Lenninger Tal

Männle schaffen Sprung ins Museum

Werke des Lenninger Künstlers Rainer Hoffelner werden in Peking ausgestellt

In der engeren Auswahl für China ist Rainer Hoffelners Bild „Fragile World“ - auf Deutsch: „Zerbrechliche Welt“.Foto: Jean-Luc J
In der engeren Auswahl für China ist Rainer Hoffelners Bild „Fragile World“ - auf Deutsch: „Zerbrechliche Welt“.Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Es dürfte der Traum eines jeden Künstlers sein: die eigenen Bilder im Museum hängen zu sehen. Für den Lenninger Künstler Rainer Hoffelner geht dieser Wunsch

in Erfüllung: Zehn seiner Werke werden im Sommer im Museum of Contemporary Art in Peking ausgestellt. „Zum ersten Mal stehe ich im Türrahmen“, formuliert es Rainer Hoffelner – an der Schwelle zur internationalen Kunstwelt. Dabei ist China nicht die erste Station des Künstlers außerhalb Deutschlands und Europas. Zu Beginn dieses Jahres waren sechs seiner Bilder bei der internationalen Kunstmesse Art Palm Beach in Florida zu sehen. „Aber eine museale Ausstellung ist natürlich noch mal etwas ganz anderes“, weiß Rainer Hoffelner.

„Die Kunst ist meine Leidenschaft“, betont er. Und seine Kreativität sei von den Ereignissen in diesem Jahr geradezu beflügelt worden: „Ich will am liebsten nur noch ins Atelier und bis zu den Hemdsärmeln in der Farbe wühlen“, beschreibt der 51-Jährige: „Malen ist für mich mittlerweile ein Grundbedürfnis – wie Essen und Trinken.“

Von Beruf ist Rainer Hoffelner Werbegrafiker – und möchte es auch bleiben. „Mein Traum wäre es, meinen Lebensunterhalt zur Hälfte durch die Kunst und zur Hälfte über meine Werbeagentur zu bestreiten“, sagt er. Selbst wenn er den internationalen Durchbruch schaffen sollte, würde er nicht allein auf die Kunst setzen wollen. Das habe für ihn mit Freiheit und der Lust am Experimentieren zu tun: „Ich habe bei meiner Kunst nie Rücksicht nehmen müssen und konnte mich immer voll ausleben“, beschreibt Hoffelner. „Wenn man aus finanziellen Gründen aber nur das malt, was gut ankommt, geht das nicht mehr.“

Mit seiner Leidenschaft und Leichtigkeit konnte Rainer Hoffelner vergangenes Jahr auch bei der Pashmin Art Gallery in Hamburg punkten. Sie nahm den gebürtigen Nürtinger unter ihre Fittiche, um ihm den Weg auf den internationalen Kunstmarkt zu ebnen (siehe Interview). Und wieder einmal waren es die kleinen schwarzen Tuschemännchen – Rainer Hoffelners Markenzeichen – die den Ausschlag gaben. „Sie haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert“, weiß der Wahl-Lenninger. Die Tuschefiguren verbreiten Lebensfreude und Dynamik auf seinen Bildern. Sie tanzen, rennen, turnen, springen über die Leinwand und erzählen Geschichten. „Mit den Männchen kann ich durch alle Epochen und Stilrichtungen gehen. Sie lassen viel Spielraum für Gestaltung.“

Auch wenn sie der rote Faden sind – immer mehr rücken in Hoffelners Werken die farbgewaltigen Hintergründe in den Vordergrund. „Ich arbeite jetzt viel mit Eisen-Kupfer-Oxid, Säuren und Reißlacken“, erzählt er. Farbe allein genüge ihm nicht mehr. „Glanz und Mattigkeit, raue und glatte Flächen gehören für mich auch dazu.“ Mit den Reißlacken und Säuren lasse er in begrenzten Bereichen die Stoffe selbst arbeiten und erzeuge sozusagen eine kontrollierte Unkontrolliertheit. Dabei ist auch eine Serie von weltkugelähnlichen Gebilden entstanden – manche übersät von Rissen, andere umgeben von wabernden Strukturen. „Das verkörpert für mich die Zerbrechlichkeit der Welt“, sagt Hoffelner. So hat er einem dieser Bilder auch den Titel „Fragile World“ gegeben.

Wichtig ist es Rainer Hoffelner, seinen Werken Tiefe zu verleihen – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. „Ich möchte eine Art Dreidimensionalität erreichen“, sagt er. Dabei helfen nicht nur Rost und Kupfer, Patina und Risse, sondern auch dicke Museumsrahmen – und eine gewissen Größe. „Kein Bild ist kleiner als ein Meter auf einen Meter“, so Hoffelner.

Im Moment warten die Werke auf ihre Reise nach China. „Die Ausstellung eröffnet Anfang Juli“, sagt Rainer Hoffelner. Er selbst wird dort sein, wenn seine Werke zum ersten Mal in einem Museum hängen. Zwei Monate lang werden die Bilder in der chinesischen Hauptstadt zu sehen sein. Rainer Hoffelner ist gespannt, wie sie im Reich der Mitte ankommen. „Das könnte gut passen“, glaubt der Künstler. „Jedes Bild, das ich male, enthält durch die Männchen auch Tusche-Elemente und hat etwas Kalligrafisches.“ Klar ist für ihn aber auch, dass es dieses Mal rein um den musealen Aspekt geht: „Da steht nicht der Verkauf im Vordergrund“, weiß er. Direkte Auswirkungen haben internationale Ausstellungen aber dennoch, wie der Lenninger schon zu Beginn des Jahres festgestellt hat: „Als meine Bilder in Amerika waren, ist die Nachfrage hier sofort gestiegen.“

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