Lenninger Tal

Kreuz und quer durchs grüne Dickicht

Ausflugstipp Das Maislabyrinth am Unterlenninger Sulzburghof ist ein Spaß für die ganze Familie. Selbst die Vogelperspektive bringt keinen Durchblick. Von Anke Kirsammer

Hier lang oder dort? Sich im Maislabyrinth zu orientieren, ist eine Herausforderung.Foto: Anke Kirsammer
Hier lang oder dort? Sich im Maislabyrinth zu orientieren, ist eine Herausforderung.Foto: Anke Kirsammer

Wieder sind die Kinder um eine Ecke verschwunden. „Wo seid ihr?“, rufe ich in das Dickicht aus grünen Stängeln hinein, die links und rechts am Weg emporwuchern. „Hier unten!“, antwortet mein Sohn von irgendwoher. Keine wirklich präzise Angabe in einem Labyrinth aus drei Meter hohen Maispflanzen. Doch zu weit haben sich die beiden Kinder nicht entfernt. An der nächsten Biegung tauchen sie wieder auf, und die gemeinsame Suche nach dem richtigen Weg geht weiter.

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Auf 80 Ar hat der Unterlenninger Sulzburghof in Halbhöhenlage das Labyrinth angelegt. 110 000 Pflanzen wachsen auf dem Feld, das Familien in den Sommerferien als Ausflugsziel dient. In den ersten zwei Wochen lief es wegen der Hitze eher schleppend. „Aber jetzt ist der Besuch richtig, richtig gut“, sagt der Landwirt Michael Kuch, der das Feld angelegt hat. Viele kommen aus der Gegend, aber unter die Einheimischen mischen sich auch Urlauber aus ganz Deutschland. Wenn die Attraktion am 9. September schließt, wird der Mais abgeerntet und an die Milchkühe des Hofs verfüttert.

War ich hier nicht gerade schon?

Beim Gang durch die schmalen Schneisen scheint man sich im Kreis zu drehen. An der Kreuzung war ich doch gerade eben garantiert schon einmal, fährt es mir durch den Kopf, also nehme ich diesmal den anderen Abzweiger. Immer wieder muss ich mich entscheiden. Mal geht es dann schnurgerade weiter, oder der Weg beschreibt eine weiträumige Kurve. Endet der Pfad in einer Sackgasse, heißt es umdrehen und weitersuchen. Ich höre meinen Sohn jubeln: „Wir haben eine Station gefunden!“ Das erste Fenster unserer Kärtchen ziert jetzt ein Hundekopf. Noch fehlen allerdings drei weitere Stempel.

Himmel, hilf!

Lohnenswert ist der Blick in den Himmel: Ich orientiere mich an den Stromleitungen, die über dem Labyrinth verlaufen. Geht es bergab, öffnet sich die Sicht in Richtung Gelber Fels. „Was sagt euer Instinkt?“, höre ich meine Tochter fragen, und ich kann mir ihr diebisches Grinsen förmlich vorstellen. Sie hat nach wenigen Irrläufen recht zielstrebig den Aussichtsturm in der Mitte des Feldes ausfindig gemacht. Ich hatte mir erhofft, aus der Vogelperspektive die Spur zu erkennen, die mich aus dem Irrgarten wieder hinausführt. Doch Pustekuchen. Beim Blick nach unten sehe ich nichts als Grün. Trotzdem lohnen sich die paar Stufen nach oben, denn ringsum präsentiert sich mir ein beeindruckendes Panorama: Tal­aufwärts ragen die Sulzburg und der Scheufelen-Kamin als markante Punkte heraus.

Schräg gegenüber breitet sich der Teckberg mit dem „Zahnbürstle“ am Hohenbol vor mir aus, und weit entfernt am Horizont sind die Windräder auf dem Schurwald schemenhaft zu erkennen. Während ich noch die Aussicht genieße, jagen meine Kinder schon wieder durch das Wirrwarr an Gängen. Sie hatten von dem Ausguck eine nahegelegene Stempelstelle erspäht. „Jawoll“, ertönt aus der gleichen Richtung gedämpft eine männliche Stimme. Auch andere Besucher sind offenbar auf der richtigen Fährte.

Wieder laufen wir mal hierhin und mal dorthin und stehen plötzlich auf dem Feldweg etwas oberhalb von der Stelle, an der wir vor gut einer Viertelstunde in das Labyrinth eingetaucht sind. „Immerhin haben wir den Ausgang gefunden“, stellt meine Tochter trocken fest. Doch es fehlt der zweite Stempel. Also geht es noch einmal hinein in das Feld, wo das Stroh unter den Schuhen jedes Geräusch verschluckt und man scheinbar von der Außenwelt abgeschnitten ist. Doch das Läuten der Kirchenglocken und das Hupen der Tälesbahn dringen unerbittlich durch den dicht an dicht stehenden Mais. Es ist 18 Uhr - Zeit, das amüsante Versteckspiel zu beenden. „Noch mal!“, ruft mein Sohn, als wir endlich alle Stationen gefunden und unsere Kärtchen in die Losbox gesteckt haben. „Aber beim nächsten Mal machen wir Wettrennerles!“