Lenninger Tal

Mit den Schölls läuft‘s wie geschmiert

Unternehmer Eine Familie aus Donnstetten produziert in ihrer Firma in Feldstetten Sportbekleidung. Ihr selbst entwickeltes Wachs hat schon manchem Skispringer zum Sieg verholfen.

Vater und Sohn aus Donnstetten posieren mit Olympia-Siegern: Goldmedaillengewinner Robert Johansson, Patrick Schöll, Goldspringe
Vater und Sohn aus Donnstetten posieren mit Olympia-Siegern: Goldmedaillengewinner Robert Johansson, Patrick Schöll, Goldspringer Johann Andre Forfang und Horst Schöll (von links).Foto: mp

Wenn der Feldstetter Unternehmer Horst Schöll erst einmal ins Reden kommt, ist er nicht mehr so leicht zu stoppen. Kein Wunder: Er könnte Romane von seinen Erlebnissen bei winterlichen Großereignissen wie Olympiaden, Weltmeisterschaften und Vier-Schanzen-Tourneen erzählen. Dort ist Schöll als Vertreter der Wachsfirma Holmenkol, aber auch in eigener Sache unterwegs. Denn mit seinem Unternehmen „s.cool“ versorgt er prominente Sportlerinnen wie Laura Dahlmeier mit Sportbekleidung. Für sie fertigt er derzeit jeweils fünf dicke Stirnbänder und Mützen an.

Schöll und sein Sohn Patrick sind gerade aus Pyeongchang zurückgekehrt. Jetlag kennt Horst Schöll nicht: „Das ist eine Sache des Kopfes“, meint er. Seit 1983, als alles mit Besuchen von Großereignissen begann, hat der Feldstetter schon viel erlebt. Auch eisige Kälte wie in Lillehammer bei minus 15 Grad. Doch zur Olympiade in Südkorea fällt ihm sofort ein, dass „die Kälte brutal war“. Ein eisiger Wind vom Meer machte alles noch viel schlimmer. „Der Wind kommt dort ungebremst.“ Von daher wurde ihm einmal ganz mulmig, als er mit anderen Service-Leuten vom Busfahrer nachts irgendwo rausgelassen wurde, und keiner eine Ahnung hatte, wo sie sich befanden. „Für den Busfahrer war der Dienst zu Ende.“ Zum Glück hatten sie noch einen erleuchteten Laden gefunden, dessen Besitzer sich dann erbarmte und sie ins Quartier der Serviceleute fuhr. „Im Jaguar“, wie Schöll mit einem Lächeln erzählt.

Profis fragen ihn um Rat

Schöll kennt die großen Wintersportler der Welt, und viele kennen ihn. So mit Sicherheit der aktuelle Olympiasieger im Super-G, Matthias Mayer aus Österreich. Dessen Servicemann wandte sich vor vier Jahren bei der Olympiade in Sotchi während der internen Ausscheidungswettkämpfe der Österreicher im Abfahrtslauf an Schöll, weil er nicht mehr weiter wusste. Mayer, so erzählt der Feldstetter, sei bis kurz vor Ende des Rennens immer unter den Besten gewesen, dann habe der Ski abgebaut, und er landete unter ferner liefen. Schöll erzählte dem österreichischen Servicemann von einem Wachs namens LF 21, das Schöll selbst entwickelt hatte. Dieses Wachs ist extrem hart und hat eine große Temperaturspanne, bei der es angewendet werden kann. Kurzum: Mayer qualifizierte sich mit dem neuen Wachs und wurde Olympiasieger in der Abfahrt.

In Südkorea war Schöll vor allem an der Schanze tätig. Dort ist der Betrieb ruhiger, weil nur wenige Firmen Wachs für Skispringer herstellen. „Skispringen ist kein Massensport“, sagt Schöll zur Begründung. Dort hatte er es mit Goldspringer Andreas Wellinger und den anderen Männern des Silberteams zu tun, aber auch mit den erfolgreichen Kombinierern und den Damen. Auf den modernen Sprungschanzen kommt auch das von ihm entwickelte Wachs zum Einsatz, das er heute nicht mehr selbst auf der Herdplatte braut, sondern das in Großproduktion von Holmenkol hergestellt wird.

Zwei Johanssons und Schöll

An der Sprung­schanze traf er in Pyeongchang auch den Goldmedaillengewinner im Teamspringen, den Norweger Robert Johansson. Der Name Johansson war Schöll sehr geläufig, hatte er doch zwei Jahrzehnte auch mit einem norwegischen Servicemann namens Gorm Johansson zu tun gehabt. Der habe ihm immer davon erzählt, dass er einen kleinen Sohn habe, der ein toller Skispringer sei. Und tatsächlich: Robert war der Sohn von Gorm, wie sich in Südkorea herausstellte.

Jetzt ist Schöll wieder in Feldstetten. Er macht auch die Trikots für Bayern München. Übrigens: Die markanten roten Mützen der deutschen Sportler in Südkorea waren auch von ihm.mp

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