Lenninger Tal

Leben mit dem Berg

Vortrag Der Ausnahmekletterer Alexander Huber erzählt von seinen Erlebnissen in den Bergen. Im Mittelpunkt steht der geglückte Rekordversuch am El Capitan im kalifornischen Yosemite-Nationalpark. Von Iris Häfner

Alexander Huber begeistert die Zuhörer in der Owener Teckhalle. Foto: Jean-Luc Jacques
Alexander Huber begeistert die Zuhörer in der Owener Teckhalle. Foto: Jean-Luc Jacques

Man muss kein eingefleischter Alpinist sein, um die Faszination des Klettersports nachvollziehen zu können – das schafft Alexander Huber im Handumdrehen. Binnen kurzer Zeit hatte der Jüngere der beiden „Huberbuam“ aus Oberbayern die Zuhörer in der Owener Teckhalle in seinen Bann gezogen. Der Funke seiner Begeisterung für den Berg sprang schnell auf die Gäste über. Klettern ist für ihn nicht nur Sport, sondern nahezu eine Lebensphilosophie.

Den Grundstock für seine außergewöhnliche Karriere legten die Eltern, die mit ihren Kindern regelmäßig in die nahen Berge gingen, und alle regelmäßig mit schönen Erfolgserlebnissen nach Hause kamen. Talent ist immer Voraussetzung für Spitzenleistungen. Kraft im Finger und gute Klettertechnik gehören dazu, um sich gut am Fels bewegen zu können. „Wir haben das drauf“, sagt Alexander Huber über sich und seinen Bruder Thomas.

Im Laufe der Zeit wurden die Ziele der jungen Brüder ambitionierter, und Alexander wagte am Wilden Kaiser in Österreich eine Erstbegehung des elften Schwierigkeitsgrads, was weit überdurchschnittliches Können voraussetzt. Dieser Route gab der damalige Student der Ludwig-Maximilians-Universität in München den Namen Weiße Rose, in „tiefer Ehrfurcht vor der Courage dieser Menschen, die im Nazi-Widerstand aktiv waren und auch an dieser Universität studiert haben“.

Das Ende seiner Studienzeit war ein bedeutender Wendepunkt im Leben von Alexander Huber. Als er sein Diplom als Physiker in den Händen hielt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für theoretische Meteorologie war, musste er sich entscheiden: entweder als seriöser Wissenschaftler arbeiten oder Spitzensport betreiben. „Ein echtes Dilemma“, fasst er zusammen. Doch dann ist er klar in Richtung große Gebirge dieser Welt aufgebrochen. Neben englisch spricht er deshalb auch italienisch, französisch und spanisch. Eine logische Konsequenz für Alexander Huber, da er über lange Zeiträume in den Dolomiten, am Montblanc oder in Südamerika geklettert ist. „Sprache lebt vom Anwenden und Unterwegssein“, sagt er und berichtet von tollen Begegnungen mit Land und Leuten.

Wichtig für den Ausnahmekletterer ist die richtige Einstellung zu den Felsen: Sie nicht als Gegner betrachten. „Dem Berg ist es egal, ob ich den Gipfel erreiche“, stellte er klar. Und so erzählt Alexander Huber fesselnd und mit Augenzwinkern von der Herausforderung der Speedbegehung am El Capitan im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien, die er gemeinsam mit seinem Bruder in Angriff genommen hat – spektakuläre Bilder inklusive. Es ist eine Geschichte vom Scheitern, Aufstehen, Weitermachen, Durchhalten, Motivieren, gekrönt letztendlich vom Erfolg. Die 1 000 Meter hohe, nahezu senkrechte Felswand, bestiegen Wayne Merry und George Whitmore im Jahr 1958. Dazu benötigten sie 47 Klettertage. Als die Huberbuam einen neuen Rekord 2005 aufstellen wollten, lag die Marke bei 2 Stunden, 48 Minuten, 50  Sekunden. Zunächst mussten sie jedoch zwei Rückschläge verkraften. Im Herbst 2005 stürzte Alexander 17 Meter in die Tiefe, im Frühjahr 2006 erwischte es Thomas – und das beim Dreh zum Film „Am ­Limit“, der trotzdem ein großer Erfolg wurde. Im Herbst 2007 startet dann der dritten Versuch.

Packend erzählt Alexander Huber von den Vorbereitungen und davon, mit welchen Widrigkeiten sie zu kämpfen hatten. Das waren nicht selten andere Kletterer, die sie regelmäßig bei ihren Trainingseinheiten überholten. „Normale“ Kletterer sind an dieser Wand drei bis vier Tage unterwegs bis sie den Gipfel erreichen, und benötigen deshalb viel Gepäck und Proviant, was sie zusätzlich ausbremst. Am Ende haben die Huberbrüder dann doch das Glück des Tüchtigen. Am Ende bleibt die Stoppuhr bei 2.48,50 Stunden stehen. „Wir waren ganze 15 Sekunden schneller“, sagt Alexander. Nicht viel, wie er selbst betonte, aber neuer Rekord bleibt Rekord und den feierten sie mit anderen Kletterern ausgiebig eine Woche lang. „Feiern gehört integral zum Leben dazu“, lautet dazu sein Kommentar. Was dann folgte, war „die Eroberung des Nutzlosen. Wir haben unseren eigenen Rekord unterboten.“ Das Ergebnis hieß 2.45,45 Stunden.

Am Schluss des Vortrags ist Bruno Foldenauer, Vorstandsmitglied der VR Bank Hohenneuffen-Teck, nicht zu bremsen. Seine Bank hatte die Mitglieder zu der Veranstaltung eingeladen, und der Bank-Sprecher nutzte die Gunst der Stunde, um noch einige Fragen an den Ausnahmesportler stellen zu können. Am Ende vereinbarten die beiden eine gemeinsame Tour, die für den Huberbuam eine weitere Erstbesteigung bedeutet: der Hohenneuffen – denn auf der Teck war Alexander Huber schon.

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