Lenninger Tal

„Jetzt füllen wir das Bewegungszentrum mit Leben“

Pfulb Gabi Kazmaier strotzt vor Tatkraft und ermöglicht behinderten Menschen sportliche Aktivitäten.

Skikurse und Skirennen gehörten im Winter zum gewohnten Bild an der Pfulb in Schopfloch. Wie es aussieht, dreht sich allerdings
Im kommenden Winter laufen wieder die Lifte an der Pfulb. Archiv-Foto: Christian Schlienz

Lenningen. „Ja, ich kann Menschen begeistern, und das am ehesten mit Bewegungsangeboten“, sagt Gabi Kazmaier selbstbewusst. Auch wenn die grünen Hänge und die Pfulbhütte derzeit das im Sommer gewohnt verwaiste Bild abgeben, - unter dem Dach des Bewegungszentrums Pfulb tut sich eine ganze Menge. An Pfingsten organisierte die Diplom-Sonderpädagogin und Sonderschullehrerin aus Oberlenningen eine Wander-Pilger-Tour. Mit Blinden, Sehbehinderten und Nichtbehinderten war sie fünf Tage lang auf dem Jakobsweg von Konstanz nach Einsiedeln unterwegs. „Wir hatten so viel Spaß miteinander, haben uns unterhalten, geschwiegen und zusammen geschwitzt“, erzählt die 44-Jährige enthusiastisch. „Alle waren bereit, anderen Hilfe zu geben.“ Das und der Euphorie versprühende Blog einer sehbehinderten Teilnehmerin sind für Gabi Kazmaier Triebfedern, Menschen sportliche Aktivitäten zu ermöglichen, die dazu sonst keinen Zugang hätten.

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Lange sah es so aus, als ob die zähen Verhandlungen um den Skilift bei Schopfloch nicht von Erfolg gekrönt sein würden. Doch noch bevor sie im März den Kaufvertrag unterzeichnen konnte, schlug Gabi Kazmaier Pflöcke ein und gründete Anfang des Jahres das Bewegungszentrum Pfulb als gemeinnützige GmbH. Mit im Boot sind die Mitbegründer und Gesellschafter Jürgen Hahn, Geschäftsführer von Reinert Kunststofftechnik in Bissingen, und Waltraud Lenhart, Geschäftsführerin des Kirchheimer Sportausrüsters Leki.

„Jetzt füllen wir das Zentrum mit Leben“, kündigt Gabi Kazmaier an und strotzt nur so vor Tatkraft. Immer wieder soll es mehrtägige Highlights wie eine Wanderung auf dem Albtraufgängerweg oder ein Tandemlager für Jugendliche geben. Wanderungen, Nordic-Walking- und Tandem-Touren werden regelmäßig stattfinden. Letztere sind künftig in größerem Stil möglich: „Wir bekommen von der Katarina-Witt-Stiftung zehn Tandems mit unterschiedlichen Rahmengrößen, noch dazu in unserem Grün“, erzählt die 44-jährige Macherin aufgekratzt und ist optimistisch, dass die Räder pünktlich zum Talenttag vor der Tür stehen. Um für Rollstuhlfahrer Handbike-Touren anbieten zu können, ist sie derzeit auf der Suche nach weiteren Förderern oder Sponsoren, für Rollski läuft bereits ein Antrag.

Seit 20 Jahren verfolgt Gabi Kazmaier das Ziel, ein Zentrum für Menschen mit und ohne Behinderung aufzubauen - zwei Jahrzehnte, in denen sie an vielen Puzzleteilen gearbeitet hat. „Jetzt fügt sich alles zu einem Bild zusammen. Das ist genial!“ Die Leichtathletin, die von 2000 bis 2001 den Kreisrekord über 800 Meter hielt, hat viele Kontakte zu Trainern, Funktionären und Schulen.

Der Skilift läuft

Sie leitete Tandemfreizeiten für Blinde und Sehbehinderte, war Betreuerin im Paralympischen Jugendlager der Deutschen Behindertensportjugend in Rio, ist Übungsleiterin einer inklusiven Leichtathletikgruppe, sie unterstützt ihre sehbehinderte Tochter Linn, die einmal bei Paralympics antreten möchte, und gibt Skikurse für Menschen mit Behinderung. Das ist nach der Hängepartie im vergangenen Jahr künftig auch wieder an der Pfulb möglich. „Der Lift läuft im nächsten Winter“, kündigt Gabi Kazmaier an. Ich freue mich über jeden, der zum Skifahren kommt.“ Wenn alles gut geht, möchte sie spätestens Anfang November vor allem an den Wochenenden - selbst wenn kein Schnee liegt - die Hütte öffnen. Das Landratsamt hat für den ganzjährigen Betrieb bereits positive Signale gesendet. „Leider ist die Hütte noch nicht barrierefrei“, sagt Gabi Kazmaier fast entschuldigend. Doch sie wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht auch da eine Lösung hätte: Geplant ist, den Umbau im Herbst 2019 anzugehen.

Schon jetzt erntet die Netzwerkerin große Resonanz auf ihr Vorhaben. „Weil sich viel bewegt, brauche ich noch mehr Leute, die sich als Begleitläufer oder Tandempiloten einbringen.“ Wer daran interessiert ist, kann sich unter bewegungszentrumpfulb@web.de melden. Anke Kirsammer