Lenninger Tal

„Inklusion geht alle an“

Aktionstage des Kreisjugendrings Esslingen förderten in Lenningen und Kirchheim Spaß, Vielfalt und Miteinander

Etwas andere Sportarten ausprobieren, Profis über die Schulter sehen und Kirchheim aus einem anderen Blickwinkel erleben: Im Rahmen der Aktionstage des Kreisjugendrings Esslingen drehte sich in Lenningen und Kirchheim alles rund um das Thema Inklusion.

Spiel, Spaß und Sport im Zeichen der Inklusion: Beim inklusiven Sporttag in Lenningen war beispielsweise beim Rollstuhl-Rugby mi
Spiel, Spaß und Sport im Zeichen der Inklusion: Beim inklusiven Sporttag in Lenningen war beispielsweise beim Rollstuhl-Rugby mit Profi und Lokalmatador Thomas Schuwje, unterwegs mit Tandem und Handbike oder beim schwungvollen Trommeln auf dem Pezziball einiges geboten.Fotos: Markus Brändli

Lenningen. „Wir wissen, das wir die Menschen nur in kleinen Schritten erreichen können“, sagt Frank Baumeister vom Kreisjugendring Esslingen. „Aber mit Tagen wie diesen kommen wir dem Ziel immer näher.“ Kreisweit stand vom 5. bis zum 9. Mai die Spurensuche nach Vielfalt und Miteinander bei Aktionen in Deizisau, Esslingen, Kirchheim und Lenningen sowie Ostfildern und Reichenbach auf dem Programm.

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„Es geht darum, sich zu begegnen, Berührungspunkte zu liefern und zu zeigen, dass Inklusion Spaß machen kann“, erklärt Heike Deigendesch von der Jugendarbeit Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler. Beim inklusiven Sporttag in der Sporthalle Unterlenningen am Freitag war somit für Groß und Klein sowie Alt und Jung mit und ohne Behinderung etwas geboten. Beim Ball über die Schnur, Federball und Würfelfußball standen vor allem der Spaß und das Miteinander und nicht die sportliche Leistung im Vordergrund. Vor der Turnhalle konnte die Fahrt mit dem Handbike oder ein Blindenstock-Parcour ausprobiert werden. Mutigere Besucher setzten sich außerdem mit verbundenen Augen als Sozius auf ein Tandem-Fahrrad.

Wer es lieber sportlicher mochte, konnte sich zudem vom Lenninger Lokalmatador Thomas Schuwje die Feinheiten des Rugby auf Rädern näherbringen lassen. Schuwje ist Nationalspieler im Rollstuhlrugby, trainiert die „Donauhaie“ in Illerrieden und hatte schon im letzten Jahr im Rahmen der KJR-Inklusionsoffensive die paralympische Sportart präsentiert.

An jeder Station gab es einen Stempel für Kinder und Jugendliche – bei drei Stempeln winkte als Andenken eine Urkunde in Braille-Schrift, unterschrieben von Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Er hat es sich nicht nehmen lassen, wieder mit dabei zu sein: „Es ist eine gute Sache, die unsere Unterstützung verdient.“ Als jemand, der im vergangenen Jahr selbst beim Rollstuhl-Rugby mitgemischt hat, weiß er um die Anforderungen an die Spieler. „Ich habe großen Respekt vor den Leistungen.“

Musikalisch ging es mit den „Soulhossas“ weiter, sechs Menschen mit und ohne geistige Behinderung von der Kulturwerkstatt Reutlingen, die dem Publikum mit ihrer rockig-fetzigen Musik ordentlich einheizten. Weiteres Highlight war außerdem die Korbjagd der Kirchheim Knights gemeinsam mit den Rollstuhl-Basketballern des Rollstuhlsport- und Kulturvereins (RSKV) Tübingen. Trotz der ungewohnt niedrigen Wurfposition machten Kapitän Radivoj Tomasevic, Coach Michael Mai und Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt gemeinsam mit weiteren Spielern aus der Meister- und Pokalsiegermannschaft des VfL Kirchheim eine gute Figur.

Menschen mit und ohne Behinderung aus Lenningen und Umgebung standen Moderator Jürgen Hahn vom AKB in einem „Sport-Talk“ Rede und Antwort: „Rollstuhlbasketball unterscheidet sich kaum von Basketball – der Korb hängt gleich hoch“, erklärt Kilian Mildner, der als Trainer und Spieler ohne Behinderung beim RSKV Tübingen aktiv ist. „Wir sind wie ihr, nur in manchen Bereichen etwas eingeschränkt“, betont der Sehbehinderte Ewald Löw aus Brucken, der gerne Tandem fährt. „Sport macht Spaß und gibt mir ein gutes Gefühl. Ohne wäre es langweilig“, meint die achtjährige Linn Kazmaier aus Lenningen, die stark sehbehindert ist, sich davon aber nicht unterkriegen lässt und unter anderem Leichtathletik beim TSV Oberlenningen betreibt.

Am Samstag bestand auch in Kirchheim die Gelegenheit, sich auf den Spuren der Inklusion zu bewegen. Interessierte konnten sich in der Fußgängerzone etwa am Mosaik des Kirchheimer Kunstvereins beteiligen. „Genau wie wir Menschen ist jeder Stein unterschiedlich und besonders“, erläutert Gabi Finkbeiner. Außerdem konnten Läden und Restaurants auf Barrierefreiheit getestet und per Handy-App auf www.wheelmap.org nach dem Ampelprinzip bewertet werden – Ergebnisse, die auch Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen zugute kommen. „Inklusion geht alle etwas an“, betont Daniela Egner vom Mehrgenerationenhaus Linde.