Lenninger Tal

Im Technikraum laufen nicht nur die Köpfe heiß

Projekt Fünf Jungs der Lenninger Werkrealschule bauen eine Rennkiste mit Elektro-Motor. Auf den Prüfstand kommt der Flitzer des „Slugs-Teams“ am 23. Juli im Rahmen eines Wettbewerbs der Kfz-Innung. Von Anke Kirsammer

Die E-Rennkiste der Werkrealschule Lenningen schreitet voran.  Heute werden letzte Schweißarbeiten vorgenommen.
Die E-Rennkiste der Werkrealschule Lenningen schreitet voran. Heute werden letzte Schweißarbeiten vorgenommen.

Sebastian setzt die grobe Feile an und schabt mit ihr über das abgesägte Metallröhrchen. „Das ist für die Akkuhalterung“, erklärt der Neuntklässler und schaut kurz auf. „Das muss ich abschleifen, damit man es besser schweißen kann.“ Ein paar Meter weiter fliegen bereits die Funken. Einen Schutz vor den Augen, schweißt Luca eine Verstrebung an das Gerüst einer Rennkiste, damit sich deren Hinterachse nicht verdrehen kann. Im Lenninger Schulzentrum kommen die Werkrealschüler nicht nur ins Schwitzen, weil die Sonne den Technikraum aufheizt und immer wieder das Schweißgerät knistert - die Köpfe laufen auch heiß, weil es manches auszutüfteln gilt: Wo sollen die Bremszüge laufen und wo das -pedal angebracht werden?, so lauten heute die Fragen, die es im Vorgriff auf die kommende Woche zu überlegen gilt.

Seit einem halben Jahr trifft sich die AG jeden Dienstag mit ihrem Lehrer Joachim Maier sowie Wolfgang Holder und Rolf Hirsch vom „Männerstammtischs 50 Plus“ des Vereins „Unser Netz“, um eine Elektro-Rennkiste zu bauen. Angesetzt sind zwei Stunden. Nicht selten werden daraus drei oder vier. „Es macht Spaß. Da bleibe ich gerne länge da“, sagt Matthias. Den anderen Schülern geht es genauso. Getrieben ist die AG vom Ehrgeiz, ein Fahrzeug zu konstruieren, das die Kraftfahrzeuginnung Nürtingen-Kirchheim als die beste E-Rennkiste prämiert. Zu Beginn des Schuljahres hatte deren Pressesprecher Hansjörg Russ als Startschuss für den Wettbewerb ein Set überreicht. Es beinhaltet ein 20 Zoll großes Antriebsrad mit einem 36-Volt-Radnabenmotor, einen Akku, ein Steuer- sowie ein Ladegerät und einen Gashebel. Bei der übrigen Ausgestaltung sollen die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ob das Gefährt drei-, vier- oder fünfrädrig ist, ein Rollstuhl die Basis liefert oder ein Fahrrad, können die Konstrukteure also selbst entscheiden.

Eine Devise der Lenninger lautet: „Runter mit dem Gewicht!“ Das fängt bei den Materialien an, die das Team verwendet, und hört beim Piloten auf. Dass Luca im Rennen, bei dem die teilnehmenden Schulen gegeneinander antreten, das Fahrzeug lenkt, ist längst beschlossen: Mit einer Größe von 1,58 Metern und 43 Kilogramm scheint das 15-jährige Fliegengewicht prädestiniert. Seinen Hang zu hohen Geschwindigkeiten, den er mit top Resultaten bei Rennen auf Skiern beziehungsweise Inline Skates regelmäßig unter Beweis stellt, wird Luca aber nicht ganz ausleben können. Die Seifenkiste ist durch das vorgegebene Antriebsrad auf 25 Stundenkilometer gedrosselt.

Mit Feuereifer sind die fünf Schüler bei der Sache. Während die einen mit dem Meterstab messen, wo die Auflage für Lucas Füße eingebaut werden muss, kaschieren andere mit schwarzer Acrylfarbe die rostanfälligen Schweißnähte. Wolfgang Holder vom Männerstammtisch gibt hilfreiche Tipps, lässt die Jungs aber die entscheidenden Weichen stellen. „Mit drei Rädern wäre es einfacher gewesen“, sagt der 71-Jährige. „Dann hätte man kein Lenktrapez gebraucht.“ Doch diese Hürde hat das inzwischen eingespielte Team längst genommen. Problemlos lassen sich die Vorderräder bewegen. Eine positive Zwischenbilanz zieht auch „Teammanager“ Joachim Maier: „Bisher ist es gut gelaufen“, betont er.

„Treffen wir uns nächste Woche?“, fragt Wolfgang Holder. Für die Jungs ist das keine Frage. Auf die Tube gedrückt wird insbesondere, weil die Probefahrt auf dem Schulhof in greifbare Nähe rückt.

Einen Namen haben die Schüler ihrem Team bereits gegeben. In Anlehnung an die Schnecken - den Oberlenninger Ortsnecknamen - gehen sie als ferrari-rotes „Slugs-Team“ ins Rennen. Nomen ist in diesem Fall hoffentlich nicht Omen.

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