Lenninger Tal

„Klappern“ ist nicht ihr Ding

Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger tritt ohne Gegenkandidaten wieder an

Verena Grötzinger ist die einzige Kandidatin für den Posten des Rathauschefs und seit acht Jahren Stadtoberhaupt. – Eine entspannte Situation.

Entspannte Stimmung herrscht bei Verena Grötzingers Bewerbervorstellung in der Owener Teckhalle.Fotos: Günter Kahlert
Entspannte Stimmung herrscht bei Verena Grötzingers Bewerbervorstellung in der Owener Teckhalle.Fotos: Günter Kahlert

Owen. Als „Zeremonienmeister“ Christian Ensinger, Vorsitzender des Wahlausschusses, Stadtrat und Stellvertreter der Bürgermeisterin, das Wort an „Bewerberin Nummer 1 von 1“ übergibt, geht trotz des formalen Starts ein Schmunzeln durch die Reihen im Herzog-Konrad-Saal der Owener Teckhalle. Eine heiter-sachliche Atmosphäre, die den Verlauf der gesamten 30-minütigen Vorstellung plus nachfolgender Fragerunde am Freitagabend prägte.

Zuvor hatte die 38-Jährige am Eingang alle Besucher per Handschlag begrüßt und mit jedem ein paar freundliche Worte gewechselt – man kennt sich eben in Owen. Mit dabei auch ihr Mann Johannes, für den es „keine Frage war“, dass er seine Frau begleitet. „Ich habe natürlich mit meinem Mann besprochen, ob ich mich erneut bewerbe“, erzählt Verena Grötzinger im Gespräch. Er habe ihr signalisiert, dass er voll hinter ihr stehe „und das tut schon richtig gut“, meint die noch amtierende und – ziemlich sicher – künftige Bürgermeisterin.

In ihrer Vorstellung lässt Verena Grötzinger die Entwicklung der vergangenen acht Jahre noch mal Revue passieren. Ob das die bereits frühzeitig 2010 eingeführte Kleinkinderbetreuung ist, der Neubau des Kindergartens, Förderung der Streuobstwiesen, die erfolgreiche hausärztliche Versorgung oder zahlreiche andere größere und kleinere Projekte. Die Auflistung „Meilensteine“ 2008 bis 2016, die sie auf ihrer persönlichen Webseite zusammengetragen hat, umfasst jedenfalls 170(!) Positionen. Dass man trotz der zahlreichen Projekte und Aktivitäten nicht ständig in den Medien auftaucht, erklärt sie ganz einfach: „Klappern gehört nicht zu unserem Geschäft.“ In Owen rede man nicht viel, sondern man macht, zitiert sie ihren Vorgänger Siegfried Roser, der 36 Jahre an der Spitze der Stadtverwaltung stand.

Direkt darauf angesprochen, ob sie auf einzelne Projekte besonders stolz sei, zögert sie kurz und meint dann: „Nein, wir haben so viele Projekte gemacht und waren immer vorn, auch im Vergleich zu anderen Kommunen.“ An viele Dinge erinnere sie sich spontan gar nicht, weil es selbstverständlich war. „Projekt abgeschlossen, Häkchen dran und schon ‚lauert‘ das nächste.“ Und dann ist sie doch auf etwas stolz: „Wir haben es hier in Owen hinbekommen, durch viele Gespräche, Engagement und persönliche Kontakte ein gutes Miteinander zu schaffen.“ Die funktionierende Ortsgemeinschaft gehört zu ihren zentralen Anliegen. Das biete die Grundlage, auch mit schwierigen Themen klar zu kommen wie zum Beispiel den Bürgerkriegsflüchtlingen. Verena Grötzinger sieht für die Zukunft die Aufgaben einer Bürgermeisterin noch viel stärker in der Funktion des „Kümmerers“ und des Vermittlers, als nur der „reine Macher“ zu sein.

Und – unausweichlich – kommt im persönlichen Gespräch das Thema „Mann-Frau“ noch zur Sprache. Sie lacht, darauf habe sie schon gewartet. Aber trotzdem, da ist was dran. 2008 habe sie viel mehr als ihr männlicher Mitbewerber darum kämpfen müssen, dass man ihr zutraue, als Frau dieses Amt auszuüben. Inzwischen stelle sich diese Frage nicht mehr. Mittlerweile sei die Frage umgekehrt, ob ein Teil des Erfolges der letzten acht Jahre vielleicht darin begründet ist, dass sie eine Frau sei. Natürlich würden Frauen viele Themen anders kommunizieren und angehen, aber darauf will es die 38-Jährige nicht reduzieren. „Es gibt sowohl Männer als auch Frauen, die emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz besitzen und mit Menschen anders umgehen.“ Das werde in Zukunft immer wichtiger für ein solches Amt.

Eines jedenfalls ist ihr in diesem „unaufgeregten“ Wahlkampf nicht passiert. 2008 bei der ersten Bewerbung sprach sie ein Owener an: „Sie sind ja eigentlich ganz in Ordnung, Aber Sie haben zwei Nachteile: Sie sind eine Frau und Sie kommen aus Dettingen.“ Eine der beiden Feststellungen hat sich inzwischen erledigt – sie wohnt seit acht Jahren in Owen. Und die andere spielt im Amt längst keine Rolle mehr.

VerenaGrötzinger
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