Lenninger Tal

Männlichkeit als Last und Qual entlarven

Vernissage Eine Herausforderung zum genauen Hinsehen: Künstler Wolfgang Dick hat im Oberlenninger Schlössle seine Ausstellung „Heroes“ eröffnet. Von Gabriele Böhm

Wolfgang Dick zeigt sein Kunstwerk „Vanity. Fake Duck“ - eine Anspielung auf die Zeitungsente und Donald Trumps Verunglimpfung d
Wolfgang Dick zeigt sein Kunstwerk „Vanity. Fake Duck“ - eine Anspielung auf die Zeitungsente und Donald Trumps Verunglimpfung der Presse. Foto: Gabriele Böhm

Ein Bild ist nie nur ein Bild“, betont Wolfgang Dick. Am Freitagabend begann im Oberlenninger Schlössle mit vielen Gästen seine Ausstellung „Heroes“, mit der er provokativ zum genauen Hinsehen her- ausfordert. Die Dettinger Kunsthistorikerin Dr. Katrin Burtschell hielt die Einführungsrede. Zusätzlich zur Ausstellung erschien ein Katalog.

„Die Werke in Bleistiftzeichnung, Collage oder Mischtechnik entstanden allesamt in den vergangenen fünf Jahren und werden zum größten Teil erstmals überhaupt gezeigt“, betonte Ev Dörsam, Leiterin des Museums für Papier- und Druckkunst und der Gemeindebücherei, in ihren Begrüßungsworten.

Dr. Burtschell, die anschließend das Wort übernahm, erläuterte, dass der Ausstellungstitel „Heroes“ aus dem Wortspiel „He“ für „Er“ und „Eros“ entstanden sei. „Er steht für Macht und Männlichkeit, für Verlangen, für Selbstüberschätzung, Selbstironie und für die Angst des Mannes vor der Macht der Frau.“ Diese Thematik nimmt der Künstler in unterschiedlichen Serien auf.

2014 begegnete der Kirchheimer Künstler den Stierkampfradierungen von Goya und Picasso. Daraus entstand die Zeichnungsserie „Choréographie Catalane“, die vor einem fast neutralen Hintergrund die Paarung Torero und Stier in Szene setzt. Zu sehen sind das Reizen des Stiers mit dem Tuch, seine Tötung mit der Lanze, der Angriff auf Pferd und Mensch, der aufgespießte Torero - immer in einer ästhetischen Eleganz, oft geradezu tänzerisch. „Es ging mir um die Frage: Wer ist Täter, wer Opfer sowie den Widerspruch zwischen Grazie und Gewalt“, erläuterte der Künstler. Sein größtes Werk schließlich zeigt den toten Stier, der mit einem Radlader abtransportiert wird, während drei Toreros, angeordnet wie drei Grazien, zusehen und immer noch die Stichwaffe auf ihn richten.

Es gibt auch was zu lachen

In einer zweiten Bildergruppe lässt Dick Superhelden wie den muskelbepackten Michelin-Mann auftauchen. Wer genau hinsieht, bemerkt die Rakete im Arm, die er auf das Sternzeichen der Jungfrau gerichtet hat. „Blow up rubber arms“ zeigt den Comic-Helden Popeye mit einer Dose Campbell-Soup als Warhol-Zitat. „Popeye hat scheinbar kräftige, imponierende Unterarme, doch in Wirklichkeit sind es nur aufgeblasene Luftschläuche“, so der Künstler. „Männlichkeitsattribute werden entlarvt“, erläuterte Burtschell. „Doch Wolfgang Dick gibt männliche Potenz, Macht und Dominanz nicht der Lächerlichkeit preis, sondern entlarvt sie als Last und Qual.“ Dick sei „kritischer Beobachter und Hinterfragender des Menschen und der Gesellschaft“.

Etwas zu lachen gibt es bei „Vanity. Fake Duck“, einem Werk, bei dem die Donald-Ente anhand der Frisur und Teile der amerikanischen Flagge sofort als Präsident Trump erkennbar ist. „Vanity bedeutet Eitelkeit. Die Ente spielt an auf die Zeitungsente und Trumps Verunglimpfung der Presse als Lügenpresse, während seine Äußerungen selbst oft Fake News sind“, so Burtschell.

Seit 2016 ließ Dick sich von Originalen der Klassischen Moderne wie Matisse, Malliol oder Troubetzkoy inspirieren. In der Ausein-andersetzung damit entstanden Frauendarstellungen, die weibliche Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Schönheit als Gegenmodell zur erotischen Begierde und Gewalt repräsentieren. Ins Auge fällt auch die Darstellung der Mona Lisa, verhüllt mit einer transparenten Burka, deren Spitzenbesatz sich als grapschende Männerhände entpuppt. „gewalt macht lust“ zeigt „faschistische Objekte“ aus Holz und Stahl, die in ihrer Dreidimensionalität besonders intensiv wirken.

In einer Tischvitrine beschäftigt sich der Künstler mit dem Thema „Heimat“ und „Fremdsein“. Neben originalen afrikanischen Elefantenmasken sind Bilder in Mischtechnik ausgestellt, die durch gemalte Container und den hinter einer aufgebrochenen Wand erscheinenden Elefantengesichtern die Kontraste zwischen den Kulturen offenbaren.

„Es lohnt sich, Zeit vor den Werken zu verbringen und genauer hinzuschauen“, so der Künstler. Er selbst gebe mit seinen Objekten nur Impulse. Es sei Sache des Betrachters, wie sie damit umgingen.

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 28. Dezember, zu sehen. Infos gibt es auch online unter https://kultur-im-schloessle.de

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