Lenninger Tal

Im Lenninger Tal wird noch geschlachtet

Fleisch Metzgerei Konrad baut neuen Schlachtbetrieb – Metzgerei Ehni setzt ebenfalls auf traditionelles Handwerk.

Familie Konrad steht vor der Baugrube in Unterlenninger Gewerbegebiet, wo ihr neuer Betrieb entsteht.Foto: Markus Brändli
Familie Konrad steht vor der Baugrube in Unterlenninger Gewerbegebiet, wo ihr neuer Betrieb entsteht. Foto: Markus Brändli

Lenningen. Familie Konrad aus Schlattstall traut sich was: In Unterlenningen baut sie einen EU-zertifizierten Schlachtbetrieb. In dem Gebäude ist auch ein Ladengeschäft untergebracht und es wird Wurst produziert. Geschlachtet werden - wie jetzt auch schon - nicht nur Rind und Schwein sondern auch Schaf und Ziege, was selten ist. „Mittlerweile haben die Schaf- und Ziegenhalter Schwierigkeiten, Betriebe zu finden, die ihre Tiere schlachten und zerlegen. Viele Metzgereien haben in den vergangenen Jahren aufgegeben“, sagt Ira Konrad.

Die Metzgerei Konrad wurde 1985 zunächst im Nebengewerbe von ihrem Mann Karl-Heinz Konrad in Schlattstall gegründet. Zwanzig Jahre später zog der Betrieb in größere Räume nach Gutenberg - auch, um die Voraussetzungen für die EU-Zertifizierung erfüllen zu können. Sohn Gero ist 2011 als Meister in den Betrieb eingetreten.

„Wir wollen handwerklich bleiben und so arbeiten, wie es früher in Metzgereien üblich war“, sagt der 30-Jährige mit Blick auf die Baugrube. Auch die Produktion für die Direktvermarkter wird es weithin geben, sprich das Lohnschlachten und -zerlegen von deren Tieren.

Die Konrads beziehen ihre Schlachttiere aus der Region, auf kurze Transportwege legen sie Wert, ebenso auf den Kontakt zu „ihren“ Landwirten. „Wir wissen, wo die Tiere herkommen und suchen sie aus“, erklärt Gero Konrad. Über 50 Prozent kommen aus dem Lenninger Tal. „Der Umgang mit den Tieren ist wichtig“, so Gero Konrad. Er holt das Rind oder Schwein selbst vom Bauernhof ab. Hat sich das Tier von der Fahrt in einer Box erholt, führt er es auch zu dessen letztem Gang ins Schlachthaus.

Zu den wenigen Metzgereien, die noch selbst schlachten, zählt auch der Betrieb von Jochen Ehni mit Stammsitz in Gutenberg. Mit den Auflagen hat er sich arrangiert, mit der Fleischbeschaugebühr, speziell im Landkreis Esslingen, tut er sich jedoch schwer „Wir müssen 13 Euro pro Schwein bezahlen, die EU gibt als Richtlinie rund drei Euro vor“, ärgert er sich.

Ein weiterer Kritikpunkt: „Seit 30 Jahren wird regionale Ware propagiert, doch sämtliche Gesetze gehen alle in die andere Richtung. Oben verdienen ein paar ganz dick, die unten strampeln sich für wenig ab. Da liegt vieles im Argen“, sagt er. Aus seiner Sicht muss die Politik dagegensteuern, um die Handwerker und Landwirte zu unterstützen und nicht noch mehr Auflagen und Gesetze draufzupacken. Wegen des Fiskalgesetzes musste er rund 30 000 Euro in sein Kassensystem investieren, notwendige Investitionen warten deshalb auf die Realisierung. Iris Häfner

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