Lenninger Tal

„Links, links, nein, das andere Links!“

Der Mährisch-Schlesische-Sudetengebirgsverein lud zum Hahnschlagen an der Altvaterbaude ein – Der Spaß dabei ist garantiert

Linus Schlienz eroberte mit seiner Freude am Hahnschlagen die Herzen der Zuschauer im Sturm.Foto: Thomas Krytzner
Linus Schlienz eroberte mit seiner Freude am Hahnschlagen die Herzen der Zuschauer im Sturm.Foto: Thomas Krytzner

Lenningen. Ein kalter Wind blies um die Baumwipfel bei der Altvaterbaude in Schopfloch, als sich die unzähligen Gäste und Mitglieder des Mährisch-Schlesischen-Sudetengebirgsvereins zum Mittagessen bei Unterhaltungsmusik trafen. Bereits zum

Thomas Krytzner

35. Mal ließen es sich Jung und Alt nicht nehmen, sich im Hahnschlagen zu messen. „Früher“, so erzählt Schriftführer Udo Schwalm, „haben wir das Hahnschlagen im Herbst zum Erntedank durchgeführt und das Himmelfahrtstreffen separat.“ Aus finanziellen Gründen seien die beiden Anlässe zusammengelegt worden. Und früher, weiß Schwalm, sei das Hahnschlagen mit echten Hähnen durchgeführt worden, heute schlage man auf Eimer.

Beim Hahnschlagen geht es da­rum, mit verbundenen Augen mit dem Dreschflegel einen Topf aufzuspüren und mit einem schwungvollen Schlag zu treffen. Es sei tschechisches Brauchtum, erklärt Schwalm, und auch die Altvaterbaude hätte ihren Namen aus Tschechien. In Tschechien heißt Altvater Praded und bezeichnet die höchste Erhebung in Mähren. Vom Gipfel des Altvatergebirges kann man nach Mähren, Schlesien und Böhmen sehen. Wo einst der 33 Meter hohe Turm stand, der ab 1912 Habsburgwarte genannt wurde, steht heute ein Fernsehturm.

50 der rund 2 000 Familien, die Mitglied im Verein sind, leben noch im Ursprungsgebiet. Hüttenwart Heinz Fürst gibt zu bedenken, dass der Schwund spürbar sei, und dass die Mitglieder des Vereins durch viele Aktivitäten daran arbeiteten, wieder mehr Vereinszugehörige zu gewinnen. So organisiere der Verein Schulwanderungen mit den Kirchheimer Schulen und sogar ein Verein junger Familien sei gegründet worden.

„Wir werden oft als altertümlicher Verein angesehen“, bedauert Fürst, „dabei leben wir nicht in der Erinnerung und haben auch mit Politik nichts zu tun.“ Vielmehr fröne man der Freude am Wandern und dem Naturschutz. Brauchtumspflege gehöre ebenso zum Jahresprogramm wie das Gestalten des Osterbrunnens in Kirchheim oder die Ostereierausstellung im Heimatmuseum. Die Altvaterbaude vom Deutschen Alpenverein sei stets gut besucht, übernachten könne man in einem der 26  Betten. „Aber“, schmunzelt Fürst, „Essen und Bettwäsche muss jeder selbst mitbringen.“

Dann muss Heinz Fürst los, um die Teilnehmer fürs Hahnschlagen zu versammeln: Acht Kinder und zwölf Erwachsene hatten sich aus der Gästeschar angemeldet, um sich in ihrer Kategorie in der blinden Zielgenauigkeit zu messen. Bei den Kindern waren auch die Eltern eifrig dabei, wenn sie sich mit dem Dreschflegel dem Topf näherten. „Mehr links, nein rechts“, waren die Zurufe, oder „halt den Stock höher, noch höher und jetzt schlag!“ Der Topf bekam eine Delle nach der anderen, die Kinder hatten wohl Zielwasser getrunken. Allen voran Klara Gabriel: Sie traf den Eimer in allen drei Runden und siegte bei den Kindern.

Sieger der Herzen war allerdings Linus Schlienz. Als jüngster Teilnehmer im Feld schlug er außer Konkurrenz den Topf und sorgte mit seiner Gestik und großem Eifer für viel Freude im Publikum. Für die Kinder gab es nach dem Wettbewerb eine Überraschung und die drei erstplatzierten Erwachsenen wurden auf der von Wolfgang Znaimer liebevoll gestalteten Ehrenscheibe verewigt. Außerdem bekam der Sieger als Preis eine Übernachtung in der Altvaterbaude in Schopfloch. Der Wind blies nach den Wettkämpfen zwar immer noch, das tat aber der guten Stimmung am Himmelfahrtstreffen keinen Abbruch.

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