Lenninger Tal

Kirchensanierung entpuppt sich als Albtraum

Die Kosten für die Renovierung der Schopflocher Johanneskirche schnellen in die Höhe

Rund 100 000 Euro sollte die Instandsetzung der Schopflocher Johanneskirche kosten. Doch so rasant, wie sich die Schäden an dem Bauwerk ausweiteten, so schnell schossen binnen weniger Wochen auch die Baukosten in die Höhe. Etwa 243 000 Euro sind notwendig, um dem Gotteshaus zu neuem Glanz zu verhelfen.

Kirchensanierung entpuppt sich als Albtraum
Kirchensanierung entpuppt sich als Albtraum

Lenningen. Es ist ein Supergau, den der Schopflocher Kirchengemeinderat bei seinem Sanierungsprojekt erlebt. Zuerst besichtigten im Mai 2014 Vertreter des Oberkirchenrats die Johanneskirche. Sie schätzten die Baukosten auf rund 100 000 Euro, während das Kirchheimer Architekturbüro Bankwitz etwa 155 000 Euro für die Renovierung veranschlagte. Bis zu diesem Zeitpunkt war für den Kirchengemeinderat die Welt noch in Ordnung. „Die letzte Kirchensanierung fand 1995/96 statt“, berichtet Martin Wünsche. Um die Außenmauern, die schon damals Setzungsrisse aufwiesen, zu stabilisieren, wurde die gesamte Kirche mit einem L-förmigen Betonfundament versehen. „Das hat sich bewährt“, wie der Kirchengemeinderat betont. Anders sieht es bei der Dränage aus. Auf dem Bauplan führt sie geschlossen um das Gebäude. In Wirklichkeit, das zeigte eine Kamerabefahrung, besteht sie aus drei Teilen, von denen laut Wünsche nur einer an die Kanalisation angeschlossen ist, während die anderen mit einem Putzlappen verstopft wurden. Eine Horizontalsperre zwischen Fundament und Mauerwerk ließ sich nicht einbauen. Feuchtigkeit hätten dem Putz zugesetzt, der 1995/96 rings um das Bauwerk bis in Höhe der Fensterbrüstungen aufgetragen wurde. Allerdings hätten die jüngsten Untersuchungen Zweifel daran aufkommen lassen, dass damals tatsächlich ein Sanierputz zum Einsatz gekommen sei.

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Fakt ist, dass ein neuer Putz her muss. „Der soll im Verlauf eines halben Jahres im Abstand von sechs Wochen in mehreren Schichten aufgetragen werden“, berichtet Wünsche. Die gesamte Fassade wird laut Angela Spoljar mit einem atmungsaktiven, oberflächenelastischen Putz und Farbanstrich versehen. Beides soll die Außenwände vor Feuchtigkeit und Salzen schützen, erklärt die Architektin und betont, dass Oberflächenelastizität des Materials Spannungen in der Bausubstanz ausgleicht, um Rissen entgegenzuwirken. Eine Horizontalsperre lasse sich wegen des angrenzenden Gräberfeldes auch heute nicht einbauen. „Es gibt keine Garantie, dass derselbe Schaden nach der Sanierung nicht wieder auftritt“, sagt Spoljar. Bei der Renovierung soll darüber hinaus der First ausgebessert, defekte Dachplatten ersetzt und die Aufschieblinge im Gebälk ertüchtigt werden. Der Kirchturm erhält einen diffusionsoffenen Neuanstrich, und kaputte Dachplatten werden getauscht.

Die Renovierungsmaßnahmen waren klar umrissen und auf 155 000 Euro beziffert worden. Doch im September 2015 begann ein Albtraum. In nur vier Wochen bildeten sich in der Nord-Ost-Ecke der Kirche immer mehr Risse. „Jeden dritten Tag konnten wir uns mit dem Meterstab davon überzeugen, wie einer von ihnen immer größer wurde. Wir hatten Sorge, dass die Fenster zusammengedrückt werden“, sagt Gundula Winkle. Sofort stellte ein Statiker bei längerem Glockenläuten sicher, dass keine Schwingungsübertragungen stattfinden. Fenster und Orgelempore wurden abgestützt und die Orgel gesichert, damit kein Gips in die Pfeifen fällt. Es folgten aufwendige Baugrunduntersuchungen, um Erkenntnisse über dessen Aufbau und die Schadensursache zu erhalten.

Für die Risse ist ein heißer Sommer verantwortlich, der dem Untergrund aus Schluff und Ton Wasser entzog. Wesentlichen Anteil an seiner Austrocknung und Schrumpfung hatten die Bäume auf dem Grundstück. So kam es laut Angela Spoljar zu Setzungsrissen. Deshalb mussten die Bäume weichen und die Risse vor dem Wintereinbruch geschlossen werden, um Frostsprengungen zu vermeiden. Die Nord-Ost-Ecke soll nun Kunstharz stabilisieren, das in und außerhalb der Kirche in Bohrlöcher injiziert wird, die bis zur Weißjuraschicht hinunterreichen.

Die Renovierungskosten belaufen sich damit auf rund 243 000 Euro. 51 Prozent der Kosten trägt die Kirchengemeinde, die diese aus Rücklagen und Spenden bestreitet. „Zur Finanzierung fehlen uns noch 26 531,70 Euro“, sagt Gundula Winkle. Wer zum Erhalt der Johanneskirche beitragen will, findet unter www.johannes-braucht-uns.de die Nummer des Spendenkontos.

Im Rahmen einer Notmaßnahme musste die Orgelempore abgestützt werden. Die Schopflocher Kirchengemeinderäte Gundula Winkle und Ma
Im Rahmen einer Notmaßnahme musste die Orgelempore abgestützt werden. Die Schopflocher Kirchengemeinderäte Gundula Winkle und Martin Wünsche sind zuversichtlich, dass die Sanierung eine langfristige Lösung für die Johanneskirche darstellt.Fotos: Daniela Haußmann