Lenninger Tal

Mit Feuereifer bei der Sache

Ferienprogramm Diese zündende Idee war ein Erfolg. Heike Keller-Dieckmann lud Kinder nach Oberlenningen ein, aus alten Eierkartons, Wachsresten und Sägespänen Feueranzünder zu produzieren. Von Iris Häfner

Bei strahlendem Sonnenschein und kühlen Temperaturen bot es sich geradezu an, Feueranzünder aus hundert Prozent Recyclingmateria
Bei strahlendem Sonnenschein und kühlen Temperaturen bot es sich geradezu an, Feueranzünder aus hundert Prozent Recyclingmaterial zu produzieren. Das machte den Kids solchen Spaß, dass sie regelrecht in einen Produktionsrausch gerieten. Motivationskünste von Heike Keller-Dieckmann waren da nicht nötig. Fotos: Carsten Riedl

Es blubbert ordentlich im Topf. Elena hat die heiße Angelegenheit voll im Griff, das Mädchen ist die Herrin über Steckdose und Wachs. „Wir brauchen Nachschub“, sagt sie zu Heike Keller-Dieckmann, die prompt die nächsten Kerzenstumpen in der Glibbermasse verschwinden lässt. Die Kreativtherapeutin aus Oberlenningen bietet im Rahmen des Lenninger Sommerferienprogramms das Projekt „Feueranzünder aus Recyclingmaterial“ an - und die werden an diesem Morgen fast schon im Akkord produziert, so groß ist die Begeisterung der Kids für die nachhaltige Sache.

Feueranzünder Ferienprogramm

Heike Keller-Dieckmann hat einen hochmotivierten Kreis um sich geschart. Es ist noch kühl an diesem Morgen, auch wenn die Sonne scheint. Alles ist bestens vorbereitet, der Empfang herzlich - wie könnte es anders sein, wenn man über den Hintereingang ins Haus kommen darf. Die Hände sind desinfiziert, die Masken sitzen, die Kinder warten gespannt auf die Arbeitsanweisung. Im Wintergarten stapeln sich schon die Eierkartons, Scheren sämtlicher Couleur liegen auf dem Biertisch und warten auf ihren Einsatz. Dann kann’s losgehen: den Deckel von den Kartons reißen, die Lasche auch. Übrig bleibt der Boden mit seinen typischen Hütchen und Dellen. Einmal von unten schneiden, dann von oben - und schon hat man zehn Einzelteile. So wird Karton um Karton zerstückelt. „Das Schneiden ist immer das langweiligste“, ist sich Heike Keller-Dieckmann bewusst und motiviert zum Durchhalten.

Feueranzünder Ferienprogramm

Irgendwann ist genügend Rohmaterial vorhanden und es geht in den Garten. Dort ist der Tisch in weiser Voraussicht von der Hausherrin mit Tischdecken geschützt, Holzbretter liegen darauf, ebenso mit Sägespänen gefüllte Wannen - und der Wachskocher, in dem es schon ordentlich brodelt und blubbert. Jetzt wird jede Eierkarton-Schale mit den Spänen gefüllt und im nächsten Arbeitsschritt mit zwei Löffel heißem, flüssigem Wachs getränkt. Ist das Ganze abgekühlt, wird das Pappe-Material, das über die Wachs-Holz-Masse ragt, nach innen gedrückt - und fertig ist der zu hundert Prozent recycelte und handliche Feueranzünder, der dank der Duftkerzen-Reste auch noch vielschichtig riecht. „Die sind besser als jeder Feueranzünder, den man im Handel bekommt“, ist Heike Keller-Dieckmann von der Qualität ihres Produkts überzeugt.

Feueranzünder Ferienprogramm

Die Eierkartons und Kerzenreste sammelt der Bekanntenkreis für sie eifrig mit. „Alle essen Eier, und in den Supermärkten kann man sie ja nicht abgeben, sie landen in der Regel im Müll“, sagt Heike Keller-Dieckmann. Die Späne hat sie bei der benachbarten Schreinerei abgeholt, so wird auch dieses Abfallprodukt verwertet und landet erst nach diesem weiteren Zwischenschritt gewinnbringend im Verbrennungsofen. An diesem Morgen kommt viel Material in die Wiederverwertung. Die Kids verfallen in einen wahren Produktionsrausch. Heike Keller-Dieckmann kann ihr vorbereitetes Ersatz-Spielprogramm vergessen. Jonas und Rafael haben ihren internen Wettkampf um die höchste Stückzahl auszutragen, bei Levin wird zu Hause mit Holz geheizt und Elena hat die Weihnachtsgeschenke im Blick. Mehrere Feueranzünder hübsch in eine Tüte verpackt mit Schleifchen drumrum - fertig ist das praktische Geschenk, das bei jedem Lagerfeuer für einen durchzündenden Erfolg führt oder der Oma beim Feuermachen im Kachelofen hilft.

Feueranzünder Ferienprogramm

Vor drei Jahren hat Heike Keller-Dieckmann auf einem Weihnachtsmarkt in der Schweiz die ersten Feueranzünder dieser Art entdeckt. „Ich dachte gleich: Das kann man toll mit Kindern machen“, erinnert sich die Kreativtherapeutin. Nachdem die ersten Prototypen fertig waren, folgte das Fein-Tunig für die Kurse. Wer der Urheber dieser einfachen und effektiven Anzündart ist, weiß sie nicht. „So was verselbstständigt sich à la Schneeballsystem. Gute Ideen machen das“, sagt sie.

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