Lenninger Tal

In Wolfsburg steht ein Autohaus

Ehrenamt Das Geschenk der Gemeinde Lenningen für ihre Ehrenamtlichen hieß „Vocal Deluxe“. Der überaus kreative Auftritt der drei Powerfrauen in der Turn- und Festhalle kam glänzend an. Von Peter Dietrich

Die drei Stuttgarter Powerfrauen von Vocal Deluxe erwiesen sich als extrem vielseitig. Foto: Peter Dietrich
Die drei Stuttgarter Powerfrauen von Vocal Deluxe erwiesen sich als extrem vielseitig. Foto: Peter Dietrich

Man nehme den Liedanfang „In Wolfsburg steht ein Autohaus“ und den Refrain „Skandal um Diesel“. Muss man dann noch die Melodie dazu erklären? Natürlich sind wir beim „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang, bei dem es damals um eine anrüchige Dame namens Rosi ging. Wie dieses Lied hat Vocal Deluxe für das Programm noch vieles andere verwurstet - vor ihnen war wirklich gar nichts sicher. Da küssten die Lippen so heiß, wurden auf dramatische Weise die Liebe, das Essen und der Tod besungen, wurde zum Ziegenrudi gejodelt, wurden zu Bonanza drei Zuhörer als Cowboys auf die Bühne geholt oder waren ebenfalls männliche Zuhörer als russisches Ballett gefragt. Sie besangen das Überleben im Angesicht der Kehrwoche, da gab es eine bitterböse Bildungseinheit mit einer adeligen Selbsthilfegruppe nach der Revolution von 1789 und ein dramatisches serbisches Lied mit einer demonstrativ unbeeindruckten Übersetzerin. Beim arabischen Liebeslied „Habibi“, das steht für „mein Geliebter“, war aus sittlichen und kulturellen Gründen von der Sängerin nur sehr wenig zu sehen - mehr als ein winziges Löchlein im schwarzen Tuch war das nicht.

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Hinter allem Spaß und Klamauk steckte aber ein sehr fundiertes musikalisches Können, gesanglich ebenso wie am Piano, mit Geige, Kontrabass und Querflöte. Die musikalischen Stile waren so vielseitig wie die Kostüme, von Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow bis zur Präsentation der gescheiterten Weinkönigin aus „DSDS - Deutschland sucht die Superweinkönigin“ ist es ein wirklich weiter Weg. Die drei Künstlerinnen beherrschten alle Stile gleichermaßen, keine Ahnung, wo deren eigentliche „musikalische Heimat“ ist.

Vielleicht überall, in der Musik als solchen? Alle drei haben Musik studiert, Birgit Pläcking hat Künstler wie Chris de Burgh und Al Jarreau begleitet, die Serbin Zorana Memedovic ist mit Stars wie Tina Turner, José Carreras und Phil Collins aufgetreten, auch Antonia Bott begleitet seit mehr als 20 Jahren Sängerinnen und Sänger im In- und Ausland. Die Frage „Gibt’s das auch in groß?“, die die Sängerinnen in ihrem ersten Lied unter anderem auf ein zu enges Kleid und ein Messer bezogen, muss man bei ihrer Musik ganz gewiss nicht stellen. Den Genuss hatten die Zuhörer übrigens der Gemeinderätin Christine Sayler-Keim zu verdanken. Sie kannte Vocal Deluxe und hatte die Gruppe wärmstens und hartnäckig empfohlen.

Und das Publikum - es waren nur geladene Gäste, vorgeschlagen von den jeweiligen Vereinen und einzeln per Brief eingeladen vom Rathaus. Besonders im Fokus standen vor allem Mitarbeiter aus der zweiten Reihe, also diejenigen, die einfach da sind, wenn man sie braucht, und kein großes Aufheben darum machen. Die Liste hatte die Gemeindeverwaltung dann ergänzt, etwa mit Paten von öffentlichen Grünflächen. „Ich hätte ja am liebsten alle eingeladen“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht zu den Zuhörern, „aber das geht nicht. Sie sind die Auserwählten.“ Er begrüßte jeden persönlich, die professionelle Bewirtung übernahmen übrigens die Gemeinderäte.