Lenninger Tal

Karin Bazle sagt Ja zum Ruhestand

Abschied Über vier Jahrzehnte war das Sekretariat des Bürgermeisters im Owener Rathaus der Arbeitsplatz von Karin Bazle. Jetzt geht sie in Altersteilzeit und freut sich auf ihren Garten und die Jagd. Von Iris Häfner

In der Bernhardskapelle in Owen hat Karin Bazle viele Paare als Standesbeamtin getraut. Foto: Jean-Luc Jacques
In der Bernhardskapelle in Owen hat Karin Bazle viele Paare als Standesbeamtin getraut. Foto: Jean-Luc Jacques

Nach 43 Jahren ist Schluss. Karin Bazle kehrt dem Owener Rathaus den Rücken und verabschiedet sich in Altersteilzeit. In zwei Jahren kann sie dann endgültig ihre wohlverdiente Rente in ihrem Heimatort Ochsenwang genießen. Ohne Wehmut blickt sie auf ihre lange Arbeitszeit zurück. „Weshalb soll ich mit einem weinenden Auge zurückblicken? Ich freue mich auf die Zeit, die kommt“, sagt sie in ihrer ruhigen Art.

Das Besondere sind nicht nur die 43 Berufsjahre, sondern auch die Tatsache, dass sie im Owener Rathaus ihre Ausbildung zur Verwaltungsangestellten begonnen und dort ihr ganzes Berufsleben verbracht hat. „Ich habe immer hundert Prozent gearbeitet, nie Teilzeit“, erzählt sie.

Nach der Lehrzeitverkürzung wurde sie ins kalte Wasser geworfen, denn ihre Vorgängerin war völlig überraschend gestorben. „Somit hatte ich keine Einarbeitungszeit, da ich während der kurzen Lehrzeit überwiegend Kassengeschäfte erledigt beziehungsweise bereits selbstständig Rentenangelegenheiten bearbeitet habe“, erinnert sie sich an ihre Zeit in Zimmer fünf. Somit hieß ihre erste Aufgabe: Aktenberge durchkämpfen mit ihrem damaligen Chef Siegfried Roser, mit dem sie 32 Jahre lang in einem guten Verhältnis zusammengearbeitet hat. „In dieser ersten Zeit habe ich viel gelernt“, erzählt Karin Bazle.

Vieles hat sich seitdem verändert. Es gab viel Schriftverkehr, der mit einer mechanischen Schreibmaschine bewältigt werden musste, von den Durchschlägen ganz zu schweigen. „Es folgte eine elektrische Schreibmaschine - und dann ein Superteil, die rote IBM-Kugelkopfschreibmaschine mit Löschtaste“, erinnert sie sich mit leuchteten Augen. Nächs­te technische Neuerung war die Speicherschreibmaschine, ehe der PC Einzug ins Rathaus hielt. „Heute arbeite ich mit elf Hauptprogrammen und noch verschiedenen kleineren wie Bildbearbeitung“, sagt Karin Bazle. Die Arbeit am Computer macht ihr riesigen Spaß. Privat hat sie viele EDV-Kurse besucht.

Von 1979 bis zum letzten Arbeitstag war ihr Reich das Vorzimmer und Sekretariat des Bürgermeisters. Die Aufgaben waren vielfältig: Standesamt, Mitteilungsblatt, Bausachen, Gemeinderat, Wahlen, Organisation Maientag, Besuche bei Jubilaren, Kinderferienprogramm, Ortsbehörde, Arbeiter- und Angestelltenversicherung, Internetauftritt, Grundbucheinsichtstelle. „Die Zeiten waren früher ruhiger, einmal am Tag kam die Post. Heute ist alles schnelllebiger, nach einer halben Stunde heißt es: Haben sie meine E-Mail nicht bekommen?“, erzählt sie.

Nur einmal in all den Jahren hat sie eine Zeit lang geliebäugelt, ihre Arbeit im Rathaus aufzugeben. Eine Freundin hatte einen gut bezahlten Sekretärinnenjob in der freien Wirtschaft. Ihr eigener Herr mit eigenem Zimmer zu sein, wog dann doch mehr. „Und mir hat meine Arbeit gefallen, sonst wäre ich schließlich nicht so lange geblieben“, sagt Karin Bazle, deren zweite Chefin seit rund zwölf Jahren Verena Grötzinger heißt.

Jetzt freut sich Karin Bazle auf ihre neu gewonnene freie Zeit. Dazu zählen nicht zuletzt lange Nächte - auf dem Hochsitz. „Bis morgens vier Uhr eine Nacht durchzumachen, das ging bislang nicht. Ich brauchte schließlich einen klaren Kopf beim Arbeiten. Jetzt kann ich nach dem Ansitz gemütlich ins Bett gehen“, erzählt sie. Immer mit dabei ist Hündin Ayla, ein Parson Russell Terrier. Die hat sogar nach 30 Arbeitsjahren eine weitreichende Veränderung ausgelöst: Um mit dem Hund Gassi gehen zu können, trat Karin Bazle ihren Dienst erst um 7.30 statt um 7 Uhr an. Nur einmal ist sie in all den Jahren zu spät zur Arbeit gekommen, und das gleich zwei Stunden: wegen Schnee auf der Ochsenwanger Steige.

Dass der Wecker künftig nicht mehr so früh klingelt, bedeutet neue Lebensqualität. „Ich freue mich darauf, alles viel ruhiger angehen zu können, einfach mal nichts zu tun, spontan wandern gehen oder wieder mehr nähen und stricken und regelmäßig Yoga machen zu können“, verrät sie. Auch die Zeit im Garten kann sie entspannter angehen. Dort gedeihen neben Blumen auch Bohnen, Rote Rüben, Zucchini, Träuble, Rhabarber und vieles mehr, das verarbeitet und eingedünstet werden will.

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