Lenninger Tal

Mit Apparaten Antikörpern auf der Spur

Industrie Ausschließlich mit „Leuze“ firmiert das Owener Traditionsunternehmen. Damit soll die Produkt-Erweiterung nach außen sichtbar werden. Analyse-Geräte werden beim Kampf gegen Corona eingesetzt. Von Iris Häfner

Die Mensa im Ludwig-Uhland-Gymnasium funktioniert reibungslos, weil Sensoren von Leuze die Gäste fehlerfrei zählen.  Fotos: Cars
Die Mensa im Ludwig-Uhland-Gymnasium funktioniert reibungslos, weil Sensoren von Leuze die Gäste fehlerfrei zählen. Fotos: Carsten Riedl

Leuze aus Owen trotzt der weltweiten Pandemie und macht mit einigen Innovationen auf sich aufmerksam. Lösungsorientiert und erfinderisch geht Leuze neue Herausforderungen an - das ist der Anspruch des Unternehmens. „Wir sind ein Hochtechnologieunternehmen“, sagt die Unternehmenskommunikatorin Martina Schili. „Unsere Mitarbeiter, die Sensor People, zeichnen sich dadurch aus, dass sie kreativ sind, wenn es darum geht, neue Produkte, Technologien und Lösungen zu entwickeln.“ Allein in den vergangen zehn Jahren hat die Firma über 200 Patente angemeldet.

Die neue Marke „Leuze“ soll sowohl die Differenzierung als auch die Fokussierung des Unternehmens verdeutlichen. „Als Leuze electronic 1963 gegründet wurde, stand der Begriff ,electronic‘ schon per se für Innovation. Heute ist jedem klar, dass in unseren Sensoren Elektronik verbaut ist. Allein der Name der Marke ,Leuze‘ soll in seiner Schlichtheit nun für höchste Innovationskraft stehen“, erklärt Martina Schili. Auch soll mit „Leuze“ nach außen sichtbar werden, dass das Owener Familienunternehmen sein Produkt-Portfolio nicht mehr auf elektronische Bauteile beziehungsweise Sensoren beschränkt. „Wir bieten verstärkt Sicherheitslösungen an, die weit über das Produkt hinausgehen. Dazu zählen Sicherheitsdienstleistungen für den gesamten Lebenszyklus einer Maschine, wie beispielsweise Gefährdungsbeurteilung und Sicherheitsabnahme, ähnlich wie die Überprüfung eines Pkw durch den TÜV“, erläutert Martina Schili.

Komplett neu erfinden will sich Leuze nicht. „Wir sind ein wandlungsfähiges Unternehmen, fokussieren uns jedoch auf diejenigen Industrien, in denen wir langjährige Erfahrung und Expertenwissen aufgebaut haben. Dadurch entsteht ein Mehrwert für unsere Kunden - und neue Technologien und Innovationen“, verspricht Martina Schili. Die Intralogistik ist für Leuze eine wichtige und zukunftsträchtige Branche, weshalb weiterhin ein Hauptaugenmerk auf ihr liegt. Hinter dem Begriff verbirgt sich der Bereich Förder- und Lagertechnik, also alle Warenflüsse wie Einlagern, Befördern, Ausliefern. Für diesen gesamten Prozess bietet Leuze Sensorlösungen an. „Von unserem neuen Distributionszentrum in Unterlenningen aus werden unsere Kunden beliefert“, so Martina Schili. In ihm sind die eigenen Sensoren verbaut - ein echter „Showroom“.

Ein Bildschirm zeigt immer aktuell die Belegung der Lugeria.
Ein Bildschirm zeigt immer aktuell die Belegung der Lugeria.

Mit Corona befasst sich das Owener Unternehmen insofern, als dass die Labor-Automation eine seiner Fokusindustrien ist. Leuze-Sensoren werden in IVD-Analyse-Geräten verbaut. Hinter IVD verbirgt sich die „In-vitro-Diagnostik“. Das ist ein medizinischer Begriff für die Laboruntersuchungen von menschlichen Proben, die außerhalb des Körpers erfolgen. „Diesen Analyse-Geräten kommt derzeit im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine wichtige Aufgabe zu“, sagt Dr. Lutz Werner, Industrie-Manager für Labor-Automation. „Verschiedene Länder testen, ob Menschen bereits Antikörper gegen Corona im Blut gebildet haben, oder ermitteln über einen Abstrich des Rachen- oder Nasenraumes, ob ein Mensch Covid-19-Viren in sich trägt. Genau das erfolgt mit diesen Analyse-Geräten hoch automatisiert, sodass viele Tests pro Tag durchlaufen können“, erklärt Lutz Werner.

Die Maschine entnimmt Proben, die sich über einen Strichcode den Patienten zuordnen lassen. „Das funktioniert schnell, und menschliche Fehler werden eliminiert. Wir sind froh, unseren Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten zu können“, sagt er. Mehrere Leuze-Kunde haben bereits Zulassungen für solche Tests. An die Apparate werden hohe Anforderungen gestellt. Mehrere Komponenten sind wichtig: Es gibt die biologische Seite, das Gerät muss technisch einwandfrei arbeiten, und die Daten müssen dem richtigen Patienten zugeordnet werden. „Die Maschinen unterliegen strengen Prüfungen. Um dies im Markt der Analysegeräte zu gewährleisten, müssen diese vor der Marktnutzung zertifiziert werden. Wesentliche Komponenten dürfen danach nicht mehr verändert werden. Dazu garantiert Leuze die Lieferfähigkeit ihrer Produkte über die gesamte Lebensdauer des eingesetzten Laborinstruments“, sagt Lutz Werner.

Leuze-Anlage zählt exakt die Lugeria-Gäste

Auch lokale, spezifische Projekte zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus geht Leuze an und unterstützt beispielsweise die Mensa des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim. Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr und zur Einhaltung der Abstandregeln dürfen nur maximal 30 Schüler gleichzeitig zum Mittagessen in die Lugeria. „Unser Sensor erkennt exakt, wie viele Schüler die Mensa betreten und auch wieder verlassen. Ansonsten müsste die Zählung durch zwei Mitarbeiter an Ein- und Ausgang der Lugeria manuell erfolgen“, erklärt Martina Schili. Auch muss beispielsweise ein ausgestreckter Arm erkannt werden, oder wenn jemand einen Rucksack trägt, so dass dieser nicht als weitere Person gezählt wird.

Über eine Signallampe wird angezeigt, ob die Mensa besetzt ist oder ob es noch freie Plätze gibt. „Dies kann man sich wie eine Art Ampelsystem vorstellen: Die Ampel springt auf gelb, wenn nur noch fünf Plätze verfügbar sind. Sie steht auf rot, wenn alle Plätze besetzt sind und wird automatisch wieder grün, wenn die 25er-Marke unterschritten wird“, beschreibt Martina Schili die kniffelige Aufgabe.

Innovativ und unkonventionell ging Thomas Merk, bei Leuze verantwortlich für den Bereich Service, an den Auftrag heran: Sein neunjähriger Sohn Linus hat das Programm in einer einfachen Lernsprache geschrieben und damit für das Grundgerüst gesorgt. Weil es für dieses neu entwickelte System nicht die passenden Apparate gab, durften auch die Azubis zeigen, was sie schon können. Von Hand haben sie die Leiterplatten so gearbeitet, dass sie in der Lugeria einsatzfähig sind. Dass sie ihr Handwerk ebenso beherrschen wie die Ingenieure, zeigen die positiven Erfahrungen der ehrenamtlichen Mensa-Mitarbeiterinnen. „Das ist klasse gelöst“, lobt Claudia Gerlach-Reck vom Vorstand der Lugeria. ih

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