Lenninger Tal

Letzte Klappe für „Laible und Frisch“

Region. Die Bäckersaga ist sein Vorzeigeprojekt, und längst stehen Film und Serie für das ganze Ermstal. Nun gibt der Filmproduzent Frieder Scheiffele auf. Von Christina Hörz

Mit Künstlertypen der Marke „chic und sorglos“ hat Frieder Scheiffele nichts gemein. Im Gegenteil. Der Dettinger strahlt Seriosität aus. Immer besonnen hat er etwa im Gemeinderat argumentiert, wo er die vergangenen fünf Jahre für die Freien Wähler saß. Und genauso aufgeräumt erzählt er jetzt über seinen neuen beruflichen Weg. Dabei beer­digt Frieder Scheiffele in diesen Tagen seinen Lebenstraum: Der Macher der Bäckersaga „Laible und Frisch“ wirft hin.

Der Grund: Scheiffeles Firma Schwabenlandfilm steht trotz des jüngsten Leinwand-Erfolges wirtschaftlich schlecht da. Nun zieht der langjährige Chef die Konsequenzen. Sein Geld verdient Frieder Scheiffele jetzt als Wirtschaftsförderer bei der Stadt Ebersbach an der Fils.

Schon mehrfach vor dem Aus

„Ich bin jetzt in einem Alter, da sollte man auch mal an die Zukunft denken“, begründet der 40-Jährige seinen Schritt. Mehrfach schon stand die Schwabenlandfilm kurz vor dem wirtschaftlichen Aus. Doch immer wieder hat sich Scheiffele mit seinen Partnern aus der Misere gekämpft, das Unternehmen mit privatem Geldeinsatz und viel Verve wieder auf ein solideres Fundament gestellt. Die jüngsten Entwicklungen haben ihm und seinen Kollegen wohl den Rest gegeben: Erst kürzlich sind zwei größere Produktionen weggebrochen, die Scheiffeles Partnersender seiner Firma bereits mündlich in Aussicht gestellt hatte - darunter etwa der zweite Teil des Kinofilms „Laible und Frisch“.

Dafür bot der Südwestrundfunk der Schwabenlandfilm zwar zwei neue Dokumentationen an, „aber das hat einfach nicht ausgereicht. Die kleinen Produktionsfirmen bekommen in Baden-Württemberg schlicht zu wenig Aufträge“, urteilt Frieder Scheiffele.

Aus der Traum. Die Enttäuschung ist dem Absolventen der renommierten Ludwigsburger Filmakademie anzumerken. Obwohl Frieder Scheiffele sich weder in die Opferrolle duckt noch böse Worte wählt. Er bleibt der Besonnene. Aber für den Film-Enthusiasten und Serienfan geht nicht nur eine Ära zu Ende - sondern ein Lebensprojekt.

„Der spinnt ein bisschen“, urteilten vor 20 Jahren manche Mitschüler am Bad Uracher Gymnasium. Damals war Frieder Scheiffele Vorsitzender des von im gegründeten „Marienhof“-Fanclubs. Und er erklärte, künftig in der Filmbranche arbeiten zu wollen. Alle, die nicht daran glaubten, hat der Dettinger eines Besseren belehrt. Scheiffele zog sein Ding durch.

Er konzentrierte sich im Studium auf die Produktion von Serien und ging danach mit der Fernsehausgabe von Laible und Fisch an den Markt. „Das Publikum liebt diese Geschichte.“ Am Ende hat das so wenig genützt wie die Grimme-Preis-Nominierung für seinen Fantasy-Thriller „Dolores“ und der enorme Erfolg des Kinofilms „Do goht der Doig“. Rappelvoll waren die Kinosäle vor zwei Jahren zwischen Ulm, Hechingen und Metzingen.

Jetzt zieht der Macher des schwäbischen Bäckerkrieges im fiktiven Dörfle Schafferdingen die Reißleine. Seit Langem hadert der 40-Jährige schon mit den Rahmenbedingungen für Filmschaffende im Ländle. Regisseure, Drehbuchschreiber, Produzenten - „alles gut ausgebildete Leute, aber es gibt zu wenig Jobs für sie.“

Dazu kommt, dass Mundart-Stoffe oft einen schweren Stand haben. Die Sender kaufen häufig nicht bei den regionalen Produzenten ein, sondern bei den Gro­ßen irgendwo in der Republik, bedauert der Filmproduzent. Ein Grund, weswegen viele seiner Kollegen das Ländle gleich ganz verlassen haben, um Jobs in Berlin oder München zu suchen.

Frieder Scheiffele bleibt hier. Er wechselt nur das Metier. Dieser Tage ist er an seiner neuen Wirkungsstätte in Ebersbach an der Fils als Standortförderer vorgestellt worden.

Vom Filmstudio ins Rathaus, vom Set in die Verwaltungsstuben? Nein, so krass ist dieser Schritt gar nicht für den mit kommunalpolitischer Erfahrung und Unternehmergeist ausgestatteten Dettinger. „Hier und da geht es darum, kreativ zu sein, Ideen zu haben und Projekte zu entwickeln.“

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