Lenninger Tal

Lustwandeln durch den „Flecka“

Event Über 170 Besucher genießen das Wandelkonzert zum Motto „Schopfloch erleben - Musik genießen“. Von Sabine Ackermann

Zu Beginn des Wandelkonzerts stimmte das Akkordeonorchester das Publikum in der Schopflocher Johanneskirche auf den musikalisch-
Zu Beginn des Wandelkonzerts stimmte das Akkordeonorchester das Publikum in der Schopflocher Johanneskirche auf den musikalisch-poetischen Abend ein.Fotos: Sabine Ackermann

Oh, when the saints go marching in“, klang durch die gut gefüllte Johanneskirche, dem Treffpunkt, von wo aus sich der musikalische Lindwurm in Bewegung setzte. Das Gospelstück wurde am Samstagabend unter anderem vom Schopflocher Chor „Männer von der Alb“ interpretiert, aber nicht nur. Es war der glasklare Gesang von Doris Lipka-Krischke und das Spiel des Klarinettisten Gerold Schwarz, was dem geistlichen Lied einen besonderen Stempel aufdrückte. „Das Spiritual ist ein Zeugnis einer lebendigen Zukunftshoffnung“, begrüßte Pianist Stefan Lipka die zahlreichen Zuschauer und schilderte kurz den Ablauf.

„Sie folgen den Männern in den Blauhemden und unserem Klavier.“ Klingt einfach. Allerdings legten die Herren mit ihrem rollenden Piano zumindest am Anfang ein sportliches Tempo an den Tag. Doch bevor das agile Wandelkonzert-Ensemble durch den „Flecka“ zog, kam das Publikum bereits im Gotteshaus in den Genuss eines abwechslungsreichen Minikonzerts. Das Akkordeonorchester präsentierte „Die Schöne und das Biest“, Doris Lipka-Krischke begeisterte mit „Paganelli“ auf dem Hackbrett und Stefan Lipkas „Wachtelschlag“ auf der Orgel wurde wie der Klarinetten-Klezmer von Gerold Schwarz mit verdientem Beifall honoriert.

Vor dem Pfarrhaus stand dann der schwäbische Lyriker Eduard Mörike im Fokus. „Die Lieb‘, die Lieb‘ hat alle Stund neu wunderlich Gelüsten; wir bissen uns die Lippen wund, da wir uns heute küssten“, interpretierte Moderator und Geschichtenerzähler Martin Wünsche das Gedicht von der „Nimmersatten Liebe“. Leider ließ der Straßenverkehr jegliches Gefühl für die Prosa im Keim ersticken. Darauf ein „Nobody knows the trouble“ und der Männerchor stellte sich „Am Brunnen vor dem Tore“ auf.

Nachdem man schnellen Schrittes dem Motorenlärm entronnen war, erklang am Farrenstall der Ragtime „Swipesy“ und Stefan Lipkas Mann erinnerte an den „Sprung übers Lenninger Tal“, bekannt als Sage zum sogenannten Reiterfelsen. Sie handelt von einem buckligen Weiblein, das ihre Hilfe einem Herzog von Urach anbot, der schnell eine Nachricht an den Kaiser verschicken wollte. Kein Reiter war jedoch bereit für den Teufelsritt, weshalb das Weiblein eine Zaubersalbe braute, ein Kalb damit bestrich und seinen Mann darauf setzte. Dabei schärfte es ihm ein, unterwegs kein Wort zu sprechen. Doch über dem Lenninger Tal setzte das Kalb mit einem einzigen Sprung von einer Talwand zum Felsen über. „Was für eine Riesensprung“ entfuhr es dabei dem Mann und das Reittier war verschwunden. Das Schweigen war gebrochen, der Zauber zu Ende.

Ungeachtet des drohenden Gewitters wurde der Weg zur Schule-Dorfende-Rossgasse eingehalten. Dort steht das alte mechanische Werk der Uhr, die bis Mitte der 60er-Jahre im Kirchturm war. „Lust und Lieb zu einem Ding, macht jede Müh und Arbeit ring“, folgten darauf der Sinnspruch und verschiedene Musikstücke, wie die gesungene Ballade „die Uhr“ sowie jüdische Klezmer-Musik „Di Mechaje“. Und der Männerchor verriet nach dem „Bajazzo“ im Knaupenlied: „Ich liebte einst ein Mädchen.“

Am Dorfende gab es als visuelles Sahnehäubchen einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang, doch danach folgte Regen. Allerdings trotzte das Publikum den Wetterkapriolen. Unter einem vorspringenden Dach in der Rossgasse kuschelten alle eng zusammen. Das Klavier beschützten Anwohner mit zwei Sonnenschirmen, die sie über Stefan Lipka und sein Instrument hielten. Dort beendeten die beiden Klassiker „Only you“ und „Over the Rainbow“ sowie der Abschluss-Kanon „Abendstille überall“ das Wandelkonzert. Der Ständerling wurde anschließend in der Kirche abgehalten.

Die Musiker legten ein ordentliches Tempo vor.
Die Musiker legten ein ordentliches Tempo vor.
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