Lenninger Tal

Lecker wie im Lokal, lauschig wie daheim

Gastronomie Es gibt sie noch, die Besenwirtschaften. Eine dieser traditionsreichen Ausschankstuben hat jetzt in Lenningen ihre Pforten geöffnet. Von Daniela Haußmann

Im Lenninger Besen, der Platz für etwa 40 Gäste hat, werden Fremde schnell zu Bekannten. Fotos: Daniela Haußmann
Im Lenninger Besen, der Platz für etwa 40 Gäste hat, werden Fremde schnell zu Bekannten. Fotos: Daniela Haußmann

Sträuße, Hecken, Besen - kaum eine Gastronomieform ist wohl so urig, bodenständig und zeitgemäß modern wie die Ausschankstuben, die jedes Jahr im Oktober ihre Türen öffnen. Was in der Pfalz, Rheinhessen und im Rheingau als Straußenwirtschaft bezeichnet wird, ist in Franken die Hecken- und im Schwabenland die Besenwirtschaft. Der Legende nach ist ihr Ursprung bei Karl dem Großen zu suchen. Bekannt als Förderer des Weinbaus soll der Landesherr vor mehr als 1 200 Jahren den Bauern per Dekret gestattet haben, ihren Wein auch ohne Schankkonzession an durstige Trinker zu verkaufen. Ein Kranz aus Tannenreisig oder Stroh vor dem Haus sollte nach Maßgabe des Regenten auf die von den Winzern zeitweise betriebene Wirtschaft hinweisen.

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Der erste Besen im Ort

Die Tradition ist bis heute lebendig. In Württemberg allerdings wurde aus dem Kranz der Besen. Außerdem hat sich die urgemütliche Lokalität längst über die typischen Weinbauregionen hinaus verbreitet. Heute ist sie auch ganz selbstverständlich in Gegenden anzutreffen, in denen der Streuobstbau beheimatet ist. So auch in Lenningen.

Familie Rommel hat dort die erste Besenwirtschaft eröffnet, wie es in einer Broschüre heißt. Schon beim Betreten wird so manchem Gast warm ums Herz. Milch- und Teekannen zieren die Fenstersimse, hölzerne Heugabeln, uralte Sägen und ein Rucksack nebst Filzhut schmücken die Wände. Es sind Zeugnisse der eng mit der Landwirtschaft und den Streuobstwiesen verwobenen Familiengeschichte, die der Lokalität eine ganz persönliche Note verleihen. Der Boden ist mit Holzdielen ausgelegt, in der Ecke lodert das Ofenfeuer, dessen flackerndes Licht das Metall der Destillationsanlage zum Funkeln bringt.

Was Felix Rommel zusammen mit seiner Familie in rund zwei Jahren aus einem ehemaligen Kuhstall mit der Hand am Arm, aber auch viel Hingabe und Leidenschaft zum Detail geschaffen hat, mutet fast wie ein Restaurant an. Der Gemütlichkeit und Geselligkeit tut das keinen Abbruch. An den von Vitus Rommel gezimmerten Eichentischen und -bänken philosophieren alte Bekannte über das Leben, und aus Fremden werden Freunde. Zwischendurch wird am Apfel-Johannisbeer-, Apfel-Kirsch- oder Apfel-Holunder-Most „geschlotzt“. Wer möchte, kann die von Vitus Rommel destillierten Edelbrände verköstigen. Fassgelagerte Brände wie Kirsch aus dem Maulbeerfass, sortenreine Destillate wie zum Beispiel Gewürzluiken- oder Bohnapfelbrand, aber auch Liköre aus Birnen, Quitten oder Zwetschgen machen das Angebot im Genussbesen zu etwas Besonderem.

Die Früchte für die heimischen Produkte liefern laut Vitus Rommel die etwa 7 00 Streuobstbäume, die auf den familieneigenen Wiesen rings um Lenningen gedeihen. So wird mit der Herstellung lokaler Erzeugnisse ein nachhaltiger Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft geleistet, wie der Brenner betont.

Während die Besucher mit dem Henkelglas anstoßen und mit Begeisterung die Karte studieren, liegt der Duft von Kesselfleisch und Sauerkraut in der Luft. In der kleinen Küche richtet Felix Rommel cremige Kürbissuppe an, während selbst gemachte Maultauschen mit geschmelzten Zwiebeln und Kartoffelsalat bereits den Gaumen der ersten Gäste erfreuen.

Ein Gefühl wie zu Hause

In aller Frühe hat der Bäckermeister den Holzofen vor dem Haus auf Temperatur gebracht, um das Brot zu backen, das am Abend zusammen mit dem vielfältigen Speisen auf den Tisch kommt. Für Friedrich Krebs ist die Lokalität in der Mühlstraße 13 etwas Besonderes. „Man merkt einfach, dass hier schon Künstler am Werk sind“, findet der Mann aus Nabern. Ähnlich sieht es Rene Morf. „Die Ansprüche der Gäste sind gewachsen. Wer sich mit seiner Gastronomie abheben will, muss kreativ sein“, findet der Unterlenninger. „Die Familie Rommel ist da auf einem ganz guten Weg.“

Dass es Felix Rommel, der die Wirtschaft initiiert hat, gelungen ist, trotz gehobenem Ambiente den Besencharakter beizubehalten, zeigt sich auch im Verhalten der Gäste. Viele von ihnen fühlen sich wie zu Hause. Und so soll es in einer typischen Besenbeiz schließlich auch sein.

Typisch Schwäbisches gibt‘s im Besen.
Typisch Schwäbisches gibt‘s im Besen. Foto: Daniela Haußmann

Dieses Jahr noch dreimal geöffnet

Der Lenninger Genussbesen von Familie Rommel hat am 21. Oktober erstmals in diesem Jahr seine Türen geöffnet.

Gemäß Vorschrift zählt die Lokalität 40 Sitzplätze. Gruppen sollten sich daher vorher anmelden. Für Einzelpersonen und Paare ist in der Regel immer ein Plätzchen frei, wenn an den Tischen eng zusammengerückt wird. Nicht umsonst werden Besen auch „Drucketse“ genannt.

Jeweils ab 17 Uhr stehen noch vom 3. bis 5. November die Türen in der Lenninger Mühlstraße 13 Gästen offen.