Lenninger Tal

Kinderarzt plant Ableger

Ulrich Kuhn möchte in Oberlenningen eine Zweigpraxis betreiben

Eine Kinderarztpraxis auf dem Dorf? Der Wunsch vieler Eltern soll in Lenningen Realität werden. Der Kirchheimer Kinder- und Jugendarzt Ulrich Kuhn will in der ehemaligen Hausmeisterwohnung in der Oberlenninger Turn- und Festhalle eine Zweigpraxis eröffnen.

Der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Kuhn möchte mit seiner Zweigpraxis in Oberlenningen „dorthin gehen, wo die Leute sind“. Zum St
Der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Kuhn möchte mit seiner Zweigpraxis in Oberlenningen „dorthin gehen, wo die Leute sind“. Zum Start sollen die leer stehenden Räume der Hausmeisterwohnung in der Oberlenninger Turn- und Festhalle im 1. Stock (kleine Fenster rechts oben) ausreichen.Fotos: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Welche Eltern kennen das nicht? Ihr Kind lässt sich kaum beruhigen, weil es starke Ohrenschmerzen hat oder es fiebert so hoch, dass dem kleinen Patienten eine längere Autofahrt kaum zumutbar ist. Familien im Lenninger Tal haben bei derlei Infekten demnächst ein Rezept: Läuft alles nach Plan, bekommen sie im Herbst einen Kinderarzt vor der Haustür. Ulrich Kuhn möchte in Oberlenningen eine sogenannte Zweigpraxis aufmachen. Einziehen soll sie in die Räume der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Oberlenninger Turn- und Festhalle.

„Schon länger habe ich mit Bürgermeister Michael Schlecht überlegt, wo in Lenningen eine solche Praxis möglich wäre“, sagt der Kirchheimer Kinder- und Jugendarzt Ulrich Kuhn auf Anfrage. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihr Okay zu dem Vorhaben bereits gegeben. Wie Kuhn erklärt, ließen sich in der leer stehenden Wohnung problemlos Wartezimmer, Sprechzimmer, Labor, Toilette und ein kleiner

Bürgermeister: Ein Riesenmehrwert für die Bürger

Empfang samt Ablage einrichten. Behandelt werden könnten beispielsweise akute Infekte. Vom Kauf großer technischer Geräte würde der Mediziner erst einmal absehen. „Wir wollten uns anfangs nicht in große Investitionen stürzen“, so der Arzt, der in Unterlenningen wohnt und Vater von vier Kindern ist. Nach einem halben oder dreiviertel Jahr soll Bilanz gezogen werden. Je nachdem wie sie ausfällt, ist laut Kuhn denkbar, in andere Räume in Lenningen umzuziehen.

„Viele Familien ziehen ins Umland von Kirchheim, weil da die Mieten niedriger sind“, sagt Ulrich Kuhn. „Wir wollen dorthin gehen, wo die Leute sind“, so beschreibt der Arzt seine Motivation, in Lenningen seine Fühler auszustrecken. Entgegenkommen möchte er mit dem Schritt den kleinen Patienten aus dem Lenninger Tal, genauso aber Leuten, die auf der Alb wohnen. „Richtung Münsingen beispielsweise gibt es kaum Kinder- und Jugendärzte“, sagt Kuhn. Zunächst hatte er geplant, die Räume zum neuen Schuljahr zu eröffnen. „Das wird aber nicht ganz reichen.“ Was fehlt, ist das grüne Licht des Landratsamtes, das der Nutzungsänderung von der Wohnung hin zu Praxisräumen noch zustimmen muss. Bevor die Hauptinfektionszeit im Oktober/November beginnt, soll das Projekt jedoch starten.

Das Prinzip der Zweigpraxis funktioniert ähnlich wie Ableger von Hausarztpraxen, wie sie beispielsweise der frühere Oberlenninger Allgemeinarzt Dr. Falk Henkel in Gutenberg betrieben hatte. Für den Anfang könnte sich Ulrich Kuhn vorstellen, täglich zwei Stunden in der Oberlenninger Zweigpraxis Kinder zu behandeln. Dabei schweben ihm ein Vormittag und drei bis vier Nachmittage vor. Wie genau das Vorhaben längerfristig ausgestaltet wird, hängt aber auch von Kuhns beruflicher Zukunft ab. Der Facharzt ist FDP-Kandidat für die Landtagswahl 2016 im Wahlkreis Kirchheim.

2001 hatte sich der Unterlenninger Kinder- und Jugendarzt zusammen mit seinem Kollegen Stefan Gaißer in Kirchheim niedergelassen. Verstärkt wird das Tandem seit geraumer Zeit durch eine Weiterbildungsassistentin. Die Praxis, die im Alten Haus in Kirchheim unverändert weiter betrieben wird, verfügt über zwei Kassensitze. Eines weiteren Sitzes bedarf es für die Zweigpraxis in Oberlenningen nicht.

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht verspricht sich durch die Ankündigung Kuhns indes einen „Riesenmehrwert für die Bürger“. Zwar sei die Hausmeisterwohnung „nicht ganz so super“, unter anderem weil Treppen überwunden werden müssen, aber im Erdgeschoss gebe es genügend Platz, um Kinderwagen abzustellen. „Für den Start ist die Wohnung völlig in Ordnung“, so lautet Michael Schlechts Einschätzung.

Turn und Festhalle Oberlenningen
Turn und Festhalle Oberlenningen
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