Lenninger Tal

In Brucken steht das Ende des „Pfeifkonzerts“ bevor

Nahverkehr auf der Teckbahn: Bahnübergänge in Owen und Lenningen stehen auf dem Prüfstand – Verkürzung der Fahrtzeit wäre somit möglich

Anders als am Kirchheimer Südbahnhof, gibt es in Owen und in Brucken bereits Bahnübergänge ohne Schranken. Aber auch sie stehen zur Diskussion.

Andreas Volz

Owen / Lenningen. Der Bahnübergang Brühlstraße in Owen wird vielfach genutzt, von Kraftfahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern. Deshalb fordert die Straßenverkehrsbehörde eine technische Sicherung, wie Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger den Teilnehmern des Fachgesprächs „Nahverkehr auf der Teckbahn“ gestern vor Ort erläuterte. Knut Maisch von DB Netze zufolge sind vertiefende Planungen angelaufen. Sollte es zu einer Beschrankung kommen, müsste Owen das nicht alleine stemmen. Hier gälte die Drittel-Regelung, weil es sich nicht um ein „einseitiges Verlangen“ der Stadt Owen handeln würde. Je ein Drittel der Kosten übernehmen dann die Bahn, die Kommune und der Straßenbaulastträger.

Im Herbst stelle die Bahn ihre Planungsvarianten für die Brühlstraße in Owen vor und nenne dabei auch die bevorzugte Variante, sagte Knut Maisch. Eine andere Variante als die technische Sicherung wäre „die Aufhebung eines Bahnübergangs“. In beiden Fällen würde für die Anwohner das lästige Pfeifen entfallen. Das zumindest wäre das Positive an der Sache. Schwierig wäre es allerdings – im Fall der Aufhebung –, den Übergang nicht mehr nutzen zu können. Verena Grötzinger versprach den Fachleuten der Bahn vorsorglich für die Herbsttermine: „Wir werden nachhaltig argumentieren, warum wir diesen Übergang aufrechterhalten wollen.“

Die „Huperei“ soll auch in Brucken wegfallen. Für die vier Bahnübergänge im Lenninger Teilort hat die Bahn bereits Planungen erarbeitet. Am 20. September werden die Ergebnisse im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. Die Übergänge an der Kanalstraße sowie an der Kirchheimer Straße sollen deutlich verbessert und unter anderem verbreitert werden. Für die beiden anderen Übergänge, die Feldwege betreffen, nannte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht das Prinzip „Aus zwei mach‘ eins“. Der verbleibende solle dann ebenfalls in den Rang eines „technisch gesicherten Übergangs“ erhoben werden.

Daraus ergäben sich zwei Vorteile: Das Pfeifen entfiele komplett, und die Bahn könnte auch schneller fahren. Letzteres wäre ganz im Sinne der Gemeinde Lenningen, weil dann möglicherweise die Abfahrtszeiten um fünf Minuten nach hinten verschoben werden könnten – im Interesse der Schüler, die per Bahn pendeln.

Knut Maisch bestätigte diesen Stand der Planungen seitens der DB Netze und nannte konkrete Zeiträume: Die Planfeststellungsverfahren sollen noch dieses Jahr eingeleitet werden. Je nach Dauer der Verfahren stellte er eine Inbetriebnahme der neuen Übergänge in Brucken für Ende 2018 oder Anfang 2019 in Aussicht.

Michael Schlecht betonte, dass der Gemeinderat im September nur Kenntnis von den Planungen nimmt, aber noch keine Entscheidung trifft. Zu bedenken sei nämlich, „dass wir bei zwei von vier Bahnübergängen auch als Straßenbaulastträger mit im Boot sitzen“. Das bedeutet, dass Lenningen in diesen beiden Fällen zu zwei Dritteln an den Kosten beteiligt ist. „Unser Ziel ist das Wegfallen des Pfeifens. Aber das wird die Kommune auch eine Menge Geld kosten.“

Einige weitere Punkte zum Betrieb der Teckbahn wurden zwischen Owen und Unterlenningen ebenfalls noch geklärt: Dr. Dirk Rothenstein, Sprecher der Geschäftsleitung von DB Regio / S-Bahn Stuttgart, betonte, „dass ausfallende Züge nicht in unserem Interesse sind“. Das liege aber an der „Mangelware Lokführer“. Hoher Krankenstand und hohe Fluktuationsraten führten leider immer wieder dazu, dass Züge der Teckbahn ausfallen, weil kein Lokführer zur Verfügung steht. Nikolaus Hebding, der Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart, erklärte außerdem, warum an den Haltestellen der Teckbahn meistens nur die aktuelle Uhrzeit angezeigt wird: „Wenn der Zug pünktlich ist, reicht das. Weitere Informationen gibt es nur bei Verspätungen.“ Für Ausfälle der Bahn ist die Verbindung von Schiene und Bus als Kompensation wichtig. Sie gewährleistet außerdem einen schnelleren Takt der öffentlichen Verkehrsmittel, da es auf der Teckbahn­strecke keine Ausweichgleise gibt.

Letzter Punkt: Weil es auch in der Teckbahn schon zu Übergriffen gekommen ist, fragte Bürgermeister Schlecht nach Möglichkeiten der Videoüberwachung. Antwort der Bahn: In den neuen Fahrzeugen ab 2021 gehört das zum Standard.

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