Lenninger Tal

Leute, deckt euch ein!

Randnotiz von Anke Kirsammer zum Frieren in durchlüfteten Räumen.

Symbolbild Wolldecke
Symbolbild Wolldecke

Haaatschi! Nein, es ist kein C-C-Corona. Nur die Nachwehen einer Gemeinderatssitzung vom Wochenanfang. Da nämlich verhinderte selbst der dickste Winterkittel nicht, mitten im goldenen Oktober zum blauen Eisklotz zu gefrieren. Nach dreieinhalb Stunden Dauerlüftens bei Außentemperaturen nahe der einstelligen Marke fühlte ich mich von der Nasenspitze bis zum großen Zeh wie eine einzige Frostbeule.

Auch Gemeinderäte und Rathausmitarbeiter schickten mit aufgestellten Krägen, hochgezogenen Schultern und tief in die Taschen eingegrabenen Fäusten flehende Blicke zur gekippten Fensterfront. Beim Abstimmen den steifen Finger zu lupfen, brachte offenbar keinen messbaren Temperaturschub. Wo tags zuvor noch Turnerinnen mit Flickflacks und Salti im ­T-Shirt schwitzend über Matten getobt waren, wurde jetzt fraktions- übergreifend geschlottert. An den beackerten Friedhofsthemen lag es nicht. Und wer gedacht hatte, dass der Beitritt zum Klimaschutzverein des Landkreises psychologisch zur Erwärmung beitragen könnte, wurde bibbernd eines Besseren belehrt. Das Rezept des coolen Gemeinderats, der eisern kurzärmlig der Kälte trotzte und selbst Bürgermeister Schlecht Respekt und eine Gänsehaut einjagte? Es wird sein Geheimnis bleiben.

Die Lenninger Räte bekamen in der an einen Kühlschrank erinnernden Turnhalle den Hauch einer Ahnung davon, wie es Lehrern und Schülern derzeit tagein tagaus gehen mag. Dick eingemummelte Schüler, sofern sie noch nicht mit Schnupfnase die kuschelige Beschulung am heimischen Ofen genießen, sollen in stoßgelüfteten Klassenzimmern ja vielfach den Unterricht bereichern.

Verstehe noch einer, warum die Menschen wie im Frühjahr wieder Klopapier hamstern. Gegen klirrende Kälte im Durchzug hilft weder drei- noch vierlagig. Leute, kauft Wolldecken, Pudelmützen, Moonboots und Tee, bevor es zu spät ist! Uns steht ein frostiger Winter ins Haus.

Haaatschi!

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