Lenninger Tal

Im Winter das Sofa, im Sommer 's Bänkle

Jubiläum Fritz und Maria Munk aus Owen sind seit 60 Jahren verheiratet. Morgen feiern sie das Fest der diamantenen Hochzeit und erfreuen sich an den Früchten des Gewächshauses. Von Iris Häfner

Seit 60 Jahren ein Paar: Maria und Fritz Munk. Foto: Carsten Riedl
Seit 60 Jahren ein Paar: Maria und Fritz Munk. Foto: Carsten Riedl

Nur im Winter ist das Bänkle vor dem Haus verwaist. Sobald die Temperaturen längerfristig zweistellig werden, wird Fritz Munk seinen Lieblingsplatz schräg gegenüber der Bernhardskapelle einnehmen und regelmäßig ein „Schwätzle“ halten. Schließlich kennt man sich in Owen und pflegt das Miteinander. „Fritz, was hosch em Gwächs­haus?“, lautet eine regelmäßig gestellte Frage an den 82-Jährigen. Blumen sind dessen große Leidenschaft, selbstredend, dass selbst gezogenes Gemüse ebenfalls im und ums Gewächshaus gedeiht. Das ist aber auch zum großen Teil der agilen Maria Munk zu verdanken, die die Pflänzchen regelmäßig gießt. Das fällt ihrem Mann schwer. Das rechte Bein musste dem Diabetiker vor Jahren amputiert werden. „Sein Hobby muss ich machen“, sagt die Jubilarin augenzwinkernd. Recht schnell wird klar, dass die beiden, die morgen ihre diamantene Hochzeit feiern, ein eingespieltes Team sind.

Maria Munk wurde in Ottenschlag im Kreis Neubistritz in Südmähren nahe der österreichischen Grenze geboren und Ende Mai 1945 mit ihrer Familie vertrieben. Ein dreiviertel Jahr harrten sie in Österreich aus. „Unser ganzer Ort fuhr in einem Viehwaggon von Wien nach Deutschland. Wir wollten nach Bayern, aber der Zug hat in Göppingen gehalten“, erzählt Maria Munk, wie sie im Württembergischen landete. Nach einigen Zwischenstationen zog die Familie in die Kirchheimer Straße in Owen, da der Vater bei Leuze textil Arbeit gefunden hatte. Die katholische Maria war schnell integriert, sie war auch ganz selbstverständlich beim Konfirmandenausflug mit dabei. Da war auch Fritz Munk dabei, denn sie gingen in die gleiche Klasse - näher gekommen sind sich die beiden jedoch erst bei der 20er-Feier.

Fritz Munk ist ein waschechter Owener und das jüngste von fünf Kindern. Sein Vater war Maler, eine kleine Landwirtschaft trug zur Versorgung der Familie bei. Schon in jungen Jahren hat er bei einem Arbeitsunfall zwei Finger seiner rechten Hand verloren. Das hielt ihn aber nicht davon ab, Reparaturschlosser zu werden. Nach einigen Stationen kam auch er zu Leuze textil. Bis zur Geburt ihres ersten Kindes arbeitete Maria Munk dort in der Weberei. „Mein Schwiegervater war happy mit mir. Bei der Kirschenernte bin ich bis ganz rauf auf den Baum“, erinnert sich die Jubilarin. Schon im Sudetenland war ihr kein Baum zu hoch. Auf sie zu klettern war bei ihr und ihren Freunden ein beliebter Zeitvertreib.

„Ich habe immer Frühschicht gemacht, dann konnte ich mittags in mein Gewächshaus“, sagt Fritz Munk. War der Vater zu Hause - das Paar hat zwei Kinder, Thomas und Elisabeth - ging Maria Munk arbeiten. „36 Jahre lang habe ich im Rathaus geputzt“, erzählt sie stolz. Dem nicht genug, sie war auch noch über 20 Jahre auf Milchkontrolle. „Bei jedem Bauern musste ich von jeder Kuh ein Fläschle Milch morgens und abends holen und jeden Monat musste die Runde durch sein“, erklärt Maria Munk.

Jetzt genießen die beiden ihren Ruhestand. Im März wird Fritz Munk seine Tomaten sähen. „Das sind alte Sorten, die noch nach Tomaten schmecken“, macht der Jubilar keinen Hehl daraus, dass er nichts von dem neuen „Durcheinander-Saatgut“ hält, das auf dem Markt ist. Dann will er wieder schöne Blumen ziehen und sich an deren Farbenpracht erfreuen. Auf den morgigen Tag freut sich das Paar ebenfalls. Zur diamantenen Hochzeit erwartet es rund 40 Gäste, darunter sind die zwei Kinder, vier Enkel und ein Urenkel. Am Nachmittag geht es in die Kirche, dann wird in der Wirtschaft gefeiert.

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