Lenninger Tal

Jugendliche löchern Gemeinderäte

Kommunalwahl Kandidaten für den Lenninger Gemeinderat stellen sich beim Speed-Dating im Café Olé den Fragen von Jungwählern. Die jungen Erwachsenen vermissen eigene Räume. Von Anke Kirsammer

Politisieren in lockerer Runde: in Kleingruppen informieren sich Jugendliche im Café Olé über die Arbeit von Gemeinderäten und i
Politisieren in lockerer Runde: in Kleingruppen informieren sich Jugendliche im Café Olé über die Arbeit von Gemeinderäten und ihre eigenen Einflussmöglichkeiten. Foto: Jean-Luc Jacques

Was ist eigentlich die Aufgabe eines Gemeinderats? Diese Frage stellen sich manche, die am 26. Mai erstmals dazu aufgerufen sind, ein neues Ratsgremium zu wählen. In Lenningen bot der Kreisjugendring im Rahmen des Projekts „Mach dich - beweg, was dich betrifft!“, die Chance, Kandidaten und bisherigen Ratsmitgliedern bei Pizza, Chips, und Gummibärchen auf den Zahn zu fühlen. Im Rahmen eines Speed-Dating im Café Olé nutzten rund 15 Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit, die Ratsvertreter ausgiebig zu löchern.

Bevor es in Kleingruppen an den Candy-, den Romantik- und den Spieletisch ging, erfuhren die Besucher des Jugendhauses beispielsweise, dass sie bei den Kommunal- und Regionalwahlen bereits mit 16 an die Wahlurnen gehen und in Lenningen maximal 18 Stimmen abgeben dürfen.

Ob er Mitglied in einer Partei ist, möchte der 26-jährige Tobias Geisinger von Kurt Hiller wissen. Er habe zwar ein Parteibuch, erklärt der Hochwanger, der dem Gemeinderat bereits seit 25 Jahren angehört, das spiele bei der Wahl aber keine Rolle, genauso wenig wie die Liste, auf der der Name steht. „Es ist eher so: Ein Hochwanger wählt einen Hochwanger und ein Schopflocher einen Schopflocher“, erklärt Kurt Hiller. Entscheidend sei die Listenzugehörigkeit jedoch bei der Besetzung der Ausschüsse. Die wiederum könnten jedoch nur Empfehlungen aussprechen. „Die Beschlüsse fasst immer der Gemeinderat“, verdeutlicht Ratsmitglied Volker Hofmann.

Erwartungsgemäß brennt den Besuchern das Thema „Jugend“ am meisten auf den Nägeln. Dass Ausgaben für Kindergärten, Schulen, einschließlich der dortigen Jugendarbeit, und die Ausstattung von Spielplätzen ebenfalls aus diesem Topf kommen, war bisher nicht allen klar. Neu ist vielen auch, dass Eigeninitiative gefragt ist und sie sich mit Vorschlägen an die Leiterin des Café Olé, Lisa Mezger, an den Bürgermeister oder an die Ratsvertreter wenden können. Falk Kazmaier, Gemeinderat aus Oberlenningen, betont aber, dass es mitunter einen langen Atem braucht: „Bis man manche Sachen ins Laufen bringt, kann das Monate oder Jahre gehen.“ Wieder ertönt die Klingel. Der pädagogische Mitarbeiter Felix Schlienz mahnt, zum Ende zu kommen. Weiter geht es an den nächsten Tisch, an dem schon andere Räte auf ihre Gegenüber warten.

Die 18-jährige Katrin vermisst einen Probenraum für Jam-Sessions, in dem es auch einmal etwas lauter zugehen darf. Bislang treffen sich die jungen Erwachsenen im Café Olé, müssen aber um 22 Uhr draußen sein. Wenn man keinem Verein angehört, nicht Fußball oder Handball spielt, hat man es als Jugendlicher in Lenningen schwer, sich zu integrieren, so lautet ein Statement, das in den Gesprächsrunden immer wieder geäußert wird. Ein Pizzaofen, eine Werkstatt, in der man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann, sind weitere Wünsche, die die jungen Erwachsenen nennen. Georg Zwingmann, der sich nach 20 Jahren Gemeinderatszugehörigkeit nicht mehr aufstellen lässt, erinnert an Jugendforen, in denen Jugendliche sich beteiligen konnten. „Wenn gute Ideen kommen, unterstützen wir sie“, sagt er. Wie seine Ratskollegin Christine Sayler-Keim erwartet er aber, dass die Jugendlichen bereits ein Konzept mitbringen.

Ricky Renz und Matthias Blocher, zwei junge Männer, die künftig selbst mitbestimmen wollen, was in Lenningen läuft, stellten sich ebenfalls den Fragen ihrer Altersgenossen. „Ich finde es gut, dass sie kandidieren“, sagt Georg Zwingmann. „Hoffentlich wählen junge Leute junge Leute.“

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