender und klimafreundlicher ist als mit dem Flugzeug. Zweitens bin ich für die Bahnpolitik zuständig und nutze eigene Erfahrungen, um mich für eine fahrgastfreundlichere, das heißt vor allem zuverlässigere und serviceorientiertere Bahn einzusetzen. Drittens dokumentiere ich jede Fernverkehrsfahrt mit dem Zug in meinem Online-Tagebuch auf www.matthias-gastel.de und lasse damit andere teilhaben an meinen Erlebnissen. Diese Erfahrungen werte ich außerdem immer wieder aus, um Stärken und Schwächen der Bahn für meine politische Arbeit noch besser nutzbar zu machen.

Wären Sie mit dem Flugzeug denn nicht viel schneller unterwegs? Ein Flug von Stuttgart nach Berlin dauert nur eine knappe Stunde.

GASTEL: Schnelligkeit ist das eine. Das andere ist aber die Frage, in welchem Verkehrsmittel sich die Zeit sinnvoll nutzen lässt. Ich bin einmal von Berlin nach Stuttgart geflogen. Das war mein erster Flug mit einem Flugzeug überhaupt. Und ich habe mich nur geärgert über die verschwendete unproduktive Zeit. Zeit fürs Anstehen an der Sicherheitskont­rolle, Warten auf den Aufruf, Warten bis der Bus zum Flugzeug losfährt. Im Flugzeug ist es eng und es gibt kein WLAN, beides ist ungünstig zum Arbeiten. Schließlich kam ich mit einer Stunde Verspätung an.

Ist das nicht auch ein Problem der Bahn?

GASTEL: Der Zug hat auch häufig Verspätung. Das muss sich ändern, wenn er Verkehrsanteile vom Auto- und Flugverkehr gewinnen will. Aber dort sitze ich meist an einem Platz mit Tisch und kann die Zeit besser nutzen. Es ist schön, anzukommen und Berge von Unterlagen und Mails abgearbeitet zu haben.

Gibt es denn andere, ähnlich weit von Berlin entfernt wohnende Bundestagsabgeordnete, die das genauso handhaben wie Sie?

GASTEL: Viele Kollegen fliegen. Manchmal auch für Strecken, auf denen ich das für unsinnig halte. Letztlich muss das aber jedes Bundestagsmitglied für sich selbst entscheiden.

Foto: Jean-Luc Jacques

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