Lenninger Tal

Küchendämpfe lösen Fehlalarme aus

Höllochstraße Die Feuerwehr muss immer wieder zur Flüchtlingsunterkunft in Oberlenningen ausrücken. Bauliche Mängel wie Mauerdurchbrüche zwischen Küchen und Fluren sind ein Grund. Von Anke Kirsammer

Vor einem Monat sind Asylbewerber in das umgebaute Bürogebäude eingezogen. Seitdem ist die Feuerwehr bereits sieben Mal ausgerüc
Vor einem Monat sind Asylbewerber in das umgebaute Bürogebäude eingezogen. Seitdem ist die Feuerwehr bereits sieben Mal ausgerückt.Foto: Jean-Luc Jacques

Die Umzugskisten waren in der Oberlenninger Höllochstraße noch nicht einmal richtig ausgepackt, da gab es in der Flüchtlingsunterkunft schon den ersten Fehlalarm. Bereits sieben Mal musste die Feuerwehr im vergangenen Monat ausrücken. Nur ein einziges Mal gab es tatsächlich eine brenzlige Situation, weil Kunststoffgriffe eines Kochgeschirrs zu schmoren begonnen hatten.

„An den Feuerwehreinsätzen sind nicht die Bewohner schuld“, macht Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht deutlich. „Das Landratsamt muss dafür sorgen, dass das aufhört.“ Auch Jochen Mendl, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Lenningen, betont, dass die Flüchtlinge nicht für die Fehlalarme verantwortlich sind. Die Rauchmelder seien jeweils beim Kochen ausgelöst worden. Weil keine Dunstabzugshauben montiert sind, öffneten die Bewohner Fenster und Türen. Dadurch konnte der Dampf ins Treppenhaus ziehen. Zwei Einsätze waren laut Mendl nötig, weil der Dampf durch Maueröffnungen von der Küche in eine abgehängte Decke im Flur gelangte. Die dort angebrachten Rauchmelder schlugen an und riefen die Feuerwehr über die Leitstelle auf den Plan.

Wird in dem mehrstöckigen Gebäude, in dem derzeit rund 50 Flüchtlinge wohnen, ein Alarm ausgelöst, nimmt die Feuerwehr einen Brand der zweithöchsten Stufe an. „Wir gehen davon aus, dass vermutlich Menschen in Gefahr sind“, erklärt Mendl. Tagsüber rücken 18 bis 20 Mann mit vier Fahrzeugen aus. Auf Dauer ein Problem, weil sie alle Hals über Kopf ihre Arbeitsplätze verlassen müssen. „Es ist wichtig, dass Firmen Einsatzkräfte zur Verfügung stellen“, betont der Kommandant. Häufige Fehlalarme seien dem nicht dienlich. Hinzu kommt: Die Kosten der Feuerwehr müssen bezahlt werden. Das gilt auch für die Drehleiter aus Kirchheim. Sie ist in allen Fällen mit drei Mann ausgerückt. Die Sätze dafür belaufen sich auf 150 Euro pro Stunde.

Wie der Pressesprecher des Landratsamts, Peter Keck, sagt, wurde der Umbau am 12. Januar abgenommen. Die beanstandeten Mängel hatten nichts mit den Feueralarmen zu tun. Weil die problematischen Mauerdurchbrüche zwischen Küche und Flur in einer Zwischendecke lägen, habe das Baurechtsamt sie nicht erkennen können, erklärt Keck. Das sei erst jetzt durch die Alarmierungen offenkundig geworden. „Die Mängel muss der Eigentümer beheben“, so der Pressesprecher. Hausbesitzer ist die Basis Bau GmbH. Sie hatte das ehemalige Bürogebäude umbauen lassen und vermietet es dem Landkreis. In den Einsatzfällen, in denen die Mauerdurchbrüche Ursache für das Anschlagen der Rauchmelder waren, muss laut Keck die Basis Bau GmbH für das Ausrücken der Feuerwehr bezahlen und sich das Geld gegebenenfalls bei der ausführenden Baufirma holen.

In den Fällen, in denen offene Türen beim Kochen verantwortlich waren, springt der Landkreis finanziell in die Bresche. Dunstabzugshauben seien indes keine Vorschrift, so Keck. Vielmehr sollen nun die Türen teilweise umgerüstet und die Bewohner darüber informiert werden, wie sie sich verhalten sollen, wenn in der Küche gebrutzelt wird. Michael Schlecht hat sich bereits an das Landratsamt gewandt, um nach Lösungen zu suchen. Wie Peter Keck sagt, soll es ein Gespräch geben, an dem auch Vertreter der örtlichen Feuerwehr teilnehmen.

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