Lenninger Tal

Jüdische Laubhütte in Beuren

Kultur Im Rahmen einer Sonderausstellung ist im Freilichtmuseum Beuren eine Rarität zu sehen, eine sogenannte Laubhütte.

Die Besonderheit einer Laubhütte: Das Dach lässt sich öffnen.
Die Besonderheit einer Laubhütte: Das Dach lässt sich öffnen.

Beuren. Auf den ersten Blick ist es eine unscheinbar wirkende Holzhütte, die derzeit im Freilichtmuseum Beuren in der Sonderausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Württemberg“ besichtigt werden kann. Was so unauffällig daherkommt, ist ein ganz besonderes Gebäude, das es so nur noch wenige Male in Deutschland gibt: Eine Laubhütte aus Rottenburg-Baisingen aus den 1920er-Jahren, die beim jüdischen Laubhüttenfest zum Einsatz kommt. In der sogenannten Sukka feierten Jüdinnen und Juden ein fröhliches Erntedankfest. Da in ganz Deutschland nur wenige Laubhütten aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus erhalten sind, ist sie als bewegliches Kulturgut denkmalgeschützt und wurde bereits in die Jüdischen Museen Berlin und München ausgeliehen.

Eine Laubhütte ist ein Ort zur Feier des jüdischen häuslichen Festtages „Sukkot“, des sogenannten Laubhüttenfestes. Es ist ein fröhliches Erntedankfest, das an den Auszug aus Ägypten erinnern soll. Verziert ist die Sukka deshalb mit Erntedank-Motiven wie Früchten und Getreide; geschmückt wird sie mit Laub. In ihr feiern Familien sieben Tage lang: Sie essen und trinken gemeinsam und schlafen - wenn das Wetter es zulässt - in der Laubhütte. Das Besondere ist, dass die Hütte unter freiem Himmel aufgebaut wird und das Dach geöffnet werden kann. Die Laubhütte aus Baisingen gehörte vermutlich der jüdischen Familie Gideon, die sie in den 1920er-Jahren baute.

Nach der Deportation der letzten Baisinger Juden wurde die Hütte zu anderen Zwecken genutzt, beispielsweise als Hühnerstall. Nur durch diese Nutzung als Hühnerstall blieb die Laubhütte überhaupt erhalten. Die Stadt Rottenburg am Neckar konnte schließlich die Originalhütte erwerben und sie dem Förderverein Synagoge Baisingen übergeben.

Noch bis zum Ende des Laubhüttenfestes ist sie als Leihgabe im Freilichtmuseum Beuren in der Ausstellungsscheune zu sehen. Das Fest beginnt dieses Jahr am Abend des 23. Septembers und dauert bis 30. September. Danach wird sie wieder in der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge Baisingen ausgestellt. pm

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