Lenninger Tal

Jungunternehmer stehen vor großen Herausforderungen

Austausch Im Rahmen der Dialogtour zeigten CDU-Politiker in Unterlenningen ein offenes Ohr.

Wo drückt der Schuh? Politik und Unternehmen im Gespräch.
Wo drückt der Schuh? Politik und Unternehmen im Gespräch. Foto: Helga Single

Lenningen. „Kleine Betriebe stehen vor großen Herausforderungen. Sie sind Teil eines großen Systems, in dem ein Rad ins nächs­te greift“, findet Arnim Kächele, Landwirt aus Unterlenningen. Seine artgerechte Haltung von 50 freilaufenden Rindern konkurriert nicht mit Großbetrieben. Er ist der klassische Landwirt, der auf Regionalität und Nachhaltigkeit setzt. Er betreibt Landschaftspflege an der Sulzburg, am Sattelbogen und am Alten Bühl - ein wertvoller Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt. Er wünscht sich, dass die Politik gute Rahmenbedingungen für Kleinbetriebe bietet. Viele Vorgaben machten ihnen zu schaffen.

Landwirt Arnim Kächele vom Wiesenhof, Hannes Bosch von der Brennerei Bosch, Gero Konrad, Metzgermeister aus Gutenberg, und Forstwirt Jörg Reichle sprachen über all dies mit Vertretern der CDU, dem Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich und der Landtagskandidatin Dr. Natalie Pfau-Weller. Im Forstbetrieb von Jörg Reichle setzte sich die Gesprächsreihe „Dialogtour“ fort. Die CDU will die Stimmung bei Handwerk und familiengeführten Betrieben unter die Lupe nehmen.

Der Meinung von Landwirt Kächele schließen sich die Jungunternehmer an und berichten von teuren Auflagen und Mangel an Fachpersonal. Metzgermeister Gero Konrad erweiterte die Metzgerei des Vaters in Gutenberg um einen Partyservice, einen Regiomat und einen mobilen Wagen. Sein neuer Schlachtbetrieb in den Gänsäckern spezialisiere sich auf das „Gesamtpaket“ von der Zerlegung bis zur Selbstvermarktung. Die Tiere sucht er selbst aus.

Jörg Reichle vom Forstbetrieb Reichle hat seit 2011 Investitionen von 1,8 Millionen getätigt. Seit 1981 gibt es seinen Betrieb rund um Dienstleistungen für Waldbesitz. Er hat sich mit Spezialmaschinen auf Steilhänge spezialisiert. „Wald ist auch ein Geschäft, ein Wirtschaftsgut, wobei im Zusammenhang mit Holz die Möbelindustrie und der Holzbau im Vordergrund stehen“, findet der Forstwirt. „Wir fällen die Bäume und geben acht auf die Natur. Unser Holz ist danach Werkstoff, der bereits CO² gebunden hat. Das Schnittgut wird zu erneuerbarem Brennstoff, den Hackschnitzeln“, sagt er. Somit sei Holz langfristig geeignet als Ersatz von fossilen Brennstoffen.

„Wie geht es dem Wald insgesamt?“, fragte Michael Hennrich nach. Der Klimawandel sei auch im Lenninger Tal spürbar, jedoch längst nicht so ausgeprägt wie im Harz. Geradezu kontraproduktiv sei die Abholzung von 100 Hektar Wald für den neuen Standort von Tesla, finden die Diskutierenden. „Die Elektromobilität hilft da auch nicht weiter.“ Natalie Pfau-Weller will in diesem Zusammenhang nicht alles auf ein „Pferd“, die Elektromobilität, setzen und sieht Potenzial im Wasserstoff und der Brennstoffzelle. Die Frage lautet: Was passiert später mit den Batterien?

Der jüngste Unternehmer in der Runde ist Hannes Bosch mit 23 Jahren. Auch in seinen Betrieb wurde viel investiert. So verarbeitet die neue Bandpresse zehn Tonnen Äpfel pro Stunde. Es gibt Tanks, die 320 Tausend Liter fassen. 2018 erzeugte man eine Million Liter Saft. Die Äpfel stammen von Streuobstwiesen rundum und werden an vier Annahmestellen, in Hepsisau, Neidlingen, Nabern und Unterlenningen, angekauft. Aus Kirschen, Pflaumen, Mirabellen brennt der Betrieb Schnaps. „Viele Bäume sind wichtig und verringern den CO²-Ausstoß, sie bringen gute Ernte und für mich ein gutes Geschäft“, sagt er, deshalb sollte das Kulturgut der Streuobstwiese hochgehalten werden.

Die Veranstaltung moderierte Gisela Schmidt vom CDU-Gemeindeverband Lenninger Tal, weitere Gäste waren Wirtschaftsförderin Eileen Gerstner und Holger Justus, von der Firma Tangent- Modellbautechnik.Helga Single

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