Lenninger Tal

Menschen als Gabe begreifen

Jubiläumsfest zum zehnjährigen Bestehen des Kreisdiakonieverbands Esslingen

Vor zehn Jahren wurde der Kreisdiakonieverband Esslingen als Dachverband aller diakonischen Einrichtungen und Initiativen in den vier Evangelischen Kirchenbezirken im Landkreis Esslingen gegründet. Dieses Jubiläum wurde mit einem Gottesdienst und einem fröhlichen Fest in Denkendorf gefeiert.

Der Künstler Carismo bei seinem getanzten Gebet in der Denkendorfer Klosterkirche. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Der Künstler Carismo bei seinem getanzten Gebet in der Denkendorfer Klosterkirche. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Denkendorf. „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ – dieses Wort aus dem ersten Petrusbrief hat sich der Kreisdiakonieverband Esslingen (KDV) als Leitwort gegeben. In seiner Predigt in der Denkendorfer Klosterkirche griff Dekan Bernd Weißenborn, Vorsitzender des KDV, dieses biblische Wort auf. Gottes Gnade schaffe eine bunte Vielfalt an Gaben, mit denen Menschen ausgestattet seien. Den diakonischen Dienst gelte es, von der Vielfalt dieser Gaben her zu begründen. Jeder Mensch habe Gaben mitbekommen, die er „als Aufgaben aneinander verstehen lernen und nicht als Waffen gegeneinander einsetzen“ müsse.

Als solchermaßen Begabte sollten Menschen einander anschauen. „Wir gehen dann anders miteinander um. Und es wird so spannend sein: den Flüchtling von seinen Gaben her zu verstehen, im Gescheiterten den von Gott Geliebten zu erkennen, im Schwierigen Potenzial Gutes zu sehen, den Menschen, jeden Menschen, als Gabe zu begreifen“, sagte Weißenborn. Diakonie sei Dienen und dabei gehe es um eine grundsätzliche Lebenseinstellung, eine einladende Haltung: „Über die konkrete Hilfe hinaus wollen wir eine Haltung leben. Es ist die Haltung des füreinander Daseins. Die Haltung der Achtsamkeit und der Einfühlung, des würdevollen Umgangs und der Augenhöhe“, so der Dekan.

Wie sich diese Haltung im konkreten Tun ausdrückt, beschrieb Edith Schindler, die seit Jahren eine Kontaktgruppe für psychisch Kranke in Kirchheim besucht: „Wir unterstützen einander und machen uns gegenseitig Mut.“ Dass auch Ehrenamtliche von ihrem diakonischen Engagement profitieren, betonte Adiyanti Sutandy-Buchholz, die seit zwei Jahren gemeinsam mit einer Kollegin den Sprachtreff „Dialog in Deutsch“ leitet. Auch sie selbst verbessere durch die Gespräche mit anderen ihr Deutsch kontinuierlich.

Der Stuttgarter Künstler Carismo beeindruckte die Gottesdienstbesucher mit einem getanzten Gebet. An zwei vertikalen Tüchern stieg der Akrobat hoch hinauf, fast bis unter das Dach des Kirchenschiffs.

Die diakonische Arbeit will in die Gesellschaft hineinwirken. In den zehn Jahres des Bestehens des KDV seien gute Kooperationen mit Kommunen, Kreis und Land entstanden, sagte KDV-Geschäftsführer Eberhard Haußmann. Landrat Heinz Eininger betonte in seinem Grußwort, der KDV sei ein wichtiger Partner des Landkreises: „Es ist gut, dass es Sie gibt.“ Der KDV sei „aktiver Mitgestalter in Kirche und Gesellschaft“ und Sprachrohr für diejenigen, die sich nicht selbst Gehör verschaffen könnten.

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