Lenninger Tal

Mit Charme und großem Tatendrang

Amtseinsetzung Verena Grötzinger hält für weitere acht Jahre das Zepter im ­Owener Rathaus in der Hand. Landrat Eininger ­überreicht die Urkunde. Von Iris Häfner

Landrat Heinz Eininger lobte die Arbeit von Verena Grötzinger und wünschte ihr das Glück der Tüchtigen.Fotos: Carsten Riedl
Landrat Heinz Eininger lobte die Arbeit von Verena Grötzinger und wünschte ihr das Glück der Tüchtigen.Fotos: Carsten Riedl

Darin waren sich alle einig: Mit Verena Grötzinger als Bürgermeisterin hat die Stadt Owen das große Los gezogen. Das sahen auch die Bürger so: Mit 98 Prozent der Stimmen kann sie in ihre zweite Amtszeit starten. Lob für das bisher Geleistete gab es von sämtlichen Seiten, gespickt mit liebevoll-lustigen Andeutungen – einzig sie selbst, bekannt für ihre humorvoll-charmante Art, war außergewöhnlich ernst und nachdenklich.

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Den Reigen der Redner eröffnete Christian Ensinger in seiner Funktion als erster stellvertretender Bürgermeister. Von höchster Anerkennung durch die Wähler war da die Rede, wie das Ergebnis klar zum Ausdruck gebracht hatte.

Von fast sozialistischen Verhältnissen sprach denn auch Landrat Heinz Eininger. „Das ist etwas Überragendes, Besonderes. Der Vertrauensvorschuss von der ersten Wahl wurde verzinst. Das ist die Rückmeldung für Ihre gute Arbeit und Ausdruck Ihrer Beliebtheit hier in Owen.“ Dazu hat sich Verena Grötzinger einer Aufgabe gestellt, der die meisten Kollegen bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen sind. Sie hat den Haushalt schon auf Doppik umgestellt. „Mit Holzmaden haben Sie damit eine Vorreiterrolle übernommen“, lobte der Landrat, der offen zugab, das Zahlenwerk in der vorherigen Form besser verstanden zu haben. Vieles hat das Stadtoberhaupt in den vergangenen acht Jahren ruhig und besonnen erledigt. „Jetzt sitzt sie auch noch im Kreistag im Sozialausschuss. Ihre Tatkraft tut uns gut“, sagte Eininger mit einem Augenzwinkern, ehe er die Wahlprüfungsurkunde überreichte.

Hans-Jörg Schmid, zweiter stellvertretender Bürgermeister, sprach offen aus, was vor acht Jahren wohl nicht wenige Owener dachten: Erstmals eine Frau als Rathauschefin im Städtle? Geht das gut? Die Antwort gab er selbst: „Die Zweifler wurden überzeugt, das geht sehr gut, wie Wahlergebnis und -beteiligung zeigen.“ Doch nicht alle Zahlen sprechen für Verena Grötzinger. „Ich sage nur: drei zu fünf“, erklärte der Stadtrat und empfahl, die nächsten acht Jahre gut für die Maientags-Bilanz zu nutzen, denn nur dreimal konnten die Kinder ihr Fest auf dem schönen Maienwasen feiern, fünfmal in der Teckhalle.

„Warum waren es nicht 100 Prozent?“, fragte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht im Blick auf den großen Zuspruch der Wähler. Dazu hat er eine eigene Theorie: Zwei Prozent der Wähler mussten mit Whisky-getränkten Schokoladen-„Moiakäfer“ bestochen werden, um einen anderen Namen auf den Wahlzettel zu schreiben. Er sprach aber auch die gute Zusammenarbeit der benachbarten Kommunen an und nannte unter anderem „Unser Netz“ und die Offene Jugendarbeit als Beispiele.

In Gedichtform hielt Pfarrer Ekkehard Graf eine launige Ansprache. Von Ehemann Johannes, der an ihrer Seite klebt, weil „es sich halt gereimt hat“, war da die Rede, aber auch davon, dass es an der Arbeit von Verena Grötzinger wenig auszusetzen gibt. Ein hervorragendes Zeugnis stellte auch Brigitte von Merkatz aus. Mit einer Schultüte voller Kinder-Wünsche ergriff sie das Wort, dasselbe tat Norbert Rumberger für die Vereine.

Schließlich trat die so Gelobte selbst auf die Bühne. Dass sich Verena Grötzinger nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen gedenkt, wurde schnell klar. „So ein Wahljahr hat es in sich. Es bremst Projekte aus, weil man sich ja nicht sicher sein kann, ob man darüber entscheiden darf beziehungsweise kann“, erklärte sie und sprach auch ihre Zweifel an: „Für mich war es nicht klar und selbstverständlich, wiedergewählt zu werden.“ Deshalb geht es jetzt voller Tatendrang weiter. Menschen und Gruppen zu verbinden und für Ausgleich zu sorgen, sieht sie als wichtige Aufgabe. „In einer Zeit der Individualisten ist das keine leichte Aufgabe“, ist sie sich bewusst. Bürger will sie in die Entscheidungsfindung früh einbinden – dort, wo es Sinn macht. „Wir sind alle Owen“, so ihr Credo.

Für die musikalische Auflockerung des Abends sorgten der CVJM Posaunenchor und das Männer-A cappella-Ensemble „chiliDales“.